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Mit Menschen arbeiten: Pädagogik an der Uni Würzburg

17.06.2026

Fatima hat in Würzburg Pädagogik studiert und macht gerade ihren Master in Bildungswissenschaft. Sie gibt dir Tipps für das Bachelor-Studium und sagt dir, was du mitbringen solltest.

Fatima gefiel, dass das Pädagogik-Studium viele unterschiedliche Schwerpunkte bereithielt. So konnte sie ohne Druck herausfinden, für was sie sich interessierte.
Fatima gefiel, dass das Pädagogik-Studium viele unterschiedliche Schwerpunkte bereithielt. So konnte sie ohne Druck herausfinden, für was sie sich interessierte. (Bild: Martin Brandstätter)

Für mich war bereits während der Schulzeit sicher: Ich möchte später mit Menschen arbeiten. Was genau das bedeuten sollte, wusste ich allerdings lange nicht. Mir war nur klar, dass ich mich für gesellschaftliche Themen wie Bildung und für die zwischenmenschliche Zusammenarbeit interessiere.

Deshalb habe ich mich für das Bachelor-Studium Pädagogik an der Uni Würzburg entschieden. Besonders angesprochen hat mich dabei, dass das Studium thematisch breit aufgestellt ist und viele unterschiedliche Schwerpunkte anbietet. Ich musste mich also nicht sofort festlegen, sondern konnte im Laufe der Semester herausfinden, was mich wirklich interessiert.

Wichtig für das Pädagogik-Studium: Freude am Lesen mitbringen

Das Pädagogikstudium war vielfältig aufgebaut. Veranstaltungen wurden unter anderem von der Systematischen Bildungswissenschaft, der Empirischen Bildungsforschung oder der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung angeboten. Dadurch begegnete ich unterschiedlichen Perspektiven auf Bildung und Erziehung.

Inhaltlich reichte das Spektrum von klassischen bildungsphilosophischen Fragestellungen bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Diskursen, etwa zu Selbstoptimierung, pädagogischer Kommunikation oder Interaktion. Eines wurde mir dabei schnell klar: Lesen spielt im Studium eine große Rolle, und das solltest du auch mögen.

Besonders wertvoll: Gruppenarbeit

Um theoretische Konzepte zu verstehen, setzten wir uns intensiv mit Originaltexten auseinander, zum Beispiel von Immanuel Kant oder Jean-Jacques Rousseau, aber auch mit soziologischen Theorien, wie etwa von Pierre Bourdieu. Auf den ersten Blick wirken viele dieser Texte komplex und abstrakt. Mir persönlich haben diese intensiven Textarbeiten allerdings sehr geholfen, scheinbar abstrakte Begriffe wie „Bildung“ oder „Erziehung“ differenzierter zu denken.

Gerade durch die gemeinsame Diskussion in Seminaren wurden sie Stück für Stück verständlicher. Besonders wertvoll waren für mich auch Gruppenarbeiten: Gemeinsam Texte zu erschließen, sich gegenseitig Inhalte zu erklären und unterschiedliche Perspektiven zu hören, hat vieles greifbarer gemacht.

Ein Zusatzzertifikat für interkulturelle Kompetenz

Ein weiterer bedeutsamer Bestandteil meines Studiums war das Projekt „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ (GSiK). Über dieses Programm konnte ich zusätzliche Veranstaltungen und Vorträge besuchen und dadurch ein Zusatzzertifikat erwerben. Manche Seminare im Studium brachten automatisch GSiK-Punkte ein, andere Veranstaltungen wie Vorträge oder Workshops konnte freiwillig wählen und besuchen.

Besonders eindrücklich war für mich dabei ein Seminar zum interkulturellen Training mit dem Schwerpunkt Flucht und Asylrecht. Neben den theoretischen Grundlagen haben wir ein Planspiel durchgeführt, das praktische Einblicke ermöglicht hat. Diese Mischung aus Theorie und Praxis hat mir gezeigt, wie wichtig Perspektivwechsel in pädagogischen Kontexten sind.

Meine Herausforderungen im Pädagogik-Studium

So spannend und bereichernd viele Inhalte waren, ganz ohne Herausforderungen verlief mein Studium nicht. Eine der größten Hürden für mich waren die empirischen Forschungsmethoden, insbesondere der quantitative Teil. Zahlen, statistische Verfahren und mathematisches Denken gehörten eher nicht zu meinen größten Stärken. Entsprechend groß war zunächst meine Unsicherheit.

