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  • Neue Universität, Sanderring

Nachhaltigkeit im inneruniversitären Alltag

Betrieb, Beschaffung und Campus-Management

Eine Universität in der Größe der JMU ist ein "Organismus für sich", was die zahlreichen in der Selbstverwaltung tätigen Stabsstellen und Referate der Zentralverwaltung und die in den Fakultäten und Forschungszentren angesiedelten Verwaltungskräfte und wissenschaftsunterstützenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen.

Interne Vernknüpfungen

Hier wird die Nachhaltigkeit im praktischen inneruniversitären Alltag umgesetzt und weiterentwickelt. Nachhaltigkeit im universitären Alltag ist umso besser umzusetzen, je mehr sich die verschiedenen zugehörigen Aspekte gegenseitig ergänzen, stärken und gemeinsam weiterentwickeln.

Universitätscampus "Am Hubland"

Angesichts steigender Studierendenzahlen musste sich die Universität in den 1950er-Jahren auf die Suche nach Flächen im Stadtgebiet begeben, auf die sie sich erweitern konnte. Fündig wurde sie am nordöstlich gelegenen Stadtrand. Hier entstand seit Mitte der 1960er-Jahre der neue Universitätscampus "Am Hubland". Zahlreiche Fakultäten, Institute und zentrale Einrichtungen haben dort Platz gefunden. Für Beschäftigte und Studierende haben sich dadurch viele Wege stark verkürzt.

Große Freiflächen am Campus Hubland Nord

Einen Glücksfall für die JMU stellte der Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte aus den "Leighton-Barracks" im Herbst 2008 dar. Das ehemalige Kasernengelände befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hubland-Campus. Ein erheblicher Teil davon dient der JMU seit 2011 als Erweiterungsfläche – der sogenannte Campus Hubland Nord. Diese erhebliche Erweiterung des bisherigen Campus hat seit nunmehr zehn Jahren zu intensiver Bautätigkeit geführt und in vielen Bereichen neue Standortkonzentrationen für die Universität ermöglicht. Gleichzeitig bietet das Gelände neben Neubauten oder zu modernisierenden Gebäuden teils große Freiflächen.

Ökologisch aufgewerteten Flächen

Auch wenn erhebliche Teile dieser Flächen als Standorte für künftige Gebäude eingeplant sind und andere Flächen im Zuge laufender Baumaßnahmen (z. B. als Baustellenfläche, Zufahrtsweg oder ähnlichem) beansprucht werden, bemüht sich die JMU zusammen mit den verantwortlichen Bauämtern um die Berücksichtigung auch ökologischer Belange. Die gesetzlich vorgeschriebene ökologische Ausgleichsfläche entsprechend dem Umfang der Bauarbeiten ist im Osten des Campus-Geländes geplant.

Zusätzlich hat die JMU 2019/20 die Ausweisung von "ökologisch aufgewerteten Flächen" vereinbart, die über einen "Diversitätspfad" miteinander verbunden werden. Weitere extensiv bewirtschaftete Flächen auf dem Hubland-Campus-Gelände sind ein prominentes Ziel in der ökologischen Ausrichtung.

"Wuselflächen" durch das Forschungsprojekt "ArtZeiten"

Die Umsetzung erfolgt seit 2019 in Absprache zwischen Servicezentrum Technischer Betrieb, Referat Ökologie und Nachhaltigkeit der Studierendenvertretung und Biozentrum der JMU unter Moderation der Kommission für Nachhaltigkeit der JMU. Im Rahmen des Forschungsprojektes "ArtZeiten" des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie (Prof. Dr. Michaela Fenske) wird die Gestaltung von "Wuselflächen" vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie begleitet.

Bienenweiden, Mahdregime, Obstbaumpflanzungen

Mit dem Technischen Betrieb und unterstützt durch außeruniversitäre Vertragspartner erfolgt seit Sommer 2020 eine standortangepasste Grünflächenbewirtschaftung auf dem Campus.
Dazu gehören zum Beispiel die Ansaat von Bienenweiden und ein extensives Mahdregime zur Erhöhung der biologischen Vielfalt unter Bevorzugung heimischer Arten vor allem auf Magerwiesen oder Obstbaum-pflanzungen, das durch die Initiative "Lebendiger Campus" entwickelt wurde.

Verzicht auf Breitbandherbizide

Die Ausrichtung der Grünflächenpflege orientiert sich bestmöglich an Erfordernissen des Artenschutzes, beispielsweise durch den Verzicht auf Breitbandherbizide. Stattdessen kommen nur noch mechanische oder thermische Verfahren zur Unkrautbekämpfung zum Einsatz.

