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    Blutgerinnsel verschlimmern Hirnverletzungen

    13.04.2016

    Wenn bei einem Unfall das Gehirn verletzt wird, weiten sich die Schäden in den Tagen danach noch aus. Dafür sind offenbar Blutgerinnsel verantwortlich, wie ein Forschungsteam der Uni Würzburg herausgefunden hat.

    Bei Schädel-Hirn-Verletzten finden sich häufig Gefäßverschlüsse (Pfeil, oben), die die Versorgung des Gehirns beeinträchtigen und Hirnschäden verschlimmern können. Im Hirngewebe von gesunden Menschen sind die Gefäße normalerweise frei von Ablage
    Bei Schädel-Hirn-Verletzten finden sich häufig Gefäßverschlüsse (Pfeil, oben), die die Versorgung des Gehirns beeinträchtigen und Hirnschäden verschlimmern können. Im Hirngewebe von gesunden Menschen sind die Gefäße normalerweise frei von Ablagerungen (unten, Stern). (Bilder: Neurologische Klinik)

    Bei einem Sportunfall gestürzt und hart mit dem Schädel aufgeschlagen, im Straßenverkehr schwer mit dem Motorrad verunglückt: Schädel-Hirn-Verletzungen sind bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen die häufigste Ursache für Tod und bleibende Behinderungen. Bei den Überlebenden verschlimmern sich die Hirnschäden direkt nach dem Unfall in der Regel noch weiter. Bisher kennt die Medizin keine therapeutischen Möglichkeiten, um das zu verhindern.

    Eine mögliche Lösung beschreiben Würzburger Wissenschaftler unter Leitung der Professoren Anna-Leena Sirén (Experimentelle Neurochirurgie) und Christoph Kleinschnitz (Neurologie) im Fachmagazin „Annals of Neurology“: Demnach könnte die Hemmung des Blutgerinnungsfaktors XII das Fortschreiten der Hirnschäden vielleicht stoppen.

    Gewebeproben gaben entscheidenden Hinweis

    Wie die Forscher das erkannt haben? „Durch eine Kooperation mit der Universität Uppsala im europäischen Forschungsverbund CnsAflame erhielten wir Gewebeproben von Schädel-Hirn-Trauma-Patienten und untersuchten sie“, erläutert Sirén. Dabei zeigte sich, dass in den Gehirnen der Patienten besonders häufig Blutgefäße durch Blutgerinnsel verstopft sind.

    Darin vermutete das Forschungsteam die Ursache für das Fortschreiten der Hirnschäden. Es untersuchte den Sachverhalt weiter an Mäusen, deren Blut nicht gerinnt, weil der dafür wichtige Faktor XII fehlt. „Gefäßverstopfungen und posttraumatische Folgeschäden waren hier deutlich vermindert“, erläutert die Biologin Dr. Christiane Albert-Weißenberger. Ebenfalls schützend wirkte die Unterdrückung der Blutgerinnung durch einen Faktor-XII-Hemmstoff der Firma CSL Behring GmbH (Marburg) mit dem Namen rHA-Infestin-4.

    Mehr noch: „Bei Verwendung dieses Hemmstoffs konnten wir keine Blutungen beobachten, das ist sehr wichtig für die Anwendungssicherheit“, erklärt die Apothekerin Sarah Hopp-Krämer, die in der Arbeitsgruppe von Christoph Kleinschnitz ihre Doktorarbeit über dieses Thema schreibt. Blutungen sind bei Schädel-Hirn-Verletzten eine häufige Komplikation, so dass therapeutische Wirkstoffe keinesfalls Blutungen auslösen dürfen.

    Klinische Anwendung ist noch fern

    Das Fazit des Teams: Die neuen Erkenntnisse seien ein großer Schritt hin zur Entwicklung neuer Therapien für Schädel-Hirn-Verletzte. „Die Gewebeproben der Patienten haben uns dafür wertvolle Hinweise darauf geliefert“, so Kleinschnitz. Doch bevor Unfallopfer möglicherweise von dem neuen Wissen profitieren können, wird es noch einige Jahre dauern. Weitere Tests seien nötig. Unter anderem gelte es, die Langzeitwirkung des Hemmstoffs rHA-Infestin-4 zu erforschen. Hierbei hoffen die Wissenschaftler auf eine Fortführung ihrer jahrelangen Kooperation mit der Marburger Firma.

    Förderer des Forschungsprojekts

    Finanziell ermöglicht wurde dieses Forschungsprojekt durch den von der Europäischen Union geförderten Forschungsverbund CnsAflame, durch die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die CSL Behring GmbH und das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung der Universität Würzburg.

    “Targeting Coagulation Factor XII as a Novel Therapeutic Option in Brain Trauma“, Sarah Hopp, Christiane Albert-Weissenberger, Stine Mencl, Michael Bieber, Michael K. Schuhmann, Christian Stetter, Bernhard Nieswandt, Peter M. Schmidt, Camelia-Maria Monoranu, Irina Alafuzoff, Niklas Marklund, Marc W. Nolte, Anna-Leena Sirén, and Christoph Kleinschnitz, Annals of Neurology, DOI: 10.1002/ana.24655

    Kontakt

    Prof. Dr. Anna-Leena Sirén, Neurochirurgische Klinik, Universität Würzburg, T (0931) 201-24579, siren.a@nch.uni-wuerzburg.de

    Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Neurologische Klinik, Universität Würzburg, T (0931) 201-23755, christoph.kleinschnitz@uni-wuerzburg.de

    Von Robert Emmerich / Christiane Albert-Weißenberger

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