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1.5 - Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT)

Wachstum mit VIPs

08.04.2011

va-Q-tec: Vor zehn Jahren waren sie eine von vielen Existenzgründungen. Heute sind die Würzburger technologisch führend mit ihren Vakuum Isolations Paneelen (VIP). Und jetzt soll es erst richtig losgehen.

Kapital für weiteres Wachstum: va-Q-tec-Vorstand Joachim Kuhn (Mitte) mit Alois Bösl (links) und Andreas Belz von der BayBG.

Joachim Kuhn und Andreas Belz kennen sich schon ziemlich lange. Genauer gesagt: Von Anfang an. Es war im Herbst 2001, als der Würzburger Existenzgründer und der Projektmanager der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (BayBG) sich das erste mal trafen. Kuhn hatte gerade mit zwei Kollegen eine eigene Firma, va-Q-tec, gegründet – und mit dem Konzept den ersten Preis beim Nordbayerischen Businessplanwettbewerb gewonnen. Was nun noch fehlte war Kapital. Und das steuerte nicht zuletzt die BayBG bei.

An einem sonnigen Tag Anfang April 2011 sitzen Kuhn und Belz wieder zusammen. Mit dabei ist Belz' Chef Alois Bösl. Denn es geht beim Treffen in Würzburg nicht nur darum, das langjährige Engagement bei der va-Q-tec AG zu verlängern. Die BayBG erhöht ihr Beteiligungskapital am Würzburger Mittelständler sogar. Und ein höheres Eigenkapital hilft beim Gespräch mit Banken. „Für einen Euro Eigenkapital bekommen sie drei bis vier Euro Fremdkapital“ erklärt Bösl diese Logik.

Und va-Q-tec braucht derzeit reichlich Geld. Aber nicht weil man seine Rechnungen nicht bezahlten könnte. Im Gegenteil. Es soll investiert werden, und zwar im großen Stil. „Wachstum kostet Geld“, sagt Kuhn. Und wachsen will va-Q-tec künftig noch kräftiger als bisher schon. Denn die Würzburger bieten exakt das, was der Markt heute will.

Das war nicht von Anfang an so. Mit der Idee ihrer Vacuum Insulation Panels (VIPs) setzten die Würzburger auf ein längst bekanntes Prinzip auf – dem der Isolation mit Hilfe eines Vakuums. Kuhn zaubert eine alte Thermoskanne hervor, „die dürfte aus den 20er Jahren sein“, sagt er. Ein zwischen zwei Wänden eingeschlossenes Vakuum ist der beste Isolator, das wusste man schon damals.

Das Problem. Die extremen Drücke auf die Außenflächen von zehn Tonnen je Quadratmeter konnten lange nur bei runden Oberflächen realisiert werden. va-Q-tec aber entwickelte Isolationsplatten, eben die VIPs. Diese bestehen aus einem Trägermaterial, meist verdichteter Mikrosand, eingeschweißt in einer luftdichten Folie. Klingt simpel, ist es aber nicht. Viele seien daran gescheitert, sagt Kuhn. va-Q-tec aber hatte den nötigen langen Atem. „Wir sehen uns technologisch weltweit führend“. Nun aber steht das Thema Energieeffizienz bei vielen Unternehmen auf der Agenda ganz weit oben.

Etwa bei den Herstellern von Kühlschränken. Bislang reichten das Auffüllen der Isolationsschicht zwischen Innen- und Außenwand mit einem einfachen Füllstoff. Die stark gestiegenen Anforderungen etwa von Kühlschränken der Energieklasse A++ aber lassen sich so nicht mehr erfüllen. Und so explodiert derzeit die Nachfrage nach den Produkten von va-Q-tec geradezu. „Unsere VIPs nimmt man“, sagt Marketingchefin In-Sook Yoo, „wenn sehr hohe Isolationsleistung auf wenig Platz gefragt ist“.

Wenig Platz ist auch am Firmensitz in Würzburg. Daher hat man längst einen zweiten Standort im thüringischen Kölleda aufgebaut. „Die letzte Ausfahrt auf der A71 und dann sind sie schon da“, sagt Joachim Kuhn. Reichlich Gelände hat sich va-Q-tec im neuen Industriegebiet gesichert, in direkter Nachbarschaft zum neuen Daimler-Motorenwerk. „Die haben uns da mit offenen Armen empfangen“. Wenn das neue Werk seien Endausbau erreicht hat, dann würde man mit den jährlich dort gefertigten VIPs „ein mittleres Kohlkraftwerk einsparen“, rechnet Kuhn vor. Energieeffizienz sei die Lösung.

Trotz des neuen Standorts in Thüringen lässt Kuhn nichts auf Mainfranken kommen. So habe man etwa eine enge Kooperation mit Universität und Fachhochschule (FH). „Es ist schon ein fruchtbarer Boden für uns, hier in Würzburg“. Zudem sei die Lage mitten in Europa ideal. „Wir stehen zum Standort“.

Alois Bösl und Andreas Bolz nicken, für sie sei va-Q-tec fast schon „die idealtypische Entwicklung einer Beteiligung“, sagt Bolz. „Wir sind nicht nur Geldgeber“, ergänzt Bösl, „wir sind für das Unternehmen auch Sparingspartner“. Und so wird man sich noch öfter treffen, bei va-Q-tec in Würzburg.

va-Q-tec und die BayBG

Vor zehn Jahren entstand ya-Q-tec als Ausgründung aus der Würzburg Uni. Von den drei Gründern sind heute noch zwei im Unternehmen: Joachim Kuhn und Roland Caps. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen am Firmensitz in Würzburg rund 80 Mitarbeiter, weitere 30 sind im neuen thüringischen Werk Köllerda tätig. Das Prinzip der sogenannten Vacuum Insulation Panels (VIPs) entspricht im Prinzip dem der Thermoskanne. Die Isolationsleistung ist enorm: Ein zwei Zentimeter starkes VIP isoliert so stark wie eine 20 Zentimeter dicke herkömmliche Isolationsplatte aus Glasfaser.

Die BayBG (Bayerische Beteiligungsgesellschaft) in München bietet seit fast 40 Jahren Eigenkapital für kleine und mittlere Unternehmen im Freistaat. Das Beteiligungsvolumen liegt zwischen 250 000 und fünf Millionen Euro. Bei Existenzgründern sind auch Beteiligungssummen ab 20 000 Euro möglich. Derzeit ist die BayBG bei 530 Unternehmen mit gut 300 Millionen Euro engagiert, alleine in Unterfranken mit 24 Millionen Euro bei 40 Unternehmen. Text: md/Foto: Va-Q-Tec

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