Mentoring stärkt Bildungschancen von sozial benachteiligten Kindern
15.01.2026Kinder aus weniger privilegierten Familien besuchen nach der Grundschule trotz gleicher Leistungen seltener das Gymnasium. Ein gezieltes Mentoring kann diese Lücke verringern.
Die soziale Herkunft entscheidet nach wie vor stark über den Bildungsweg von Kindern in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln.
Das Forschungsteam um Professorin Pia Pinger (Universität zu Köln), Professor Armin Falk (Universität Bonn) und Professor Fabian Kosse (Universität Würzburg) hat herausgefunden, dass der sozioökonomische Status der Eltern eine entscheidende Rolle bei der Wahl der weiterführenden Schule spielt. In den meisten Bundesländern treffen die Eltern diese Entscheidung am Ende der vierten Klasse, zuvor spricht die Grundschule eine Empfehlung aus.
Status des Elternhauses entscheidend
Die Studie zeigt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Grundschulkinder aus weniger privilegierten Familien den gymnasialen Bildungsweg einschlagen, ist um rund ein Drittel niedriger als bei Gleichaltrigen aus besser gestellten Haushalten. Selbst bei gleichen Leistungen bleibt eine Lücke von circa 22 Prozentpunkten bestehen.
„Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie stark die soziale Herkunft weiterhin die Bildungswege bestimmt“, erklärt Pia Pinger. „Chancengleichheit ist im deutschen Bildungssystem noch immer nicht gegeben“.
Grundlage der Studie sind Daten des Bonn Family Panel. Dieses hat sieben Jahre lang mehr als 700 Familien mit Kindern der Geburtsjahrgänge 2002 bis 2004 begleitet. Die Daten umfassen Interviews mit den Kindern und ihren Familien, schulbezogene Informationen sowie Angaben zum Entscheidungsprozess bei der Schulwahl.
Einjähriges Mentoring mit deutlichen Ergebnissen
Mit diesen Daten hat das Forschungsteam nicht nur die Lücke beim Wechsel aufs Gymnasium untersucht, sondern auch die Wirksamkeit gezielter Fördermaßnahmen. Dabei zeigte sich: „Gezielte Mentoring-Programme für sozial benachteiligte Kinder verbessern die Chancengleichheit dauerhaft und messbar“, sagt Fabian Kosse, der an der Uni Würzburg den Lehrstuhl für Data Science in Business and Economics leitet.
Dafür nahmen zufällig ausgewählte Grundschulkinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status am Mentoring-Programm „Balu und Du“ teil. Ein Jahr lang trafen sich ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren, meist Studierende, mit den Kindern, um durch gemeinsame Aktivitäten die psychosoziale Entwicklung zu fördern und den persönlichen Horizont zu erweitern.
Bei den Kindern, die am Mentoring teilnahmen, stieg die Wahrscheinlichkeit für einen gymnasialen Bildungsweg um elf Prozentpunkte. Dieser Effekt bestand auch noch nach fünf Jahren.
Für die Kinder entstehen Rollenvorbilder
„Der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule bestimmt maßgeblich über die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn“, erklärt Pia Pinger. „Mentoring sorgt dafür, dass Kinder entsprechende Rollenvorbilder haben und ihre Eltern offener für einen gymnasialen Bildungsweg werden“.
Publikation
Mentoring and Schooling Decisions: Causal Evidence. Armin Falk, Fabian Kosse, Pia Pinger, Journal of Political Economy, 10. Dezember 2025, DOI 10.1086/738484,
https://www.journals.uchicago.edu/doi/full/10.1086/738484?journalCode=jpe