Jedoch mit viel Übung, Case-Trainings und kontinuierlicher Wiederholung wurde es Schritt für Schritt verständlicher. Mein persönlicher „Geheimtipp“ in der Klausurenphase waren Lerntreffen im Café: Gemeinsam mit einer Kommilitonin habe ich mich regelmäßig dort getroffen. Wir haben uns gegenseitig Inhalte erklärt, über Begriffe diskutiert und uns anhand von Beispielen geprüft. Natürlich wurde auch mal abgeschweift, aber genau diese Mischung aus konzentriertem Lernen und entspannter Atmosphäre hat mir sehr geholfen. Schwierige Themen musste ich damit nicht allein durchdringen, sondern konnte sie im Austausch klären.

Eine weitere Herausforderung stellte die Pandemie dar, die mitten in meinem Studium begann. Plötzlich fanden alle Seminare online über Zoom statt, der gewohnte Hörsaalalltag fiel weg und alles wurde digital organisiert. Zu Beginn war das sehr ungewohnt. Doch erstaunlicherweise funktionierten viele Seminare online sehr gut. Durch digitale Gruppenarbeiten und regelmäßige Präsentationen blieb der Austausch erhalten. Für mich persönlich hatte die Situation sogar einen angenehmen Lerneffekt: Ich konnte Präsentationen zunächst in einer geschützten Umgebung, an meinem eigenen Schreibtisch, üben. Diese Routine hat mir später geholfen, auch vor Ort selbstsicherer aufzutreten.

Mein Nebenfach: Germanistik

Da ich Pädagogik als 120-Punkte-Studium gewählt habe, gehörte ein Nebenfach verpflichtend dazu. In der Schulzeit hatte ich besonders Freude am Deutschunterricht, weshalb meine Wahl auf Germanistik fiel. Das Nebenfach bot für mich einen spannenden Kontrast.

Inhaltlich beschäftigte ich mich unter anderem mit alt- und mittelhochdeutscher Literatur, ein Bereich, mit dem ich zuvor kaum Berührung hatte. Während im Pädagogikstudium viele Hausarbeiten geschrieben wurden, standen in der Germanistik häufiger Klausuren an. Diese Kombination hat meinen Studienalltag abwechslungsreicher gestaltet und mir weitere Perspektiven eröffnet, insbesondere im Umgang mit Sprache und Texten.

Meine Pädagogik-Praktika

Ein fester Bestandteil des Pädagogikstudiums ist ein achtwöchiges Praktikum, das auch in zwei vierwöchige Abschnitte aufgeteilt werden konnte. Ich habe mich für diese zweite Variante entschieden und jeweils ein Praktikum in der Jugendgerichtshilfe sowie in der Jugendhilfe absolviert.

Beide Bereiche haben mir sehr unterschiedliche Einblicke in pädagogische Praxis ermöglicht. Ich konnte erleben, wie theoretische Konzepte, über die wir im Studium gesprochen hatten, im beruflichen Alltag umgesetzt werden, aber auch, wo Theorie und Praxis auseinandergehen. Für mich waren diese Erfahrungen auch deshalb wertvoll, weil sie mögliche Arbeitsfelder sichtbar gemacht haben.

Vom Bachelor zum Master: Schwerpunkt Erwachsenenbildung

Im Laufe des Studiums wurde für mich immer klarer, welcher Bereich mich vor allem interessiert: die Erwachsenen- und Weiterbildung. Bereits im Bachelor hatte ich Seminare in diesem Schwerpunkt besucht, die mein Interesse nachhaltig geweckt haben. Deshalb habe ich mich entschieden, im Masterstudium diesen Fokus weiterzuverfolgen.

Dabei merke ich aber rückblickend auch oft, wie wichtig die breite Grundlagenausbildung im Bachelor war. Die unterschiedlichen theoretischen Perspektiven bildeten für mich ein stabiles Fundament, auf dem ich im Masterstudium nun weiter aufbaue.

Für wen sich das Pädagogik-Studium in Würzburg eignet

Das Pädagogik-Studium kann aus ganz unterschiedlichen Gründen die richtige Wahl sein: für Menschen, die mit Menschen arbeiten möchten, für diejenigen, die gesellschaftliche Strukturen hinterfragen und Bildungsprozesse verstehen wollen, und für alle, die bereit sind, sich intensiv mit Theorien auseinanderzusetzen und viel zu lesen.

Du solltest keine Scheu davor haben, komplexe Texte zu bearbeiten und abstrakte Konzepte zu diskutieren. Gleichzeitig bietet das Studium viele Möglichkeiten zur Reflexion und zur praktischen Orientierung.

Von Fatima Suroji

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