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    Von Würzburg in die Welt

    30.04.2019

    Wer eine akademische Karriere anstrebt, hat einen langen und oft mühsamen und steinigen Weg vor sich. Man sollte sich jedoch davon nicht abschrecken lassen, denn die Mühe lohnt sich – sagt Alumnus Professor Jürgen Popp.

    Jürgen Popp hat seinen Traumjob gefunden – als Direktor eines Leibniz-Instituts und Professor an der Universität Jena.
    Jürgen Popp hat seinen Traumjob gefunden – als Direktor eines Leibniz-Instituts und Professor an der Universität Jena. (Bild: privat / Collage: Uni Würzburg)

    Was arbeiten Absolventen der Universität Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Professor Jürgen Popp ihr Gesprächspartner. Popp hat an der JMU im Fach Chemie promoviert. Er ist Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien in Jena und Direktor des Instituts für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    Herr Professor Popp, wie würden Sie einem Laien Ihre tägliche Arbeit beschreiben? Mein Arbeitstag ist geprägt von einem vollen Terminkalender mit vielen Meetings und Sitzungen. Als Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien mit etwa 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich auf gewisse Weise eine Art CEO eines mittelständischen Unternehmens. Das stellt eine große Verantwortung dar. Auf der anderen Seite bin ich aber auch Wissenschaftler mit einer eigenen Arbeitsgruppe, in der 25 Promovierende und zahlreiche Postdoktorandinnen und -doktoranden forschen.

    Welcher Aspekt Ihrer Arbeit gefällt Ihnen besonders? Zu den Höhepunkten meines Arbeitstages gehört es, mit den Mitgliedern meiner Arbeitsgruppe und mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Disziplinen zusammenzusitzen, wissenschaftliche Ergebnisse zu diskutieren und neue wissenschaftliche Ideen und Forschungsprojekte zu entwickeln. Auch meine Tätigkeit als Hochschullehrer ist ein solcher Höhepunkt, denn sie ermöglicht es mir, jungen Studierenden meine große Begeisterung für Physikalische Chemie im Allgemeinen und Spektroskopie im Besonderen weiterzugeben. Darüber hinaus ist meine Arbeit geprägt von Reisen auf wissenschaftliche Konferenzen oder zu zahlreichen nationalen und internationalen Gremiensitzungen.

    Wie sind Sie zu Ihrer jetzigen Position gekommen? Nachdem ich im Jahr 2000 meine Habilitation in Physikalischer Chemie an der Universität Würzburg in der Arbeitsgruppe von Professor Wolfgang Kiefer erfolgreich abgeschlossen hatte, habe ich mich auf Professorenstellen beworben. Glücklicherweise war bereits meine dritte Bewerbung erfolgreich: jene auf eine C4-Professur für Physikalische Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Damit wurde ich 2002 mit erst 36 Jahren auf einen Lehrstuhl berufen. 2005 wurde mir darüber hinaus eine Abteilungsleiterposition am damaligen Thüringer Landesinstitut für Physikalische Hochtechnologie angeboten, welche ich auch angenommen habe. Nur ein Jahr später wurde ich dort zum Wissenschaftlichen Direktor bestellt mit der Maßgabe, das Landesinstitut so zu profilieren, dass es perspektivisch in die Bund-Länder-Förderung überführt werden kann.

    Zu dieser Zeit hätten Sie auch zurück nach Würzburg wechseln können. Ja, aber diese äußerst reizvolle und spannende Aufgabe bewog mich, den Ruf auf die Nachfolge meines wissenschaftlichen Mentors, Professor Wolfgang Kiefer, als Lehrstuhlinhaber für Physikalische Chemie an meine Alma Mater, die Universität Würzburg, abzulehnen und stattdessen in Jena zu bleiben. Dort richteten wir das Institut wissenschaftlich neu aus und schärften das Forschungsprofil: Aus dem Institut für Physikalische Hochtechnologie wurde so das Institut für Photonische Technologien. Daraufhin wurde es 2014 in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen und heißt seither Leibniz-Institut für Photonische Technologien, kurz: Leibniz-IPHT.

    Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach besonders wichtig in Ihrem Job? Zunächst einmal: wissenschaftliche Kreativität, wie sie jede wissenschaftliche Position verlangt. Darüber hinaus braucht man sicherlich gewisse Fähigkeiten, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen, für die ich als wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-IPHT Verantwortung trage. Man sollte in der Lage sein, strategisch zu denken, also kurz- und langfristige wissenschaftliche Pläne zu schmieden und diese erfolgreich umzusetzen. Auch das Talent und  die Begeisterung für Kommunikation gehören dazu — sei es, um mit wissenschaftlichen Kollegen Kooperationen zu initiieren oder um mit Ministerien und Fördereinrichtungen zu verhandeln.

    Das hört sich nach einer spannenden Arbeit an. Ich kann für mich sagen, dass ich meinen Traumjob gefunden habe. Trotz der hohen zeitlichen Belastung macht mir die Arbeit jeden Tag aufs Neue Spaß. Als Professor bin ich mehr oder weniger unabhängig und kann meinen eigenen Forschungsinteressen und wissenschaftlichen Zielen folgen, kurz gesagt: meine eigene Agenda setzen. Daneben macht mir die tägliche Zusammenarbeit mit meinen jungen Promovierenden und den anderen Kolleginnen und Kollegen sehr viel Spaß, ebenso wie der wissenschaftliche Austausch auf nationalen und internationalen Tagungen und das Anbahnen von nationalen und internationalen Kooperationen. Diese große Vielfalt und Unabhängigkeit überwiegen bei weitem die wenigen negativen Aspekte wie beispielsweise die Bürokratie, die meine Arbeit natürlich auch mit sich bringt.

    Was raten Sie Studierenden, die eine ähnliche Tätigkeit anstreben? Mein Rat an den wissenschaftlichen Nachwuchs ist es, sich nicht abschrecken zu lassen von dem langen und oft mühsamen und steinigen Weg, den eine akademische Karriere mit sich bringt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich all diese Bemühungen lohnen. Professor ist ein — und mein — Traumjob.

    Und was halten Sie vom Alumni-Netzwerk der Universität Würzburg? Ich finde es gut, dass es mittlerweile auch vermehrt an deutschen Hochschulen Alumni-Netzwerke gibt, und würde mich freuen, wenn wir es irgendwann auch hierzulande schaffen, eine Alumni-Kultur aufzubauen, wie sie in den USA gepflegt wird. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass die ehemaligen Doktorandinnen und Doktoranden von Professor Wolfgang Kiefer bereits seit einigen Jahren regelmäßige Alumni-Treffen abhalten. Hieraus ist unter anderem die eine oder andere Forschungskooperation entstanden; außerdem werden auch gemeinschaftliche Symposien organsiert.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr Informationen zum Alumni-Netzwerk der Universität Würzburg und die Möglichkeit sich zu registrieren, gibt es hier.

    Von Michaela Thiel / Gunnar Bartsch

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