WueLAB feiert fünfjähriges Jubiläum
03.11.2026Seit fünf Jahren gibt es das Nachhaltigkeitslabor WueLAB der Universität Würzburg. Bei der Jubiläumsfeier warfen die Rednerinnen und Redner einen Blick auf die Erfolge in Forschung, Lehre und Praxis.
Wer offenen Auges über den Uni-Campus läuft, kann leicht das ein oder andere Ergebnis der Arbeit all der Menschen sehen, die mit dem WueLAB zusammenarbeiten: Recycling-Stationen, die Mülltrennung, Recycling und Entsorgung verbessern, Campus-Bänke, die zum Ausruhen und Miteinander-ins-Gespräch-kommen einladen, oder ein digitaler Ausleihschrank, der Sport- und Spielgeräte für die Pause nach der Vorlesung oder der Arbeit im Angebot hat.
Aber natürlich reicht die Arbeit des WueLAB weit über die Förderung solcher Angebote hinaus. Sehr viel zahlreicher sind Forschungsprojekte, die vom Team des Nachhaltigkeitslabors der Universität Würzburg bearbeitet wurden, oder neue Angebote in der Lehre. Vor fünf Jahren wurde die Einrichtung offiziell ins Leben gerufen. Zu ihrem Jubiläum haben die Verantwortlichen jetzt einen Festakt mit zahlreichen Gästen aus der Uni und von außerhalb organisiert.
„Wir sind keine reine Transferstelle, sondern wir arbeiten Forschungsdesigns mit den verschiedenen Grundlagendisziplinen zu Nachhaltigkeitsthemen aus. Wir überlegen: Wo gibt es wissenschaftliche Schnittstellen, damit wir schon bestehende starke Forschung und Lehre kombinieren und gezielt in den interdisziplinären Austausch oder den Transfer bringen können.“ So beschreibt Nicola Oswald das Prinzip, das hinter der Arbeit im WueLAB steckt. Die habilitierte Mathematikerin ist seit Juli 2023 Geschäftsführerin des Nachhaltigkeitslabors.
Realexperimente mit Transformationsanspruch
Wissenschaftliche Methoden und Datenerhebungen unterschiedlicher Fachbereiche miteinander zu verknüpfen und praxistauglich in den Transfer zu bringen – natürlich immer mit dem Blick auf Nachhaltigkeit: Das sei die Idee, die hinter dem WueLAB steht, so Nicola Oswald. Als wissenschaftliche Plattform hat die Einrichtung in den vergangenen Jahren inter- und transdisziplinär verschiedene Grundlagendisziplinen von der Psychologie über die Biologie und Sozialwissenschaften bis hin zur Ethnologie zusammengebracht und gemeinsam neuartige Forschungsdesigns entwickelt.
Zentrales Element dabei sind die sogenannten Transformationsexperimente. Diese folgen einer wissenschaftsgeleiteten, explorativen Logik und sind darauf ausgelegt, nachhaltige Veränderungen direkt im Universitätsalltag zu erproben und zu erforschen. Der Ablauf folgt einem festen Muster: „Wir starten immer mit einem Treffen, bei dem die Antragsteller ihre Idee erläutern“, erklärt Nicola Oswald. Danach lasse sich in der Regel schnell entscheiden, ob die Idee ohne größeren Aufwand umgesetzt werden kann, oder ob ein Transformationsexperiment gestartet wird.
Von „Realexperimenten mit Transformationsanspruch“, spricht die WueLAB-Geschäftsführerin in diesem Fall. Das Team hilft dann bei der Suche nach weiteren Akteuren und versucht, die Antragsteller mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen oder mit außerwissenschaftlichen Kontakten zu verknüpfen. Auf diese Weise kommen beispielsweise Expertinnen und Experten aus der Informatik mit solchen aus den Sozialwissenschaften zusammen, vernetzen sich mit den städtischen Verkehrsbetrieben und Bürgerinitiativen und arbeiten daran, die Mobilität in Würzburg zu verbessern – „auf einer wissenschaftlichen Basis“, wie Oswald betont.