Taubenhäuser, Nisthilfen, und Rückzugsgräume für Wildtiere

Die JMU managt die Taubenpopulation ihrer Liegenschaften tierschutzgerecht, zum Beispiel durch die Betreuung von Taubenhäusern und die Beratung bei Baumaßnahmen. Seit 2020 werden an Neubauten oder bei Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden probeweise Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse installiert. Um auf den zunehmend unter ökologischen Gesichtspunkten gemanagten Flächen dauerhaft Rückzugsräume für heimische Wildtiere zu schaffen beziehungsweise zu erhalten, wird künftig stärker auf die auf dem gesamten Campus-Gelände bereits seit 2017 geltende und ausgeschilderte Leinenpflicht für Hunde hingewiesen.

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Die JMU ist bestrebt, ihren Energieverbrauch weiter zu reduzieren.

Umgesetzte Maßnahmen zur Energieeinsparung

  • den kontinuierliche Austausch von konventioneller Beleuchtungstechnik durch LED-Technik. Die gesamte Außenbeleuchtung ist bereits ausgewechselt.
  • das Nachrüsten von Abschalteinrichtungen für die Beleuchtung (Präsenzmelder) in den Gebäuden, teils auch im Außenbereich.
  • die Optimierung von Regelungsprozessen mittels einer speziellen Gebäudeleittechnik. So wird zum Beispiel in Hörsälen und Seminarräumen die Temperatur passend zum Belegungsplan eingestellt oder über den Jahreswechsel, wenn die Universität geschlossen ist, die Heizung zur Energieeinsparung zentral abgesenkt. Zukunftsweisend in diesem Bereich ist ein bayerisches Pilotprojekt im Gebäude am Wittelsbacherplatz. Vorangetrieben von der Obersten Baubehörde im bayerischen Staatsministerium des Inneren und von der Firma "Meteoviva" durchgeführt, fließt dort die aktuelle Wettervorhersage in die Steuerung von Licht und Heizung ein.

Deutliche Einsparungen

  • beim Wärmeverbrauch in Höhe von 19 Prozent
  • beim Stromverbrauch in Höhe von 23 Prozent
  • bei den CO2-Emissionen in Höhe von 20 Prozent

Bezogen auf den Zeitraum 2016/17 hat die JMU durch diese Maßnahme ihren CO2-Ausstoß um 69 Tonnen gesenkt und seitdem auf diesem Niveau gehalten.

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Biodiversität

Bei der Erneuerung der Gründung der Julius-Maximilians-Universität durch Fürstbischof Julius Echter 1582 stattete dieser seine Hochschule unter anderem auch mit Wald und anderen Ländereien aus. Auf diese Zeit geht der Waldbesitz bei Sailershausen (Landkreis Haßberge) zurück, über den die JMU bis heute verfügt.
Unter der Leitung von Hans Stark betreuen im Universitätsforstamt Sailershausen sieben Forstwirte und zwei Auszubildende den 2.300 Hektar umfassenden Betrieb. Die universitäre Waldbewirtschaftung erfolgt konsequent nachhaltig und ist durch den Forest Stewardship Council (FSC) seit 2005 zertifiziert. Seit dieser Zeit werden keine Herbizide, Fungizide, Insektizide und kein Dünger mehr im Wald eingesetzt.

Naturschutz durch mehr Biotopbäume

Bereits seit 2003 wird verstärkt darauf hingewirkt, dass die Wirtschaftswälder auch aus naturschutzfachlicher Sicht wertvoller werden. Dazu wird teils auf die Nutzung von Holz verzichtet und Biotopbäume (Spechthöhlen, Mulmbäume, Horstbäume etc.) werden belassen. So stieg der Anteil von stärkerem Totholz (mit mehr als 20 Zentimeter Durchmesser) von 2004 bis 2014 von 3,5 Festmeter pro Hektar und Jahr auf mittlerweile neun Festmeter pro Hektar und Jahr an. Durchschnittlich befinden sich rund neun Biotopbäume auf einem Hektar Waldfläche.

Biodiversitätsversuch

2018 wurde ein groß angelegter Biodiversitätsversuch im Universitätsforst Sailershausen angelegt. Unter der Leitung von Professor Jörg Müller vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III) der Universität wird auf 75 Versuchsflächen, von denen jede 50 mal 50 Meter groß ist, erforscht, welche Auswirkungen unterschiedliche Arten der Waldbewirtschaftung auf die Biodiversität von Wirtschaftswäldern haben.
Dazu wurden rund 600 Festmeter stehendes und liegendes Totholz im Wald belassen sowie Habitatbäume künstlich geschaffen.

