Intern
Arbeits-, Gesundheits-, Tier- und Umweltschutz

ökologische Nachhaltigkeit

Der Universitätscampus der JMU „Am Hubland“  bot seit den 1960er Jahren der Universität die Möglichkeit der angesichts steigender Studierendenzahlen dringend benötigten Ausweitung über die Innenstadtgrenzen hinaus. Gleichzeitig konnten universitäre Institute auf deisem Gelände konzentriert werden und Wegezeiten für Studierende und Beschäftigte wurden (teilweise) verkürzt. Einen Glücksfall für die JMU stellte das mit Wegzug der Amerikanischen Streitkräfte freiwerdende Gelände der ehemaligen Leighton-Barracks in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Hubland-Campus“ dar. Ein erheblicher  Teil des  Geländes steht seit 2011  als Ausbaufläche  („Hubland-Campus Nord“) der Universität zur Verfügung.

Diese erhebliche Erweiterung des universitären Hubland-Campus hat seit nunmehr fast 10 Jahren zu intensiver Bautätigkeit  auf dem neuen  Gelände geführt und in vielen Bereichen neue Standortkonzentrationen für die Universität ermöglicht. Gleichzeitig bietet das Gelände neben Neubauten  oder  zu modernisierenden Gebäuden teils große Freiflächen. Auch, wenn erhebliche Teile dieser  Flächen als Standorte für künftige Gebäude eingeplant sind und andere Flächen im Zuge laufender Baumaßnahmen (z.B. als „Baustellenfläche“, Zufahrstweg o.ä.)  beansprucht werden, bemüht sich die JMU zusammen mit den verantwortlichen Bauämtern um die Berücksichtigung auch ökologischer Belange. Die gesetzlich vorgeschriebene ökologische Ausgleichsfläche entsprechend des Umfangs der Bauarbeiten  ist im Osten des Campus-Gekländes  geplant.

Zusätzlich hat die JMU 2019/20 die Ausweisung von „ökologisch aufgewerteten Flächen“ vereinbart, die über einen „Diversitätspfad“ miteinander verbunden sein sollen. Weitere extensiv bewirtschaftete Flächen auf dem Hubland-Campus-Gelände  sind ein prominentes Ziel in der ökologisch ausgerichteten Campus-Bewirtschaftung.

Die Umsetzung  erfolgt seit 2019 in Absprache zwischen  Servicezentrum Technischer Betrieb, Referat Ökologie der Studierendenvertretung und Biozentrum der JMU unter Moderation der Kommission für Nachhaltigkeit der JMU. Im Rahmen des Forschungsprojektes „ArtZeiten“ des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie (Prof. Fenske) wird die Gestaltung von „Wuselflächen“ vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie begleitet (Dr. Biedermann).

In Durchführung durch den Technischen Betrieb und mit Unterstützung  außeruniversitärer Vertragspartner erfolgt ab Sommer 2020 eine standortangepasste Grünflächenbewirtschaftung auf dem Campus. Dazu gehören z.B. die Ansaat von Bienenweide (auf Teilflächen seit 2018 erfolgt), ein extensives Mahdregime zur Erhöhung der biologischen Vielfalt unter Bevorzugung heimischer Arten v.a.  auf Magerwiesen oder Obstbaumpflanzungen. Die Erfassung der Flächen mit jeweiligem differenziertem Mahdkonzept wurde durch die Initiative „Lebendiger Campus“ durchgeführt. Soweit mit dem Baufortschritt auf dem Hubland-Campus vereinbar und unter Berücksichtigung der Vorgaben zur Wegesicherung, dem Zugang zu Anlagen der technischen Infrastruktur etc… finden erste Schritte zur Umsetzung des Mahdkonzeptes seit Mai 2020 Anwendung.

Soweit unter den oben angeführten Einschränkungen möglich, erfolgt damit die Ausrichtung der Grünflächenpflege an Erfordernissen des Artenschutzes.

Seit mehreren Jahren wird vollständig auf den Einsatz von Breitbandherbiziden verzichtet. Stattdessen kommen nur noch mechanische oder thermische Verfahren zur Unkrautbekämpfung zum Einsatz.

Die Universität verfügt über ein Programm zum tierschutzgerechten Management der Taubenpopulationen auf den Liegenschaften (z.B. Betreuung von Taubenhäusern, Beratung bei Baumaßnahmen etc.).

Seit 2020 erfolgt  die Anbringung von Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse im Zuge von Neubau oder von Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden (derzeit in der Probephase).

Um auf den so zunehmend unter ökologischen Gesichtspunkten gemanagten Flächen dauerhaft Rückzugsräume für heimische Wildtiere zu schaffen bzw. zu erhalten, wird künftig  verstärkt auf die auf dem gesamten Campus-Gelände bereits seit 2017 geltende und entsprechend ausgeschilderte Leinenpflicht für Hunde hingewiesen.

Bei der Neugründung der JMU durch Fürstbischof Julius Echter 1582 stattete dieser seine Hochschule u.a. auch mit Wald und anderen Ländereien aus. Auf diese Zeit geht der Waldbesitz bei Sailershausen (Landkreis Haßberge) zurück, über den die Julius-Maximilians-Universität (JMU) bis heute verfügt.

Unter der Leitung von Hans Stark betreuen im Universitätsforst(amt) Sailershausen sieben Forstwirte und zwei Auszubildende den 2.300 Hektar umfassenden Betrieb. Die universitäre Waldbewirtschaftung erfolgt  konsequent nachhaltig und ist durch den Forest Stewardship Council (FSC) seit 2005 zertifiziert.  Seit dieser Zeit werden keine Herbizide, Fungizide, Insektizide und Dünger mehr im Wald eingesetzt.

