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Vier neue Promotionsnetzwerke am Start

14.07.2026

Strukturierte Ausbildung von Promovierenden: In der Biochemie, Biologie, Biomedizin und in Jura gehen neue Programme an den Start. Die Europäische Union fördert sie mit 18 Millionen Euro.

In die Luft geworfene Doktorhüte.
Neue Promotionsnetzwerke bringen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus verschiedenen Ländern zusammen. (Bild: skodonnell / iStock.com)

Die Europäische Union will mit ihren Marie Skłodowska-Curie Maßnahmen (MSCA) einen starken Pool europäischer Forschender etablieren und den Wissenschaftsstandort Europa noch attraktiver machen. Vor diesem Hintergrund unterstützt sie auch die Schaffung internationaler Promotionsnetzwerke, in denen Doktorandinnen und Doktoranden eine strukturierte Ausbildung erhalten.

Die Promotionsnetzwerke bringen Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Akteure aus anderen Sektoren verschiedener Länder zusammen. In den gemeinsamen Forschungsprojekten soll der wissenschaftliche Nachwuchs eine hochqualitative Ausbildung erhalten. Eine große Rolle spielt dabei der Austausch der Promovierenden unter den beteiligten Einrichtungen.

Vier Forschende der Universität Würzburg haben mit Erfolg an der Beantragung neuer MSCA-Promotionsnetzwerke mitgewirkt (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Dr. Tom Beneke vom Biozentrum,
  • Prof. Dr. Isabel Feichtner von der Juristischen Fakultät,
  • Dr. Hans Maric vom Rudolf-Virchow-Zentrum und
  • Prof. Dr. Bettina Warscheid vom Institut für Biochemie.

Die EU unterstützt die vier Netzwerke vier Jahre lang mit insgesamt rund 18 Millionen Euro; davon sind rund 1,45 Millionen Euro zur Förderung von Promovierenden der JMU vorgesehen.

Biologie: Wie Parasiten sich anpassen

Das neue Promotionsnetzwerk PACT erforscht vernachlässigte Tropenkrankheiten, die durch Parasiten wie Trypanosomen und Leishmanien verursacht werden. Letztere stehen in Würzburg besonders im Fokus der Forschung: Diese Erreger sind schwer zu bekämpfen, weil sie sich im Körper anpassen, in Geweben verstecken und Resistenzen gegen Medikamente entwickeln. Sie können zudem in einen Ruhezustand übergehen und so Therapien überstehen. Ziel des Netzwerks ist es, diese Mechanismen besser zu verstehen, um neue Diagnostik und wirksamere Medikamente zu entwickeln und die Krankheiten langfristig einzudämmen.

Das Netzwerk „Parasite Adaptive skills and how Counter Them“ (PACT) ist angesiedelt bei Dr. Tom Beneke, der im Biozentrum am Lehrstuhl für Zoologie I – Zell- und Entwicklungsbiologie forscht.

Die EU fördert das Netzwerk mit insgesamt 4,4 Millionen Euro; davon gehen rund 290.000 Euro nach Würzburg.

Rechtswissenschaft: Europas grüne Transformation

Die Klimakrise, geopolitische Instabilität und wirtschaftliche Unsicherheiten stellen Europa vor große Herausforderungen. Die EU setzt deshalb auf den „Green Deal“, eine Umgestaltung, die Klimagesetzgebung, Industriepolitik und Energiesicherheit betrifft. Das neue Promotionsnetzwerk „LPE-GREEN“ untersucht, wie diese Agenda die institutionellen Grundlagen der politischen Ökonomie der EU in drei miteinander verknüpften Bereichen neugestaltet: Produktion, natürliche Ressourcen und Finanzen. Die beteiligten Forschenden analysieren, wie rechtliche Rahmenbedingungen Märkte prägen, Machtverhältnisse strukturieren und sozioökologische Transformationen ermöglichen oder behindern. Sie möchten Nachwuchsforschende ausbilden, die Lösungen für eine nachhaltige und soziale Zukunft in Europa entwickeln.

Das Netzwerk „Reconfiguring Europe: Law and Political Economy of the Green Transition" (LPE-GREEN) ist an der JMU bei Dr. Isabel Feichtner angesiedelt, Professorin für Öffentliches Recht und Wirtschaftsvölkerrecht an der Juristischen Fakultät.

Die EU fördert das Netzwerk mit insgesamt 4,6 Millionen Euro; davon gehen rund 290.000 Euro nach Würzburg.

Biomedizin: Hochflexible Proteinregionen im Blick

Sehr viele Proteine des Menschen enthalten hochflexible Abschnitte, die keine stabile dreidimensionale Struktur ausbilden. Diese Proteinregionen übernehmen in Zellen zentrale Steuerungsfunktionen: Sie regulieren Signalwege und komplexe Proteinnetzwerke. Wenn diese Prozesse entgleisen, kann das schwere Krankheiten auslösen, darunter Krebs und neurodegenerative Erkrankungen. Wegen ihrer hohen Flexibilität bieten solche Zielregionen für konventionelle Arzneistoffe nur wenige klar definierte Angriffspunkte. Hier setzt das neue Promotionsnetzwerk an: Sein Ziel ist es, am Beispiel des Onkogens β-Catenin innovative Werkzeuge und Methoden zu entwickeln, um hochflexible Proteinregionen gezielt für die Wirkstoffentwicklung zu erschließen.

Das Promotionsnetzwerk „Flexible and disordered protein targets for therapeutic development: The oncogene β-catenin as showcase" (FlexCAT) ist angesiedelt bei Dr. Hans Michael Maric am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging.

Die EU fördert das Netzwerk mit insgesamt 4,5 Millionen Euro; davon gehen rund 580.000 Euro nach Würzburg.

Biochemie: Neue Strategien gegen Viren

Viren haben hohe Mutationsraten und sind damit sehr anpassungsfähig – das kann schnell zu globalen Krankheitsausbrüchen führen, wie die COVID-19-Pandemie gezeigt hat. Vor diesem Hintergrund sucht die Wissenschaft nach neuartigen antiviralen Therapien, die auf den Wirt statt direkt auf das Virus abzielen und gegen unterschiedliche Viren wirksam sind. Vielversprechende Angriffspunkte sind Zellorganellen wie Peroxisomen, die bei der Virusinfektion und der Immunantwort des Wirts eine wichtige Rolle spielen. Fortschritte auf diesem Forschungsgebiet werden jedoch durch einen Mangel an Fachleuten behindert, die sich sowohl in der Virologie als auch in der Peroxisomen- und Organellenbiologie auskennen. Diese Lücke möchte das neue Promotionsnetzwerk VirION schließen.

Das Netzwerk „Inter-organelle crosstalk in viral infections: identifying peroxisome-related targets for novel broad-spectrum antiviral strategies“ (VirlON) ist angesiedelt im Biozentrum bei Professorin Dr. Bettina Warscheid, Leiterin des Lehrstuhls für Biochemie II.

Die EU fördert das Netzwerk mit insgesamt 4,5 Millionen Euro; davon gehen rund 290.000 Euro nach Würzburg.

Von Robert Emmerich

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