Windpark

Bereits seit Herbst 2015 sind Flächen des Universitätsforstes an die Bürgerwindpark Sailershäuser Wald GmbH verpachtet. Es handelt sich um rund 4,5 Hektar, auf denen sechs Windkraftanlagen stehen.
Insgesamt besteht dieser Windpark aus zehn Windrädern, die rund die Hälfte des Strombedarfs der privaten Haushalte des Landkreises Haßberge decken.

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Mobilität der Studierenden und Beschäftigten

Die ressourcenschonende und nachhaltige Mobilität ihrer Studierenden und Beschäftigten ist der JMU ein besonderes Anliegen. Dafür stehen diesen eine Vielzahl von Angeboten zur Verfügung:

  • Das "Job-Ticket" der Deutschen Bahn. An der JMU wurden im Jahr 2019 insgesamt 230 dieser Tickets ausgegeben.
  • Das Mobil Firmen-Abo des Verkehrsverbunds Mainfranken (VVM)
  • Das Semesterticket für Studierende

Umweltfreundliche Mobilität

Darüber hinaus ist die JMU mit zahlreichen Aktivitäten bestrebt, eine umweltfreundliche Mobilität zu ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise:

  • die Bereitstellung von Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge im Campus-Bereich,
  • die Einrichtung von neun Ladeplätzen für E-Fahrzeuge in der Tiefgarage am Hubland,
  • der Ausbau des Angebots an (teils überdachten) Fahrradabstellplätzen im Universitätsbereich.

In diesem Zusammenhang begrüßt die JMU den Ausbau der Straßenbahnanbindung zum Hubland-Campus (Linie 6) und steht diesbezüglich in engem Kontakt mit der Stadt Würzburg.

E-Bikes

Die JMU hat E-Bikes für den Technischen Betrieb und zentrale Serviceabteilungen sowohl am Hubland-Campus als auch im Bereich der Neuen Universität am Sanderring im Einsatz.
Zusätzlich nutzen auch einige Lehrstühle E-Bikes. Dienst-Fahrräder stehen vor allem für die Beschäftigten des Servicezentrums Technischer Betrieb bereit, die auf dem Hubland-Campus unterwegs sind.

E-Kfz

Am Institut für Virologie und am Rechenzentrum hat die JMU zwei ausschließlich elektrisch betriebene Transporter in Betrieb.
Bei jeder Neuanschaffung von Dienst-Kfz wird geprüft, ob nicht auch durch internen Fahrzeugtausch (z. B. von Transportern) Kapazitäten freiwerden bzw. vorrangig ein E-Fahrzeug beschafft werden kann.

Beschaffung und Verbrauch mit nachhaltigen Alternativen

Das Referat 3.3 (Einkauf) richtet die Beschaffung, insbesondere bei Verbrauchs- und Büromaterial, konsequent an Nachhaltigkeitskriterien aus – zum Beispiel durch den Einkauf umweltfreundlicher und ressourcenschonender Produkte wie Stifte, Klebefilm und Whiteboards mit hohem Recyclinganteil bzw. in "Ökovarianten".

Papier

Im Büro- und Sanitärbereich ist Recyclingpapier an der JMU Standard. Seit April 2020 bietet der Webshop, das interne Beschaffungstool der JMU für den Bürobetrieb, nur noch weiße Recyclingpapiere an. Alle Papiersorten sind mit dem "Blauen Engel" ausgezeichnet und zu 100 Prozent aus recyceltem Papier. 2020 wurde die JMU in den bundesweiten "Papieratlas" aufgenommen.

Whiteboards

Für den Rahmenvertrag "Whiteboards" wurden Artikel ausgeschrieben, die zu 99 Prozent recycelbar sind und die zu 50 Prozent aus recyceltem Material bestehen.

Büromaterial

Bei Erstellung des Leistungsverzeichnisses für den Rahmenvertrag Büromaterial wurde für jeden Artikel eine Recyclingvariante gesucht. Für die meisten Artikel wurden Ökovarianten gefunden (zum Beispiel Kugelschreiber, Klebefilm, Stifteköcher etc.). Dabei wurde festgestellt, dass die Ökovarianten oft wirtschaftlich besser sind, da preislich niedriger. Somit können andere, preislich höhere, nachhaltige Produkte ausgeglichen werden.

