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Universitäts-Archiv

Marcella O'Grady Boveri

Gelehrte des Monats Juli 2020

* 7. Oktober 1863 in Boston                                                      † 24. Oktober 1950 in Trenton, New Jersey

1885      Abschluss in Biologie am MIT
1889      Dozentin am Vassar College
1893      Berufung zur Professorin am Vassar College
1896      Forschungsreise nach Würzburg
1926      Rückkehr in die USA
1927      Aufbau des „science departments“ am Albertus Magnus College in New Haven

Im Juli präsentieren wir als Gelehrte des Monats Marcella O´Grady Boveri. Sie war eine der ersten Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere in Biologie begann. Als erste Frau legte sie das Abschlussexamen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ab. Bis zu ihrem Tod war sie eine enge Freundin von Wilhelm Conrad Röntgen.

Marcella O´Grady und die Biologie

Nach dem Besuch einer High-School in Boston, entschied sich die Amerikanerin Marcella O´Grady früh für eine akademische Karriere im naturwissenschaftlichen Bereich. Dafür studierte sie am MIT Biologie und schloss ihr Studium 1885 erfolgreich ab. Mithilfe ihres Mentors  Edmund Beecher Wilson trat sie ihre erste Stelle als Lehrerin bei der Bryn Mawr School in Baltimore (Maryland), ein privates weiterführendes Gymnasium für Mädchen an; zwei Jahre später erhielt sie ein Stipendium für ein Aufbaustudium am  Frauencollege Bryn Mawr in Philadelphia (Pennsylvania). An dem renommierten Frauenkolleg begann sie auf ihre Promotion hinzuarbeiten, bis ihr 1889 ein Lehrauftrag am Vassar College (New York State) angeboten wurde, welchen sie annahm. Dort wurde sie zunächst zur außerordentlichen Professorin ernannt, bevor sie 1893 zur ordentlichen Professorin berufen wurde.

Eine Amerikanerin geht nach Würzburg

Nachdem sie durch Wilson den Zellforscher und Leiter des Zoologischen Instituts in Würzburg Theodor Boveri kennengelernt hatte, wollte sie bei ihm ihren deutschen Doktortitel erwerben. Daher reiste Marcella O´Grady nach Würzburg an die Julius-Maximilians-Universität. Dort waren bisher allerdings nur Männer zum Studium und zur Lehre zugelassen, was O´Grady nun ändern wollte. Sie war im Jahr 1896 die erste Frau, die die Zulassung an der Universität Würzburg bekam, jedoch nur als Gasthörerin und nur „ausnahmsweise“ aufgrund ihrer schon siebenjährigen Tätigkeit als Biologieprofessorin in den USA. Trotzdem bereitete sie damit den Weg für die akademische Karriere von Frauen in Würzburg.

Während ihrer Zeit in Würzburg lernte sie auch den Physiker Wilhelm Conrad Röntgen kennen, mit dem sie bis zu ihrem Tod eine enge Freundschaft pflegte.

Familienleben und Forschung

Theodor Boveri und Marcella O´Grady heirateten am 4. Oktober 1897. Dies hatte zur Folge, dass die Amerikanerin ihre wissenschaftliche Karriere beenden musste, da in Deutschland eine verheiratete Frau bis 1953 aus dem öffentlichen Dienst entlassen wurden. Obwohl sie ihre Doktorarbeit zum Thema „Über Mitosen bei einseitiger Chromosomenbindung“ in Jena veröffentlichte, verteidigte sie diese nicht und verzichtete auf den Doktortitel. Trotzdem forschte sie gemeinsam mit Boveri bis zu dessen Tod 1915 an seiner Chromosomentheorien über Krebs und unterstützte ihn maßgeblich.
Am 14. August 1900 erblickte ihre Tochter Margret Boveri das Licht der Welt, die später eine der bekanntesten Journalistinnen in der Nachkriegszeit wurde. Viele Briefe und Aufzeichnungen aus Magrets Feder bereichern unsere Kenntnis zum Leben ihres Patenonkels und Förderers W.C. Röntgen und illustrieren anschaulich die enge Verbindung der beiden Familien.

Nach dem Tod ihres schon länger gesundheitlich angeschlagenen Gatten blieb O' Grady zunächst noch in Deutschland, kehrte jedoch im Januar 1926 in die USA zurück, da sie sich dort auch als Wissenschaftlerin und nicht nur als Witwe des großen Boveri anerkannt fühlte. Noch im Alter von 62 Jahren übernahm sie am katholischen Albertus Magnus College in New Haven (Connecticut) den Aufbau der naturwissenschaftlichen Fakultät (Science Department) und lehrte dort bis 1943.

 

Literaturempfehlung:

Albertus Magnus College https://www.albertus.edu/general-health-sciences/bs/ [Aufruf vom 03.07.2020]

Satzinger, Helga: Differenz und Vererbung: Geschlechterordnungen in der Genetik und Hormonforschung 1890 – 1950. Böhlau, 2009.

Wright, Margaret Robson: Marcella O'Grady Boveri: (1863 - 1950); her three careers in biology. Chicago, 1997.