Bereits seit dem Jahre 2003 wird verstärkt darauf hingewirkt, dass die Wirtschaftswälder auch aus naturschutzfachlicher Sicht wertvoller werden. Dazu wird teils auf die Nutzung von Holz verzichtet und Biotopbäume (Spechthöhlen, Mulmbäume, Horstbäume, ect.) werden belassen. So stieg der Anteil von stärkerem Totholz (>20 cm Durchmesser) von 2004 bis 2014 von 3,5 fm/ha auf mittlerweile 9 fm/ha an und durchschnittlich befinden sich rund 9 Biotopbäume pro Hektar.

Im Jahre 2018 wurde ein groß angelegter Biodiversitätsversuch im Universitätsforst Sailershausen angelegt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Müller, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III) der Universität Würzburg, wird auf 75 Versuchsflächen, je 50 x 50 m, erforscht, welche Auswirkungen unterschiedliche Arten der Waldbewirtschaftung auf die Biodiversität von Wirtschaftswäldern haben. Dazu wurden rund 600 fm stehendes und liegendes Totholz im Wald belassen, sowie Habitatbäume künstlich geschaffen.

Der Botanische Garten der Universität wird zukünftig für die Kultur der Pflanzen torffreie Substrate verwenden (Ausnahme torfabhängige Sonderkulturen z.B. karnivore Moorpflanzen).

Die ehrenamtliche Initiative „Lebendiger Campus“ von Mitarbeiter/innen und Studierenden der Fakultät für Biologie und der Philosophischen Fakultät sowie des Ref. Ökologie der Studierendenvertretung an der JMU hat es sich zum Ziel gesetzt die Vielfalt von Tieren und Pflanzen (inklusive Pilzen) am Hubland-Campus systematisch zu erfassen, diese Vielfalt zu fördern und zu bestimmen, welche Flächen am Campus für eine Förderung wertvoller Bestände besonders geeignet sind. Die Initiative wird momentan vom UniBund der Universität und der Würzburger Umweltstiftung finanziell unterstützt (ausschließlich für Sachmittel). Die Aktivitäten aller Mitglieder erfolgen zusätzlich zu den regulären Arbeiten am Institut.

Folgende Maßnahmen werden seit  Gründung der Initiative durchgeführt (Auswahl): Erstellung einer Webseite, Kartierung von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, Wissenschaftskommunikation und konkrete Aktionen am Campus. Die Durchführung von Bachelor- oder Masterarbeiten im Projekt wird durch  die fachliche Betreuung aus den Bereichen der Biologie und der Physischen Geographie unterstützt.

Im Jahr 2019 wurde mit folgenden Maßnahmen begonnen:

Monitoring: Die systematische und wissenschaftlich fundierte Erfassung der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten (je nach Art entweder auf dem gesamten Campus, auf ausgewählten Flächen oder entlang von Transekten).

Ansprechpartner: Dr. Biedermann, Department für Tierökologie & Tropenbiologie

Aktion: Die Förderung der vorhandenen Diversität durch die Etablierung von 10 Kleinbiotopen („Wuselflächen“). Dabei handelt es sich um Flächen mit etwa 10 m2 Größe, die über den Campus verteilt sind, nur einmal im Jahr gemäht werden und mit verschiedenen Strukturelementen (z.B. Nisthilfen für Insekten, freie Erdfläche, Steinhaufen und Totholz) angereichert werden. 2019 wurden 2 Wuselflächen umgesetzt.

Ansprechpartnerin: Dr. Redlich, Department für Tierökologie & Tropenbiologie

Öffentlichkeitsarbeit und „Citizen Science“

Anbringung von Informationstafeln an den Kleinbiotopen oder bei besonderen Biotoptypen, die auf den Wert von Biodiversität, die gegenwärtige Biodiversitätskrise und Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität am Hubland-Campus aufklären.  Außerdem soll die Öffentlichkeit dazu angeregt werden, selbst Tiere und Pflanzen am Campus zu beobachten und dem „Lebendigen Campus“  zu melden.

Ansprechpartner: Dr. Requier, Department für Tierökologie & Tropenbiologie

Als ein Problem hat sich 2019 erwiesen, dass die Informationstafeln an verschiedenen Standorten leider immer wieder umgetreten oder zerstört werden.

Das ehrenamtliche Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit der Studierendenvertretung der Julius-Maximilians-Universität wurde ins Leben gerufen um Studierende und die Universitätsleitung auf Themen der ökologischen Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen und aktiv an der Julius-Maximilians-Universität Richtung mehr Nachhaltigkeit zu wirken. Die beteiligten Studierenden wollen gemeinsam mit anderen JMU-Angehörigen die Uni nachhaltiger gestalten, v.a. in den Bereichen: Lehre, Betrieb, Forschung, Vernetzung und studentisches Leben.

Das Referat Ökologie bietet neben der Möglichkeit zur Mitarbeit im CampusGarten auch Workshops zur Nachhaltigkeit, organisiert die Vortragsreihe „Sind wir noch zu retten? – Aspekte der Nachhaltigkeit“ und stellt den Leitfaden für nachhaltiges Studieren und Arbeiten an der Julius-Maximilians-Universität bereit.

Das Nachhaltigkeits-Engagement des Ref. Ökologie der Studierendenvertretung wurde bereits mehrfach ausgezeichnet:

  • 2012 + 2013/14 - Offizielles Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • 2016/17 sowie 2018 – Auszeichnung des Projekts CampusGarten als offizielles Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt
  • November 2017 - Auszeichnung des Projekts CampusGarten mit dem ersten Castell-Castell-Preis der Universität Würzburg für nachhaltiges Handeln.