Beschaffungstool eVergabe

Alle Beschaffungen ab 25.000 Euro netto werden über das Portal eVergabe abgewickelt. Somit müssen die Bieter keine Papierangebote mehr abgeben. Ebenso erfolgt sämtliche Kommunikation mit den Bietern papierlos per E-Mail.

IT-Geräte

Der Stromverbrauch wurde bei allen Ausschreibungen in die Wertung der Angebote aufgenommen. Geplante Projekte, durch die unter anderem der Papierverbrauch gesenkt werden wird:

  • elektronische Rechnungsverarbeitung
  • Dokumenten-Management-System
  • Berechtigungsplattform

Weitere Informationen

Das Rechenzentrum der JMU verleiht eine große Anzahl an medientechnischem Equipment – angefangen bei Aufnahmegeräten, Beamern, Leinwänden und Digitalkameras über Audioanlagen mit Mikrofon, Mischpulten und Laptops bis hin zum 60-Zoll-Monitor und Videoproduktionsset.

Das aktuelle Angebot ist im Online-Geräteverleih-System zugänglich. Außerdem berät das Rechenzentrum zum optimalen Einsatz von Medientechnik. Der Stromverbrauch von Geräten wird bei allen Ausschreibungen in die Wertung der Angebote einbezogen.

Zum Geräteverleih

Haushaltsübliche Abfälle

An vielen Standorten der JMU stehen Behälter zur Trennung von haushaltsüblichen Abfällen, wie sie auch im universitären Betrieb entstehen, zur Verfügung. Getrennt wird nach Altpapier, Restmüll, Biomüll und Abfall für den "Gelben Sack". Sofern Reinigungskräfte den Abfall aus Räumen der Universität entfernen, sind die Reinigungsfirmen vertraglich verpflichtet, eine bereits erfolgte Trennung von Papier und Restmüll auch auf dem weiteren Entsorgungsweg beizubehalten.

  • Altpapier wird der Papierverwertung zugeführt.
  • Biomüll, Tierstreuabfälle und Gartenabfälle werden zum Kompostwerk Würzburg GmbH gebracht und dort kompostiert.
  • Der Gelbe Sack wird von der Würzburger Recycling GmbH (WRG) abgeholt und der Verwertung zugeführt.
  • Restmüll wird durch Verbrennung beseitigt (Müllheizkraftwerk Würzburg).
  • An einigen Standorten auf dem Campusgelände befinden sich Glascontainer zur Rückgewinnung, die Altglas nach den Farben Braun, Grün und Weiß trennen.

Des Weiteren hat die JMU die Möglichkeit, Elektroschrott zu entsorgen beziehungsweise zu verwerten, der von der A&N Computerrecycling OHG abgeholt wird. Dafür befinden sich spezielle Gitterboxen an den Standorten am Gebäude Z2 (Servicezentrum Technischer Betrieb), Julius-von-Sachs-Platz 2, Wittelsbacherplatz 1, Sanderring 2, Servicezentrum Technischer Betrieb am Hubland, Physik, Chemie, Biozentrum, Röntgenring und Versbacher Str. 7/9 (nur bei Bedarf).
Außerdem führt die JMU Styroporformteile und Styroporverpackungschips dem Recycling durch Weitergabe an entsprechende Recyclingunternehmen (WRG) zu.

Sonderabfälle

Sonderabfälle werden grundsätzlich über den Technischen Betrieb entsorgt.
Neben Laborchemikalien zählen gefährliche Abfälle wie Farben- und Lacke, Quecksilber, Altöl, Batterien, Asbest und Leuchtstoffröhren dazu. Das Zentrum für Entsorgung und Recycling lagert diese Abfälle sicher zwischen, um sie der Beseitigung oder dem Recycling durch Fremdfirmen zuzuführen.

Recycling

Im Zentrum für Entsorgung und Recycling ist das Wiederverwenden von Lösemitteln eines der wichtigsten Konzepte. Abfallkanister, die organische Lösemittelabfälle enthalten, werden per Gas-Chromatographie analysiert.
Kommt der Inhalt für eine Redestillation in Frage, wird der Inhalt des Kanisters mithilfe von Rotationsverdampfern und Destillationsanlagen von Verunreinigungen befreit. Das reine Lösemittel kann nahezu entwässert werden. Zurückgewonnene Lösemittel werden zum erneuten Einsatz zur Verfügung gestellt.

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