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    Von Würzburg in die Welt

    08.01.2019

    Eine Tasse Kaffee auf Hawaii hat die entscheidende Weiche in seinem Leben gestellt. Heute ist Alumnus Thomas Eckel Geschäftsführer einer Kaffeerösterei. Studierenden rät er zum Blick über den Tellerrand.

    Thomas Eckel beim Gang durch eine Kaffeeplantage.
    Thomas Eckel beim Gang durch eine Kaffeeplantage. (Bild: Murnauer Kaffeerösterei)

    Was arbeiten Absolventen der Universität Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Thomas Eckel an der Reihe. Der Alumnus der JMU in Würzburg Betriebswirtschaftslehre studiert und ist heute Geschäftsführer einer Kaffeerösterei mit angeschlossenem Kaffeehaus in Murnau.

    Herr Eckel, was fasziniert Sie am Thema Kaffee? Das ist sehr breit gefächert. Es geht los auf der Kaffeeplantage. Das Leben hat dort einen anderen Wert. Man sieht, wie fröhlich und glücklich Menschen sein können, wenn sie im Einklang mit der Natur leben, abseits der riesigen Werbe- und Konsum-Maschinerie. Und dann ist da natürlich auch der Kaffee selbst, der mich fasziniert, ganz besonders die Projekte rund um das Thema Qualität, die wir zusammen mit den Kaffeebauern umsetzen.

    Was meinen Sie konkret damit? In der Kaffeebohne stecken über 800 Aromen. Während der zehn Jahre, die es die Murnauer Kaffeerösterei nun gibt, habe ich beobachtet, dass diese Aromenvielfalt an Intensität ständig zunimmt.

    Wie erklären Sie sich das? Das liegt daran, dass die Kaffeebauern ihr Fachwissen erweitern und sich trauen, mit verschiedenen Kaffeevarietäten und Aufbereitungsmethoden zu spielen. So gibt es ausgeprägt fruchtige Töne von Himbeere bis hin zu würzigen Noten wie Zimt. Deshalb ist das Rösten der Bohnen einer der spannendsten Prozesse, hier kann ein guter Röster eine Rohbohne zur Genussbohne verwandeln. Auch die Gespräche mit Kunden im Kaffeehaus sind eine Bereicherung. Viele unserer Gäste sind Genießer, Denker, Veränderer…

    Wie sind Sie nach dem Studium zu Ihrer jetzigen Tätigkeit gekommen? Während meiner Studienzeit war ich unter anderem auf Hawaii. Dort habe ich zum ersten Mal im Leben wirklich guten Kaffee getrunken. Diese Qualität habe ich zurück in Würzburg nirgends mehr gefunden. So wurde ich kurzerhand zum Teetrinker, das Genusserlebnis von Hawaii habe ich jedoch immer vermisst. Durch einen Zufall kam ich dann an guten Kaffee aus Kolumbien. Und dann hat mich der Kaffee nicht mehr losgelassen. Ich wollte mehr wissen. Wo kommt Kaffee her, wie entstehen die Aromen? Es folgte eine Ausbildung zum Kaffee-Sommelier und Kaffee-Gutachter, und dann tat ich den Schritt in die Selbständigkeit.

    Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen? Sehr abwechslungsreich! Als Inhaber einer stetig wachsenden Rösterei erlebe ich immer wieder Veränderungen. Mein Schwerpunkt liegt jedoch immer noch in der Qualitätssicherung vom Einkauf des Rohkaffees über das Rösten bis zum Ausschank. Deshalb treffe ich mich oft mit meinen Röstern, um Verkostungen zu machen, Röstprofile zu prüfen und daran zu feilen, neue Kaffees zu testen.

    Was würden Sie Studierenden raten, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten? Ich habe immer wieder gehört, dass wir das, was wir in der Schule oder an der Uni lernen, hinterher nicht mehr bräuchten, nicht einmal zehn Prozent davon. Mit dieser Einstellung kommt man nicht weit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich an der Uni nicht mal zehn Prozent davon gelernt habe, was ich hinterher brauchte. Es war also gerade mal die Basis. Mein Ratschlag lautet deshalb: Ihr müsst Platz machen in eurem Kopf für Neues und Andersartiges, über den Tellerrand rausschauen, traut euch in ganz andere Richtungen zu denken und versucht vor allem, weltweite Zusammenhänge verstehen zu lernen!

    An welche Begebenheit aus Ihrem Studium erinnern Sie sich besonders gerne? Es gibt viele Momente, an die ich mich gerne erinnere. Am beeindrucktesten waren die Professoren, die eine eigene Meinung hatten. Professor Bofinger, Professor Wenger beispielsweise oder auch Professor Thome – ich erinnere mich an einen Vortrag bei der IHK, wo er den Vertretern des Landratsamtes mal so richtig die Meinung gesagt und dafür tosenden Applaus erhalten hat.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Von Michaela Thiel / Gunnar Bartsch

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