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Universitäts-Archiv

Heute ist die Alma mater weiblich – eine kleine Rückschau anlässlich des Internationalen Frauentages

08.03.2019

Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist aktuell zweite Heimat für 28.375 Studierende, davon sind 16.278 weiblich und bescheren der Uni damit eine Frauenquote von über 50% - wenngleich nur bei den Studierenden. Doch selbst diese Zahl entwickelte sich erst im Laufe der letzten Jahrzehnte, vor noch nicht allzu langer Zeit waren weibliche Gesichter in Hörsälen und Laboren durchaus eine Besonderheit.

Studentinnen der JMU
Studentinnen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Quelle: Universitätsarchiv

Heute ist die Alma mater weiblich, nicht nur wörtlich gesehen, doch im 19. Jahrhundert zeigte sich ein völlig anderes Bild. Frauen war der Zugang zu höherer Bildung fast vollkommen verwehrt, die höchste berufliche Qualifikation war das Lehrerinnenexamen. Doch vermehrt drängten auch junge Frauen in die altehrwürdigen Bildungsstätten, die erste Bewerbung um einen Studienplatz erfolgte durch die Amerikanerin Laura Reusch-Formes im Jahre 1869 – sie wollte in Würzburg Medizin studieren und promovieren. Ihr Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, obgleich sie zuvor in Wien studiert hatte. 25 Jahre später wagte die in Brüssel approbierte Ärztin Dr. Marie Derscheidt den Besuch von Vorlesungen und die Hospitanz in Operationen an der Universität Würzburg, was durch das Kultusministerium scharf verurteilt wurde. Es dauerte noch weitere fünf Jahre, bevor die erste Studentin in Würzburg zugelassen wurde. Jenny Danziger durfte sich zwar nicht immatrikulieren, doch als Hörerin war es ihr gestattet, das Medizinstudium zu absolvieren. Sie war somit die erste offizielle Studierende der JMU, da sie das erforderliche Reifezeugnis, das Abitur vorweisen konnte.

Ermutig forderten immer mehr Lehrerinnen die Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen, auch ohne Nachweis der Reifeprüfung Vorlesungen hören zu können. 1899 befasste sich die Universität mit dem Gesuch von zwölf Lehrerinnen, die die Hörerzulassung forderten. Aufgrund der bejahenden Stellungnahme stimmte der Senat mit neun zu drei Voten für die Zulassung. Auch das Kultusministerium sah sich veranlasst, den Lehrerinnen, welche die Anstellungsprüfung bestanden hatten, den Besuch der öffentlichen Vorlesungen der Philosophischen Fakultät zu gestatten. Im Herbst 1901 wurde für alle drei bayerischen Universitäten einheitlich geregelt, dass Frauen als Hörerinnen zugelassen werden könnten, doch eine Immatrikulation als ordentliche Studentinnen nicht möglich sei. Erst am 21. September 1903 wurden Frauen durch Prinzregent Luitpold von Bayern gleichberechtigt zum Studium zugelassen. Bemerkenswert hierbei ist, dass in Würzburg einzig die Theologische Fakultät gegen ein Frauenstudium stimmte, wohingegen in Erlangen die Hälfte der Fakultäten gegen und in München nur eine Minderheit für die Zulassung votierte.

Die Britin Beatrice Edgell konnte als erste Frau in Würzburg 1902 die Doktorwürde im Fach Psychologie erlangen, obwohl sie nur den Hörerstatus besaß.

Nach zunächst schleppendem Anstieg der Hörerinnen wuchs die Zahl der Studentinnen im Ersten Weltkrieg erheblich, was ihnen den Vorwurf einbrachte, sie seien Profiteure des Krieges, da sie ungestört studierten, währen die Männer an der Front ihr Leben riskierten.

Die bildungsfeindliche Ideologie des Nationalsozialismus führte zu einem starken Rückgang der Studierenden, auch der weiblichen. Durch das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen wurde der Anteil der Studentinnen auf 10% eines Jahrgangs beschränkt. Nach erwiesener Impraktikabilität wurde das Gesetz zwar wieder abgeschafft, der weibliche Anteil der Studierenden stieg jedoch trotzdem nicht, da ab 1936 vermehrt Frauen in der Industrie benötigt wurden.

Die nach dem Krieg aufkommenden emanzipatorischen Strömungen bescherten der Universität einen stetigen Zuwachs weiblicher Studierender und Mitte der 1990er Jahre waren erstmals mehr Studentinnen als Studenten eingeschrieben. Bis heute steigen die Zahlen der Promotionen und Habilitationen von Frauen, wobei diese immer noch stark unterrepräsentiert sind.

In Würzburg habilitierte sich vor 1945 nur Dr. Maria Schorn, die im Jahr 1929 die Lehrbefugnis im Fach Psychologie erwarb. Allerdings blieb ihr in Würzburg die Ernennung zur Professorin vorenthalten, weshalb sie 1937 dem Ruf der Hochschule für Lehrerinnenbildung in Schneidemühl (Tschechien) folgte.

Mehr Glück hatte Annelise Kuchinke. Nach Abschluss ihres Germanistik-, Philosophie-, Geschichts- und Geographiestudiums promovierte sie bis 1945 an der Universität Jena und habilitierte sich dort 1950. Allerdings versagte ihr das Thüringische Ministerium für Volksbildung mit Verweis auf ihre „untragbare politische und weltanschauliche Einstellung“ – bezogen auf ihre Mitgliedschaft in der CDU – eine Dozentenstelle. Nach ihrer Flucht nach Westberlin und Umhabilitation 1958 erfolgte die Ernennung zur außerplanmäßigen Professorin für Deutsche Philologie. Am 1. September 1959 wurde Annelise Kuchinke zur ersten ordentlichen Professorin an der Universität Würzburg ernannt.

 

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Von Mareile Mansky M.A.

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