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    Ein Zentrum für Bewegungsforschung

    15.07.2019

    Mit einem Festakt wurde das Bernhard-Heine-Centrum für Bewegungsforschung eröffnet. Es ist in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus angesiedelt und soll neue Konzepte zur Förderung der Beweglichkeit erarbeiten.

    Vor dem Festakt (v.l.): Franz Jakob, Maximilian Rudert, Bernd Sibler und Erwin Dotzel. In der Reihe dahinter Jürgen Deckert und Alfred Forchel.
    Vor dem Festakt (v.l.): Franz Jakob, Maximilian Rudert, Bernd Sibler und Erwin Dotzel. In der Reihe dahinter Jürgen Deckert und Alfred Forchel. (Bild: Markus Mauritz / Bezirk Unterfranken)

    „Sich regen bringt Segen“ – dieses Sprichwort stimmt. Bewegung fördert die Funktion aller Organe und damit auch ein längeres Leben. Selbst das Gehirn profitiert unmittelbar davon, wenn der Mensch sich viel bewegt. Auf der anderen Seite sorgt zu wenig Bewegung dafür, dass Demenz, Osteoporose, Arteriosklerose und andere Krankheiten leichteres Spiel haben.

    Bewegung ist Leben: Diese Erkenntnis ist in der Wissenschaft unumstritten. Dennoch gibt es weiterhin Forschungsbedarf, gerade mit Blick auf die zunehmende Lebenserwartung. Jeder fünfte Mensch in der Bundesrepublik ist inzwischen über 65 Jahre alt. Und es gibt viele Wechselwirkungen zwischen altersbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates und Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die noch nicht gut genug verstanden sind.

    Vorreiterrolle für Bayern und Deutschland

    Hier soll das neue Bernhard-Heine-Centrum für Bewegungsforschung den Standort Würzburg und das Land Bayern zu Vorreitern machen. So wünscht es sich Franz Jakob, Professor am Lehrstuhl für Orthopädie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und einer der Direktoren des neuen Zentrums. Denn in Deutschland gebe es viele verschiedene vom Bund geförderte Gesundheitsforschungszentren, aber keines davon beschäftige sich mit dem Muskel-Skelett-System.

    Das sagte Jakob am 12. Juli 2019 beim Festakt zur Eröffnung des Bernhard-Heine-Centrums. Die Feier fand im Hörsaal des Lehrstuhls für Orthopädie in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus in Würzburg statt. Lehrstuhlinhaber und Klinikdirektor Professor Maximilian Rudert konnte dort zahlreiche Gäste und Redner begrüßen, darunter Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

    Der Minister hat offenbar für sich verinnerlicht, dass Bewegung Leben bedeutet: Um fünf Uhr am Morgen sei er bereits gejoggt, damit er um 6 Uhr in Niederbayern losfahren und pünktlich zu seinen Terminen in Würzburg sein konnte. Die Forschung des Zentrums bezeichnete Sibler als sehr wichtig, denn das Thema „Bewegung und Alter“ werde die Gesellschaft noch sehr stark beschäftigen.

    Lebensberatung und Behandlungsstrategien

    Das neue Forschungszentrum will Technologien für die Prävention, Therapie und Rehabilitation bei degenerativen Erkrankungen von Muskeln, Knochen und Gelenken entwickeln. Laut Jakob geht es dabei um Konzepte zur Förderung der Beweglichkeit, die individuell an Alter, Leistungsfähigkeit und Erkrankungen der Patienten angepasst sind. Und die Neuerungen sollen in der Klinik schnell zur Anwendung kommen.

    „Wir wollen die Prinzipien der ständigen Geweberegeneration von Muskeln, Knochen, Sehnen und Gelenken fundiert erforschen und die Ergebnisse in die Lebensberatung und in medizinische Behandlungsstrategien einfließen lassen“, so Jakob. An dieser Aufgabe wirken auch JMU-Forschungsgruppen aus den Lebenswissenschaften, der Biotechnologie und der Computertechnologie mit.

    Professor Rudert ergänzt: „Bewegung wird durch Training gefördert. Wie wirkt sich Training auf die Verbesserung der Leistungsfähigkeit aus, und zwar bezüglich der allgemeinen Leistung als auch in der Rehabilitation? Welchen Einfluss können psychische, neurologische oder kardiale Faktoren haben? Hier soll das Bernhard-Heine-Centrum als Plattform für interdisziplinäre Denkansätze dienen.“

    Aus den Ansprachen des Festaktes

    Der Bezirk Unterfranken als Träger des König-Ludwig-Hauses stellt dem Zentrum Räume zur Verfügung. Universitätspräsident Alfred Forchel dankte dem Bezirk für die sehr gute Kooperation, die jetzt in die Etablierung des neuen Forschungszentrums mündete.

    Auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel begrüßte die Zentrumsgründung. Den Professoren Rudert und Jakob dankte er dafür, dass die Orthopädische Klinik sich unter ihrer Leitung hervorragend weiterentwickelt habe. Nur ein Beleg dafür: In einem bundesweiten Vergleich von 1.900 Kliniken hat das Institut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 2018 das König-Ludwig-Haus auf Platz 34 gesetzt.

    Als Vertreter der Medizinischen Fakultät äußerte Prodekan Jürgen Deckert seine Freude über die dynamischen Entwicklungen am Lehrstuhl für Orthopädie. Die Aktivitäten dort zeichneten sich auch durch eine starke Vernetzung mit anderen Standorten und durch hohe Drittmitteleinwerbungen aus.

    Finanzielle Unterstützung von der EU

    Das Bernhard-Heine-Centrum fängt nicht bei Null an, sondern baut auf jahrelangen Vorarbeiten auf. Diese wurden und werden unter anderem im Rahmen eines EFRE-Projekts (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) mit 1,5 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Auch der Freistaat Bayern und der Bezirk Unterfranken tragen zur Finanzierung bei.

    „So kann die Zentrumsgründung als Auftakt einer schlüssigen Entwicklung betrachtet werden, in die zukünftig viele Forscher von bayerischen Universitäten einbezogen werden sollen“, sagt Professor Jakob. Der Würzburger Mediziner hat an der JMU seit 2001 eine Professur inne, die sich der Erforschung des Muskel-Skelett-Systems widmet. Um 2008 war er Hauptinitiator des Muskuloskelettalen Centrums Würzburg MCW.

    Namenspatron Bernhard Heine

    Die Benennung des neuen Zentrums hat einen bedeutsamen historischen Hintergrund, denn in Würzburg steht die Wiege der Orthopädie in Europa. Hier wurde das Fach von der Medizinerfamilie Heine begründet, und speziell Bernhard Heine (1800-1846) war zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Wissenschaftler weltweit bekannt.

    Website Bernhard-Heine-Centrum für Bewegungsforschung

    Von Robert Emmerich

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