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    Ein Avatar für die Ministerin

    03.05.2019

    Vielfältige und spannende Projekte laufen am Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion der Universität Würzburg. Davon konnte sich Judith Gerlach, Bayerns Ministerin für Digitales, bei einem Besuch überzeugen.

    Ministerin Judith Gerlach und ihr Avatar winken zum Abschied.
    Ministerin Judith Gerlach und ihr Avatar winken zum Abschied. (Bild: Myriam Bott / Universität Würzburg)

    Vier herausragende Universitätsstandorte gibt es in Deutschland für das Gebiet Virtuelle Realität / Erweiterte Realität (Virtual Reality / Augmented Reality oder kurz: VR/AR): Heidelberg, Tübingen und insbesondere München und Würzburg. Von dort kommen außergewöhnlich viele einschlägige Publikationen, dort seien die Forschenden stark mit anderen Forschungsstandorten vernetzt. Das geht aus einer aktuellen Technikfolgenabschätzung zum Thema Virtuelle und Erweiterte Realität für den Deutschen Bundestag hervor.

    Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ist einer dieser vier Standorte. Was hier auf dem Feld VR/AR geleistet wird, darüber informierte sich Bayerns Ministerin für Digitales, Judith Gerlach, bei einem Besuch. Professor Marc Erich Latoschik und sein Team begrüßten die Ministerin am 29. April 2019 in den Labors des Lehrstuhls für Mensch-Computer-Interaktion.

    Über die JMU selbst musste Professor Latoschik nicht viele Worte verlieren, denn Judith Gerlach ist Alumna der Universität – sie hat hier von 2006 bis 2010 Jura studiert. Umso mehr Zeit blieb, der Ministerin Einblicke in die vielfältigen Forschungs- und Anwendungsprojekte des Lehrstuhls zu verschaffen.

    VR für Anwendungen in der Medizin

    Virtuelle Umgebungen werden in Latoschiks Team unter anderem für den Einsatz in der medizinischen Reha entwickelt. Etwa für Patienten, die nach einem Schlaganfall wieder das Gehen lernen oder nach einer Knieoperation schnell wieder mobilisiert werden müssen.

    In beiden Fällen ist es von Vorteil, wenn die Patienten ihre Körperübungen in einer virtuellen Umgebung absolvieren: Laut Latoschik steigert es die Motivation, wenn die Patienten bei den Übungen nicht einen tristen Trainingsraum sehen, sondern in einen virtuellen Park oder eine andere stimulierende Umgebung eintauchen können.

    VR für Anwendungen im Bildungsbereich

    Präsentiert wurde der Ministerin auch das preisgekrönte Projekt „Breaking Bad Behavior“. Hier kommt eine virtuelle Umgebung zum Einsatz, in der Lehramtsstudierende den Umgang mit schwierigen Situationen in einer Schulklasse trainieren können. Dafür wurden, zusammen mit Professorin Silke Grafe vom Lehrstuhl für Schulpädagogik, virtuelle Lernszenarien erarbeitet. Das Ergebnis des Projekts wurde auf der fraMediale vom Frankfurter Technologiezentrum [:Medien] ausgezeichnet.

    Neue Forschungsprojekte eingeworben

    Über Auszeichnungen anderer Art konnte Latoschik der Ministerin ebenfalls berichten. Auf Kongressen etwa wurde sein Team wiederholt für „Best Paper“ ausgezeichnet. Auch mehrere große Forschungsprojekte hat der Lehrstuhl jüngst eingeworben. Die Europäische Union finanziert das Projekt VirtualTimes. Dabei wird erforscht, ob und wie virtuelle Plattformen das Zeitempfinden des Menschen beeinflussen können. Womöglich lassen sich solche Plattformen einmal für psychotherapeutische Zwecke nutzen.

    Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Projekte ViLeArn und ViTraS. Im zuerst genannten werden virtuelle Lernumgebungen entwickelt, die zugleich soziale Kompetenzen und den Lernerfolg fördern sollen. Im Projekt ViTraS (Virtual-Reality-Therapie durch Stimulation modulierter Körperwahrnehmung) geht es darum, wie sich Avatare im Umgang mit der Wahrnehmung des eigenen Körpers nutzen lassen. Das könnte bei der Therapie von Essstörungen hilfreich sein.

    Die Ministerin und ihr Avatar

    Latoschiks Team bot Judith Gerlach auch einen sehr direkten Zugang zum Thema VR/AR. Gleich am Anfang des Besuchs wurde ein Avatar der Digitalministerin erstellt. Das ließ sie unter einer Voraussetzung zu: „Aber nur, wenn ich den Avatar später nicht ohne mein okay in Games wiederfinde.“ Dieses Versprechen gab Latoschik sehr gerne. Und so konnten zum Abschied gleich zwei Ministerinnen dem Lehrstuhlteam zuwinken: die echte und die virtuelle.

    Kontakt

    Prof. Dr. Marc Latoschik, Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion, Universität Würzburg, T +49 931 31-85871, marc.latoschik@uni-wuerzburg.de

    Weblink

    Forschungsprojekte am Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion

    Weitere Bilder

    Von Robert Emmerich

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