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    Der Traum von einer besseren Welt

    21.03.2017

    Knapp 2.600 ausländische Studierende sind an der Universität Würzburg eingeschrieben. Jura-Student Shama Busha Pongo aus dem Kongo ist seit vier Jahren hier und hat klare Ziele für die Zukunft.

    Shama Busha Pongo vor der Alten Universität in Würzburg. (Foto: Lena Köster)
    Shama Busha Pongo aus dem Kongo studiert Europäisches Recht an der Universität Würzburg. (Foto: Lena Köster)

    Sein Heimatland verbessern wollen: Mit diesem Wunsch kommen sicher nur sehr wenige Studierende an die Uni Würzburg. Shama Busha Pongo ist einer von ihnen. Der gebürtige Kongolese studiert Europäisches Recht an der Juristischen Fakultät in der Domerschulstraße. Nach Master-Studium und Promotion will er zurück in den Kongo, um an seiner Heimatuniversität in Kinshasa als Professor zu unterrichten.

    Bereits im Kongo Jura studiert

    Shama ist schon seit vier Jahren in Deutschland. Als er 2013 nach Würzburg kam, widmete er die ersten zwei Semester seines Studiums der deutschen Sprache. Aufgrund des hohen Niveaus der wissenschaftlichen Sprache sei der Einstieg ins Masterstudium sehr schwer für ihn gewesen. Trotzdem habe er seine erste Klausur auf Anhieb bestanden. „Das hat mir viel Mut und Motivation gegeben“, erinnert sich der 30-Jährige.

    An seiner Heimatuniversität in Kinshasa hat Shama bereits fünf Jahre Jura studiert und einen Abschluss gemacht. Zuvor hatte er ein Gymnasium mit Latein und Philosophie als Schwerpunkt besucht. Würzburg lernte er schon während seines Studiums im Kongo kennen – im Jahr 2010 begleitete er einen Professor für drei Wochen an die Würzburger Universität.

    Mit Stipendium nach Würzburg

    Seit 2009 besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität Kinshasa und der Universität Würzburg. Shama hat aktiv an der Entstehung der Kooperation mitgearbeitet. Aufgrund seines Engagements wurde ihm dann ein Stipendium an der Partner-Uni in Würzburg angeboten.

    „Für ein Studium nach Deutschland zu kommen, war ein Sprung ins Unbekannte. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue“, sagt der Jura-Student. „Durch den Anpassungsprozess habe ich vieles gelernt. Ein Stück der deutschen Mentalität und Zielstrebigkeit möchte ich mit zurück in meine Heimat nehmen und an die junge Generation weitergeben.“

    Für die ersten zwei Jahre seines Studiums in Würzburg erhielt er ein Stipendium der deutsch-kongolesischen Juristenvereinigung. Seitdem studiert der junge Mann mit der Unterstützung der Holger-Pöhlmann Stiftung und des Exzellenzstipendien-Systems BEBUC.

    Veränderte Sicht auf die Welt

    Seit Shama in Würzburg lebt, konnte er seine Familie erst ein einziges Mal besuchen. 2015 flog er nach Kinshasa und verbrachte zwei Monate mit seinen Eltern und seinen neun Geschwistern. „Seit ich hier bin, hat sich für mich alles verändert“, erklärt der Jura-Student. Vor allem hat sich die Sicht auf sein Heimatland gewandelt.

    „Ich stamme aus einem Entwicklungsland. Die Aufgabe meiner Generation ist es, den Kongo neu aufzubauen und dem 21. Jahrhundert anzupassen“, so Shama, „aus diesem Grund bin ich in Deutschland – ich möchte nicht nur Wissen im Bereich Europäisches Recht erwerben, sondern vor allem das deutsche Recht kennenlernen und sehen, wie man diese Kenntnisse im Kongo verwenden kann.“

    Situation der Frauen im Kongo

    Während seiner Studienlaufbahn hat sich Shama auf Kriminologie und Strafrecht spezialisiert. Besonders bewegt ihn die zunehmende sexuelle Gewalt gegen Frauen, die sich im Kongo entwickelt hat. „Ich bin in einer liebevollen Familie aufgewachsen, in der ich fast ausschließlich von Frauen umgeben war“, erzählt der Jura-Student, „Wie man einer Frau so etwas antun kann, das kann ich beim besten Willen nicht verstehen.“

    Da es im Kongo keine forensischen Labore gebe, könne man Sexualstraftäter nicht mittels DNA-Analyse identifizieren. So habe das kongolesische Rechtssystem keine Beweise in der Hand, um gegen Kriminelle vorzugehen, erklärt Shama.

    Buch über sexuellen Missbrauch in Arbeit

    Dem Thema werde in seiner Heimat viel zu wenig Beachtung geschenkt. Der Student hat sich deshalb nicht nur das Ziel gesetzt, die Situation der Frauen im Kongo zu verbessern, er möchte auch mehr Aufmerksamkeit auf das Problem lenken. Aus diesem Grund schreibt er neben seinem Jura-Studium ein Buch. Der wissenschaftliche Text untersucht die kulturellen und sozialen Veränderungen, die in den letzten Jahren zu einem Anstieg sexueller Missbrauchsfälle geführt haben – und das sogar in Gebieten des Kongo, in denen kein Krieg herrscht.

    Ganz schön viel Arbeit also. Darum legt Shama regelmäßig Nachtschichten in der Bibliothek ein. „Anders als für deutsche Studenten heißt Bildung für uns Überleben. Eine akademische Ausbildung im Kongo ist für viele Einheimische nicht erschwinglich. Wenn wir also die Chance darauf haben, dann leben wir fürs Studium“, erklärt er.

    Einmalige Chance nutzen

    Sein Rat für andere Studierende, besonders für seine Kommilitonen aus dem Kongo und anderen Entwicklungsländern: „Verliert euer Ziel nie aus den Augen, nutzt die Chance, die euch Stipendien für deutsche Universitäten bieten, und gebt alles fürs Studium. Die Zukunft unserer Länder liegt in unseren Händen – wir sind die nächste Generation von Juristen und Politikern, die etwas verändern können.“


    Die Universität ist international. Um das zu zeigen, porträtiert einBLICK in einer kleinen Reihe einige ausländische Studierende. Bisher erschienen:

    Jianyu Jiao aus China

    Giulia Marcuzzi aus Italien

    Aneta Bergner aus Litauen und Habilitand Rafal Pokrywka aus Polen

    Taylor Stofflet aus den USA

    Pilar Endara aus Kolumbien

    Von Lena Köster

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