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    Von Würzburg in die Welt

    31.07.2021

    Wer gerne Quiz-Shows im Fernsehen schaut, könnte ihn kennen: Dr. Manuel Hobiger alias „der Quizvulkan. Alumnus Hobinger hat an der Uni Würzburg Physik studiert und arbeitet heute als Seismologe.

    Wer den Dingen auf den Grund gehen und viel wissen will, erfüllt schon mal eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreicher Quizzer zu werden, sagt Manuel Hobinger.
    Wer den Dingen auf den Grund gehen und viel wissen will, erfüllt schon mal eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreicher Quizzer zu werden, sagt Manuel Hobinger. (Bild: ARD, Uwe Ernst / Collage Pressestelle Uni Würzburg)

    Was arbeiten Absolventinnen und Absolventen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)? Um Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Alumnus Dr. Manuel Hobiger an der Reihe.

    Hobinger hat in Würzburg Physik studiert und arbeitet als Seismologe beim Erdbebendienst des Bundes bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Vielen Menschen ist er aber eher bekannt als einer der Jäger in der Quizsendung „Gefragt – Gejagt“.

    Dr. Hobiger, das Thema Quiz ist für Sie mehr als ein Hobby, wie es scheint. Sie spielen sogar in der Deutschen Quiz-Nationalmannschaft. Können Sie das einmal ganz kurz beschreiben? Gerne gequizzt habe ich schon immer. Eines Tages im Jahr 2006, als ich nach einem Tag des Lernens für die Diplomprüfungen Zerstreuung suchte, bin ich über eine ansprechende Quizseite im Internet gestolpert und habe ab da regelmäßig dort gequizzt. Kurz darauf hat diese Webseite auch den deutschen Teil der Quizweltmeisterschaft ausgerichtet, wo ich dann einfach hingefahren bin. Das ist ein Quiz, das am selben Tag in vielen Ländern gespielt werden kann. Damals waren wir tatsächlich nur zwei Teilnehmer in Deutschland, und ich habe seitdem jedes Jahr wieder teilgenommen.

    Nur Teilnehmer zu sein, hat Ihnen dann aber nicht mehr gereicht. 2011 war ich einer der Mitgründer und erste Vizepräsident des Deutschen Quiz-Vereins, der seitdem die Organisation der Weltmeisterschaft in Deutschland übernimmt und auch deutsche Meisterschaften, Bundesländermeisterschaften und einen monatlichen Deutschland-Cup veranstaltet. Einmal im Jahr treffen sich die besten Quizzer Europas an einem Ort, um die Europameisterschaft zu bestreiten. Dort gibt es auch einen Teamwettbewerb, bei dem vierköpfige Nationalteams gegeneinander antreten. Bisher war ich zehnmal Mitglied des deutschen Teams. Im europäischen Vergleich sind allerdings die Engländer und Belgier die erfolgreichsten Nationen.

    Nachdem Sie selbst mehrmals an Quiz-Shows im Fernsehen teilgenommen und gewonnen haben, sind Sie nun „Jäger“ in einer bekannten Show. Wie ist es denn dazu gekommen? 2017 wurde ein neuer Jäger gesucht, und man hat mich zu einem Jägercasting eingeladen, das erfolgreich lief.

    Und wie darf sich der Laie das Leben eines „Jägers“ vorstellen? Als Jäger verbringt man so manchen Tag im Fernsehstudio in Hamburg. Es werden im Regelfall drei Folgen am Tag aufgenommen, und mehrere Jäger sind gleichzeitig anwesend. Die Kandidaten wissen vorher nicht, gegen wen sie spielen müssen. Wenn man vor der Aufzeichnung im Studio unterwegs ist, muss man daher immer aufpassen, dass einen die Kandidaten nicht sehen. Die vier Kandidaten lernen sich übrigens auch erst kurz vor der Sendung kennen. Diese erspielen sich in einer Schnellraterunde ihr Startkapital und versuchen dann, es in einem Duell gegen den Jäger eine Fragenleiter herunter zu retten. Der Jäger versucht dabei, sie mit Geld zu mehr Risiko zu bewegen. Nur die Kandidaten, die ihr Duell gewonnen haben, spielen am Ende das Finale um den gesamten geretteten Geldbetrag. Pro Spieler im Finale haben sie einen Punkt Vorsprung und müssen in zwei Minuten gemeinsam so viele Quizfragen wie möglich beantworten. Der Jäger versucht dann, sie in ebenfalls zwei Minuten einzuholen und ihnen den Gewinn abzujagen. Gibt der Jäger eine falsche Antwort, können die Kandidaten ihn mit einer richtigen Antwort zurücksetzen.

    Ganz schön kompliziert. Das klingt alles komplizierter als es im Endeffekt ist. Die Spielregeln bevorzugen prinzipiell die Kandidaten, auch wenn die Jäger meistens gewinnen. Das Leben als Jäger ist dabei natürlich anstrengend, da man eine gewisse Erwartungshaltung erfüllen und jeweils sehr konzentriert sein muss. Gleichzeitig macht es auch Spaß, und vor allem für die Zuschauer ist es eine sehr spannende Sendung, bei der sie nie zu Beginn nie wissen, wie sie ausgeht.

