ERC Starting Grant für Tom Beneke
03.09.2026Für seine Forschung zur Tropenkrankheit Leishmaniose erhält der Würzburger Wissenschaftler Tom Beneke einen ERC Starting Grant. Der renommierte europäische Forschungspreis ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert.
Mit den Starting Grants fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) talentierte Nachwuchsforschende, die eine herausragende Erfolgsbilanz und eine exzellente neue Forschungsidee vorweisen können.
Genau das trifft auf den Molekularbiologen Dr. Tom Beneke (35) vom Biozentrum der Universität Würzburg zu. Der ERC zeichnet ihn mit einem der 1,5 Millionen Euro schweren Grants aus, um seine Forschung zu Leishmanien und der von ihnen verursachten Erkrankung weiter voranzutreiben.
Für den Wissenschaftler ist das erneut ein schöner Erfolg. Erst vor wenigen Wochen hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft ihm 2,2 Millionen Euro für den Aufbau einer Nachwuchsgruppe bewilligt. Auch in diesem Projekt geht es um Leishmanien.
„Der ERC Starting Grant ist eine großartige Anerkennung unserer bisherigen Arbeit. Gemeinsam mit der kürzlich bewilligten Emmy-Noether-Förderung und weiteren Drittmittelprojekten können wir nun in Würzburg ein langfristiges Forschungsprogramm aufbauen und zentrale Fragen zur Biologie der Leishmanien und zu den Ursachen von Therapieversagen bei Leishmaniose untersuchen“, sagt Tom Beneke.
Resistenzen gegen Medikamente nehmen zu
Leishmanien kommen auch rund ums Mittelmeer vor. Sie werden durch den Stich von Sandmücken auf Menschen, aber auch auf Hunde und andere Tiere übertragen. Manche Leishmanien verursachen Hautgeschwüre, andere befallen hauptsächlich Leber und Milz – letzteres endet ohne Behandlung fast immer tödlich. Weltweit erkranken jedes Jahr bis zu eine Million Menschen an Leishmaniose und mehrere Tausend sterben an den Folgen der Erkrankung.
Zugelassene Impfstoffe gibt es nicht und die verfügbaren Therapien sind oft mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Gleichzeitig nehmen Resistenzen gegen die wenigen verfügbaren Medikamente zu.
Parasiten können in Ruhezustand übergehen
In seinem ERC-Projekt „PERSIST“ befasst sich Tom Beneke mit der Arzneimittelresistenz der Parasiten. Manche entgehen der Therapie, indem sie im Inneren ihrer Wirtszellen in eine Art Ruhezustand übertreten. Die Forschung spricht dann von Persistenz. In diesem Zustand wachsen die Erreger nur sehr langsam oder gar nicht – das macht sie medikamentös noch schlechter angreifbar. Sobald die Behandlung endet oder die Wirkung der Medikamente nachlässt, können die Leishmanien wieder aktiv werden.
In der Forschung galt der Ruhezustand lange Zeit als vorübergehende Reaktion der Parasiten auf Stress, wie er durch die Medikamente entsteht. „Neuere Forschungsergebnisse, auch aus meiner Gruppe, deuten aber darauf hin, dass bestimmte genetische Variationen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Parasiten in die Persistenz wechseln“, sagt Tom Beneke.
Der Genetik der Erreger auf der Spur
Der Würzburger Forscher will herausfinden, welche Gene im Parasiten steuern, ob Leishmanien aktiv bleiben oder in einen Ruhezustand wechseln. Klären möchte er auch, ob Leishmanien eine Art biologisches Gedächtnis besitzen, das sie besonders dafür prädestiniert, immer wieder in den Ruhezustand zu wechseln. Zusätzlich soll erforscht werden, wie sich diese Mechanismen von klassischen Resistenzmutationen unterscheiden und welche genetischen Veränderungen Leishmanien empfindlicher gegenüber Medikamenten machen.
Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Behandlung der Leishmaniose deutlich zu verbessern. Langfristiges Ziel ist es, neue Kombinationstherapien zu entwickeln, die nicht nur Resistenzen bekämpfen, sondern auch die Bildung überlebender Ruhestadien verhindern und so Rückfälle nach der Behandlung reduzieren.
Werdegang von Tom Beneke
Tom Beneke, Jahrgang 1990, stammt aus Berlin und studierte Biotechnologie an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Nach seinem Bachelorabschluss wechselte er im Rahmen eines Fast-Track-PhD-Programms ohne vorherigen Masterabschluss direkt an die Universität Oxford. Dort promovierte er von 2015 bis 2019 über das Schwimmverhalten von Leishmanien.
Anschließend forschte Beneke zunächst in Oxford weiter, wechselte dann aber als Spezialist für CRISPR-Screening zum Biotech-Unternehmen Oxford Genetics. Nach knapp zwei Jahren in der Industrie entschied er sich dann wieder für die akademische Forschung. 2022 kam er mit Fellowships der Europäischen Molekularbiologie-Organisation EMBO und der Europäischen Union (Marie Curie) ans Biozentrum der Universität Würzburg. Hier setzte er seine Forschung über Leishmanien fort.
2024 gründete er eine unabhängige Nachwuchsforschungsgruppe. Diese wird, zusätzlich zum Emmy-Noether-Programm, durch weitere Drittmittelprojekte getragen. Darunter sind eine weitere DFG-Förderung, ein europäisches Horizon-Europe-Projekt sowie eine Förderung der Humboldt-Stiftung.
Kontakt
Dr. Tom Beneke, Lehrstuhl für Zell- und Entwicklungsbiologie, Biozentrum der Universität Würzburg, tom.beneke@uni-wuerzburg.de
