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    Blutplättchen im Blick

    25.05.2018

    Neuer Sonderforschungsbereich für Würzburg und Tübingen: Mit rund 14 Millionen Euro werden die Blutplättchen näher untersucht. Sie mischen vermutlich bei weitaus mehr Krankheiten mit als bisher gedacht.

    Mikroskopische Aufnahme einer Zelle, von der sich junge Blutplättchen abschnüren. (Bild: Rudolf-Virchow-Zentrum)
    Entstehende Blutplättchen (weiße Pfeile) werden von ihren Vorläuferzellen abgeschnürt. Gefärbt sind hier sind die Zytoskelett-Bestandteile Tubulin (grün) und Aktin (rot) sowie der Zellkern (blau). (Bild: Rudolf-Virchow-Zentrum)

    „Die Blutplättchen leisten sehr viel mehr, als Blutungen zu stillen und Herzinfarkte auszulösen“, erläutert Professor Bernhard Nieswandt, Direktor des Instituts für Experimentelle Biomedizin, getragen vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und dem Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

    „Jüngere Studien gaben uns den Hinweis, dass es sehr komplexe Zusammenhänge gibt zwischen diesen kleinsten Zellen des Blutes und diversen entzündlichen Prozessen, zellulären Abwehrmechanismen, der angeborenen Immunität, der Aufrechterhaltung von Gefäß- und Organfunktionen sowie der Entstehung von Tumoren.“

    Ein detaillierteres Wissen über die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen ist laut Professor Nieswandt die zentrale Voraussetzung für ein besseres Verständnis von Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, akutem Lungenversagen und Krebs.

    Verbund mit der Universität Tübingen

    Die herausragende Bedeutung der Forschung über Blutplättchen (Thrombozyten) hat nun auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bestätigt: Sie bewilligte kürzlich den neuen Sonderforschungsbereich Transregio (SFB/TR 240) „Thrombozyten – molekulare, zelluläre und systemische Funktionen unter physiologischen und pathologischen Bedingungen“. Der mit 13,7 Millionen Euro ausgestattete SFB hat eine Laufzeit von zunächst vier Jahren und beginnt zum 1. Juli 2018.

    Bei der Antragstellung war das Würzburger Institut für Experimentelle Biomedizin federführend. Mitantragsteller war der Direktor der Medizinischen Klinik III (Kardiologie) der Universität Tübingen, Professor Meinrad Gawaz. Beide Einrichtungen haben langjährige Forschungsprogramme zu Thrombozyten.

    Grundlagenforschung, aber nahe an der klinischen Umsetzung

    „Gerade der sehr ausgeprägte translationale Charakter, der Grundlagenforscher mit Klinikern zusammenbringt, ist eine besondere Stärke unseres Verbundes“, unterstreicht Professor Nieswandt und präzisiert: „Wir gehen davon aus, dass unser neu gewonnenes Grundlagenwissen schnell zu gänzlich neuartigen Behandlungskonzepten für eine ganze Reihe von Erkrankungen führen kann, die bisher nicht in Zusammenhang mit Thrombozyten gesehen wurden.“

    Mit Blick auf die Reputation des Standorts stolz zeigte sich Professor Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW: „Die DFG-Gutachter bestätigten im Rahmen der Bewilligung, dass Professor Nieswandt und sein Team in der Thrombozyten-Grundlagenforschung zur Weltelite gehören. Forschung für unsere Patienten ist eine unserer hervorragenden Aufgaben.“

    Am neuen Sonderforschungsbereich sind auch Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald und des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund beteiligt. Der interdisziplinäre Forschungsverbund vereint Molekulargenetik, in-vivo-Krankheitsmodelle, hochauflösende Mikroskopie, in-vivo-Bildgebungsverfahren, Systembiologie, translationale Ansätze und klinische Forschungsergebnisse.

    Wissenschaftlicher Hintergrund

    Jeden Tag entstehen im Knochenmark eines gesunden Menschen etwa 100 Milliarden Thrombozyten aus riesigen Vorläuferzellen und zirkulieren dann für etwa zehn Tage im Blutstrom.

    Ihre am besten beschriebene Funktion besteht darin, die Gefäßwand auf Verletzungen hin zu kontrollieren, diese bei Bedarf zu verschließen und so unkontrollierten Blutverlust zu verhindern. Wenn diese Prozesse unkontrolliert ablaufen, können Thrombozyten so große Zusammenlagerungen bilden, dass dies zu lebensbedrohlichen Gefäßverschlüssen wie im Falle eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls führt.

    Zur Person

    Bereits seit dem Jahr 2002 ist Professor Bernhard Nieswandt an der JMU in verschiedenen Funktionen tätig. Nach dem Biologie- und Biochemiestudium promovierte er an der Universität Regensburg und habilitierte im Bereich Experimentelle Medizin an Universität Witten/Herdecke.

    Seit 2008 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin mit Schwerpunkt Vaskuläre Biologie und Leiter des Instituts für Experimentelle Biomedizin, das vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und dem Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg gemeinsam getragen wird. Seit April 2016 gehört er zur Doppelspitze in der Leitung des Rudolf-Virchow-Zentrums für Experimentelle Biomedizin.

    Website der Arbeitsgruppe Nieswandt

    Sonderforschungsbereiche der JMU

    Von Daniela Diefenbacher

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