    Was lieben Sie besonders am Quiz? Ich wollte schon immer den Dingen auf den Grund gehen und viel wissen. Ein Quiz hat allerdings immer zwei Aspekte. Zum einen kann man beweisen, was man alles weiß. Zum anderen kann man eine Menge dazu lernen, oft auch Dinge, auf die man sonst nie gekommen wäre. Eine gute Quizfrage vermittelt schließlich auch demjenigen noch Wissen, der die korrekte Antwort weiß, zum Beispiel, wenn im Nebensatz noch eine vorher nicht bekannte Information steckt.

    Und wie schaffen Sie es, sich das ganze Wissen anzueignen und zu merken? Viel zu quizzen ist schon mal eine gute Voraussetzung, um auch gut zu quizzen. Gleichzeitig sollte man immer offen für neues Wissen sein und zum Beispiel viel Lesen und sich auch sonst auf dem Laufenden halten. Am Ende entscheidet natürlich, wie viel man sich tatsächlich merken und ob man das Wissen auch im richtigen Moment abrufen kann.

    Sie haben Physik studiert und arbeiten als Seismologe. Wie sind Sie dazu gekommen? In Würzburg habe ich meine Diplomarbeit am Physikalisch-Vulkanologischen Labor in experimenteller Vulkanologie gemacht. Daher kommt heute auch mein Kampfname „der Quizvulkan“ bei „Gefragt – Gejagt“. Die Doktorarbeit in Seismologie habe ich dann in Grenoble gemacht, wo ich schon ein Jahr Erasmus gemacht hatte.

    Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Von 2013 bis 2020 habe ich in der Schweiz an der Erweiterung des sogenannten Starkbebennetzes gearbeitet, wobei Starkbeben in diesem Zusammenhang jedes Erdbeben mit einer Magnitude über 2,5 meint. Im Gegensatz zu „normalen“ Erdbebenstationen, die normalerweise an Orten stehen, die so ruhig wie möglich sind, stehen diese Starkbebenstationen dort, wo die Gefährdung am größten ist, das heißt in Ballungszentren, Industriegebieten oder touristischen Zonen. Das Ziel ist es, viele kleinere Erdbeben aufzuzeichnen, um dann besser abschätzen zu können, was für Erschütterungen bei einem der zwar seltenen, aber starken Erdbeben vor Ort zu erwarten sind. Je nach Untergrund können Erdbebenwellen nämlich zum Beispiel in Sedimentbecken auch deutlich verstärkt werden. Außerdem haben wir jeweils im Umfeld der Stationen Messungen gemacht, um den Untergrund besser zu kennen und solche Verstärkungseffekte abschätzen zu können. Seit Dezember 2020 arbeite ich nun in Hannover beim Erdbebendienst des Bundes auf demselben Gebiet.

    Gibt es viele Erdbeben in der Schweiz beziehungsweise in Deutschland? In der Schweiz und in Deutschland gibt es durchaus Erdbeben, bei denen auch schon Schäden aufgetreten sind. Das stärkste der Erdbeben, von denen wir wissen, ereignete sich 1356 bei Basel. Seine Magnitude wird heute mit 6,6 abgeschätzt. So ein Erdbeben kann sich natürlich prinzipiell auch wieder ereignen. Nicht überall in Deutschland und der Schweiz treten jedoch auch Erdbeben auf. In Deutschland sind die Schwäbische Alb, der Oberrheingraben, die Kölner Bucht und das Vogtland die Gegenden mit dem höchsten Erdbebenrisiko, in der Schweiz wären das Wallis, Basel, Graubünden und die Zentralschweiz zu nennen. Im weltweiten Maßstab ist die Erdbebenaktivität bei uns jedoch eher moderat. In Deutschland gibt es außerdem mehrere Vulkangebiete. Der letzte Ausbruch war vor etwa 10.000 Jahren in der Eifel, was in geologischen Zeitskalen keine lange Zeit ist.

    Wenn Sie an Ihre Studienzeit in Würzburg zurückdenken: Was ist Ihre liebste Erinnerung? Da erinnere ich mich gerne an die Arbeit im Physikalisch-Vulkanologischen Labor zurück. Meine Aufgabe war es, Lavaproben im Ofen zu schmelzen und deren Viskosität zu messen. Das Labor ist eine sehr nette kleine Arbeitsgruppe, und auch heute noch treffen wir uns gerne jedes Jahr zur Laborfeier.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Sie sind selbst noch nicht Mitglied im Netzwerk der Universität? Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich über www.alumni.uni-wuerzburg.de zu registrieren! Hier finden Sie auch die bislang veröffentlichten Porträts von Alumni und Alumnae der JMU.

    Von Michaela Thiel / Gunnar Bartsch

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