Zusammenarbeit mit China: Eine vielschichtige Aufgabe
29.10.2026Eine internationale Konferenz in Würzburg hat die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit China beleuchtet.
Wie können europäische Hochschulen das Wissen, die Strukturen und die Strategien entwickeln, die sie für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit China benötigen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der internationalen Konferenz „Cooperation with China: Developing Competences and Structures in European Higher Education“, die am 28. und 29. September 2026 in Würzburg stattfand.
Die von KoWinChi und dem China-Kompetenzzentrum der Universität Würzburg ausgerichtete Konferenz brachte Forschende und Praktikerinnen und Praktiker aus Hochschulen, China-bezogenen Organisationen, Einrichtungen des akademischen Austauschs und dem öffentlichen Sektor zusammen. In mehreren Expertinnen- und Expertenpanels wurde die Zusammenarbeit mit China aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet – von der europäischen Kommunikation über China und institutionelle Strukturen bis hin zu Risikomanagement und den Erfahrungen internationaler Studierender.
Wie Europa über China spricht
Das erste Panel „European Messaging Towards China: Interpretations and Impact“ beschäftigte sich mit der Frage, wie europäische Perspektiven und Botschaften zu China vermittelt und wahrgenommen werden. Unter der Moderation von Professor Björn Alpermann von der Universität Würzburg diskutierten Ágota Révész von der Karoli-Gaspar-Universität Budapest, Amelie Richter von China.Table Media und Kristen Stessens von der KU Leuven.
Neben den Herausforderungen der Kommunikation über China bot das Panel Einblicke in redaktionelle Prozesse und die Auswahl von Medienberichten. Damit wurde deutlich, welche unterschiedlichen Perspektiven bei der öffentlichen Wahrnehmung Chinas zusammenwirken.
Institutionelle Strukturen stärken
Das zweite Panel „Managing Collaboration with China: Institutional Approaches“ richtete den Blick auf die praktische Organisation internationaler Kooperation. Unter der Moderation von Sabine Weber von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg diskutierten Sigrun Abels von der TU Berlin, Doris Fischer von der Universität Würzburg und Martina von Imhoff von der TU München.
Im Mittelpunkt standen institutionelle Strukturen und Expertise. Hochschulen benötigen geeignete organisatorische Rahmenbedingungen, um internationale Partnerschaften zu unterstützen und China-bezogenes Wissen innerhalb der eigenen Institution aufzubauen. Die Beiträge aus drei unterschiedlichen Hochschulen zeigten dabei verschiedene Ansätze und Best Practices.
Risiken akademischer Zusammenarbeit
Das dritte Panel widmete sich dem zunehmend wichtigen Thema des Risikomanagements. Hannes Gohli von der Universität Würzburg moderierte die Diskussion „Risk Management in Academic Cooperation with China“ mit Katja Drinhausen vom Mercator Institute for China Studies und Christina Philips vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Stefan Messingschlager von der Helmut-Schmidt-Universität steuerte einen Beitrag in Abwesenheit bei.
Die Diskussion machte deutlich, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine Vielzahl unterschiedlicher Risiken berücksichtigen müssen. Neben technologischen und finanziellen Risiken spielen auch geopolitische und zwischenmenschliche Faktoren eine Rolle. Gleichzeitig wurde die Frage thematisiert, welche Aspekte der deutschen Wissenschaft und Gesellschaft bei chinesischen Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Unsicherheiten auslösen können.
Internationale Studierende willkommen heißen
Das vierte Panel „Willkommenskultur: Making International Students Feel Welcome“ stellte die Erfahrungen internationaler Studierender in den Mittelpunkt. Moderiert von Anastasia Kostromina von der Universität Würzburg, diskutierten Florian Evenbye von der Universität Würzburg, Aylin Chaban von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Gang Li von der FAU Erlangen-Nürnberg und Elina Krause von der RWTH Aachen.
Die Diskussion unterstrich, dass internationale Zusammenarbeit nicht allein durch institutionelle Vereinbarungen und Forschungsprojekte entsteht. Sie zeigt sich auch im Studienalltag und in der Frage, ob sich internationale Studierende an deutschen Hochschulen willkommen, unterstützt und einbezogen fühlen.
China-Kompetenz entwickeln
Am zweiten Konferenztag gab Nicolas Zippelius, Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU/CSU, einen Impuls zur Bedeutung von Sensibilisierungsprogrammen für die Entwicklung von China-Kompetenz. Dabei ging er auch auf die geplanten nationalen Plattformen für Forschungs- und Wissenschaftssicherheit sowie für China-Kompetenz ein.
In einem anschließenden Workshop entwickelten die Teilnehmenden Empfehlungen für die Ausgestaltung dieser Plattformen. In vier Arbeitsgruppen wurden Erwartungen, aber auch mögliche Herausforderungen und Bedenken diskutiert. Die Ergebnisse sollen in einen Policy Brief einfließen, der an Zippelius und weitere mit dem Aufbau der Plattformen befasste Akteurinnen und Akteure übermittelt werden soll.
Ausblick
Die Konferenz zeigte, dass die Zusammenarbeit mit China für europäische Hochschulen eine vielschichtige Aufgabe ist. Erfolgreiche Kooperation erfordert mehr als einzelne Partnerschaften: Hochschulen benötigen institutionelles Wissen, geeignete Strukturen, ein Bewusstsein für mögliche Risiken und ein Verständnis für die Erfahrungen internationaler Studierender.
Durch die Verbindung von Perspektiven aus Hochschulen, China-Forschung, akademischem Austausch und dem öffentlichen Sektor bot die Konferenz ein Forum, um zentrale Herausforderungen zu diskutieren und konkrete Ansätze für die zukünftige Zusammenarbeit mit China zu entwickeln.