Zwischen einem Monat und zwei Jahren könne es dauern, bis klar ist: „Das ist eine klasse Idee!“. Wenn das der Fall ist, unterstützt das WueLAB gemeinsam mit dem Research Advancement Centre der Uni dabei, Anträge für Drittmittel zu stellen – beim WueLAB selbst, bei Ministerien, bei Stiftungen oder bei kommunalen Förderlinien. 10.000 Euro stehen beim WueLAB selbst jedes Jahr für studentische Projekte zur Verfügung, 100.000 Euro für die nicht-studentischen Transformationsexperimente.
Drei Säulen: Netzwerk, Forschung und Bildung
Die Arbeit des WueLAB stützt sich auf drei Hauptsäulen: „Wir sind zum einen Netzwerk und Plattform“, erklärt Oswald. Nach fünf Jahren können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen breit aufgestellten Austausch organisieren, auch über die Universität hinaus – etwa mit Stadtverwaltung, Politik, Wirtschaft und Gründerzentren.
Zum Zweiten existiert mittlerweile ein eigenes Forschungsdesign für Realexperimente. Mit diesem Konzept und der wissenschaftlichen Auswertung der vom WueLAB betreuten Experimente, sind Nicola Oswald und ihr Team deutschlandweit auf Konferenzen und in Publikationen vertreten. Überregionale Forschungskooperationen wurden hierzu und zu Themen des BMFTR-geförderten Verbundprojekts REKLINEU II wie etwa Kultur der Nachhaltigkeit und Digitale Zwillinge des Campusgeländes aufgebaut.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bildet die dritte Säule, die ganz unterschiedliche Einrichtungen der Universität verbindet. So hat die Universität Würzburg beispielsweise jetzt dank der WueLAB-Unterstützung ein Zertifikat im Angebot, mit dem Lehrende am ZBL eine hochschuldidaktische Fortbildung im Bereich Nachhaltigkeit nachweisen können. Zusätzlich gibt es seit Neuestem das digitale Studienangebot „Interdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaften“, an dem rund 50 Beteiligte aus allen Fakultäten und weiteren Einrichtungen wie etwa der Gesunden Hochschule mitgewirkt haben. Dieses ist unter anderem auch für CHARM-EU-Studierende und im Rahmen einer GSiK-Zusatzqualifikation anrechenbar.
Eine produktive Herausforderung für die Uni
„Das WueLAB institutionalisiert Explorativität, Reflexivität, Innovation und Dynamik.“ So beschrieb Dr. Andrea Sakoparnig in ihrem Festvortrag die Arbeit am WueLAB. Sakoparnig ist Philosophin und Expertin für Nachhaltigkeit im Hochschulbereich bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Mit der Gründung des Nachhaltigkeitslabors habe die JMU die Möglichkeit institutionalisiert, „sich selbst immer wieder irritieren zu lassen“. Die Universität habe damit einen Raum stabilisiert, „in dem Stabilität produktiv herausgefordert werden darf“. Ihr sei es damit gelungen, Innovation und Selbstreflexion fest in ihren eigenen Strukturen zu verankern.
Anja Schlömerkemper ist Vizepräsidentin für Chancengleichheit, Karriereplanung und Nachhaltigkeit an der Universität Würzburg und Sprecherin des WueLAB, das sie vor fünf Jahren mit auf den Weg gebracht hat. In ihrem Grußwort sagte sie: „Das Jubiläum ist ein Anlass, stolz auf das gemeinsam Erreichte zu blicken und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten, um den Wandel weiterhin mutig voranzubringen.“
Was den Blick nach vorne angeht, ist Nicola Oswald optimistisch. Sie ist sich sicher: „Das WueLAB wird weiterhin eine inter- und transdisziplinäre Brücke für die Grundlagenforschung an der JMU sein, um Ergebnisse miteinander in Kontakt zu bringen und Kultur sowie Handeln für Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Campusleben weiter zu stärken.“
Auf der Homepage des WueLAB gibt es hier mehr Bilder sowie das Programm der Jubiläumsfeier mit einer digitalen Broschüre zur wissenschaftlichen Keynote von Michaela Fenske (Ethnologie) sowie Hinweisen auf die Grußworte von Kanzler Dr. Uwe Klug und Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová.
Kontakt
Dr. Nicola Oswald, T +49 931 31-80494, nicola.oswald@uni-wuerzburg.de


