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    Viele Orte für Tiepolo

    14.09.2021

    Ein neues Netzwerk soll Giambattista Tiepolo und seinen Söhnen zu europäischer Sichtbarkeit verhelfen. Die Uni Würzburg ist maßgeblich daran beteiligt. Jetzt trafen sich alle Beteiligten zur Gründungsversammlung bei Venedig.

    Giambattista Tiepolo malte 1752/53 sich und seinen Sohn Giamdomenico in der Nordostecke des Weltfreskos im Treppenhaus der Residenz.
    Giambattista Tiepolo malte 1752/53 sich und seinen Sohn Giamdomenico in der Nordostecke des Weltfreskos im Treppenhaus der Residenz. (Bild: Martin von Wagner Museum / André Mischke)

    Eine europäische Kulturroute von der Lombardei bis ins Friaul, von Venedig bis Würzburg und am besten bis Madrid: Das ist das Ziel der „Rete dei Luoghi dei Tiepolo“, einem Netzwerk auf den Spuren des venezianischen Malerstars Giambattista Tiepolo und seiner Söhne Giandomenico und Lorenzo.

    Die Initiative, an der bisher dreizehn Städte und Gemeinden, aber auch Museen und andere Kultureinrichtungen beteiligt sind, nahm ihren Ausgang vom 250. Todesjahr des 1770 in Madrid gestorbenen Meisters, der auch Würzburgs kulturelle Identität mitgeprägt hat. Das Martin von Wagner Museum hatte aus diesem Grund 2020/21 die Ausstellung „‘Der Arbeit die Schönheit geben‘ | Tiepolo und seine Werkstatt“ in Würzburg ausgerichtet. Der Direktor der Neueren Abteilung des Universitätsmuseums, Professor Damian Dombrowski, wurde sowohl in das Lenkungsgremium als auch in den wissenschaftlichen Beirat des Netzwerks berufen.

    Eine Ehre für die Alma Julia

    „Sicherlich ist es eine Ehre, die der Alma Julia von den italienischen Kollegen erwiesen wird“, kommentiert Dombrowski seine neuen Ämter: „Sie trägt aber auch der europäischen Bedeutung Giambattista Tiepolos Rechnung.“ Die Werke dieses bedeutendsten Künstlers des 18. Jahrhunderts sind nämlich mitnichten allein auf seine Heimat Venezien konzentriert, sondern in Sammlungen überall auf dem Kontinent vertreten. Seine italienische Heimat hat Tiepolo zweimal verlassen. Nach Spanien begab er sich gegen Ende seines Lebens. Nach Franken aber, wo er mit dem Treppenhausfresko in der Würzburger Residenz das vielleicht großartigste Werk seiner gesamten Laufbahn schuf, kam er 1750 auf dem Höhepunkt seines Ruhms.

    So sei es 2020 zu einer ersten Kontaktaufnahme mit den Initiatoren des Netzwerks gekommen, berichtet Dombrowski, der sich in Forschung und Lehre seit langem mit Tiepolo beschäftigt. Von Anfang an sollte es ein Projekt mit internationaler Stoßrichtung sein – „wie es sich für einen Künstler gehört, der zwar unübersehbar Venezianer war, aber mit seiner Kunst aus allen lokalen Bindungen heraustrat“, so Dombrowski. Das Netzwerk hofft auch auf die Teilnahme Madrids, wo Tiepolo das Königsschloss ausgemalt hat; aber auch Orte wie Dießen am Ammersee, wohin 1737 der erste Tiepolo-Gemälde in Deutschland gelangte, sind potenzielle Kandidaten.

    Würzburg ist prominent vertreten

    Vor einem Jahr wurde die dreiteilige YouTube-Serie „I luoghi dei Tiepolo“ produziert, die an zahlreiche Wirkungsorte Tiepolos und seiner Söhne führte, darunter auch in die Tiepolo-Ausstellung des Martin von Wagner Museums. Als die Zusammenarbeit aus Anlass des 325. Geburtstags des Malers am 5. März dieses Jahres vertieft wurde – in einer Videocollage wurden von allen möglichen Orten Glückwünsche eingeholt –, war auch schon die Stadt Würzburg in Gestalt von Oberbürgermeister Christian Schuchardt dabei; seitdem ist auch die Bayerische Schlösserverwaltung der „Rete dei Luoghi dei Teipolo“ beigetreten.

    Im Juni wurde von allen Beteiligten eine Absichtserklärung verabschiedet, auf deren Grundlage nun weitergearbeitet wird. „Kein anderer Tiepolo-Ort ist so prominent vertreten wie Würzburg“, freut sich Dombrowski: „Stadt, Land und Universität bilden eine Trias, die einen substanziellen Beitrag zu den Anliegen des Netzwerks leisten kann.“ Dessen Bemühungen sollen in die Errichtung einer europäischen Kulturroute münden. Der Europarat fördert solche länderübergreifenden Wege, die zu einem gemeinsamen und lebendigen Kulturerbe beitragen sollen. Unter den 45 bestehenden Routen sind beispielsweise die „Via Habsburg“, die „Routen der Reformation“ oder die „Straße des Eisernen Vorhangs“, aber auch so berühmte Strecken wie der Jakobsweg oder die Hanse.

    Am 10. September trafen sich die meisten der rund dreißig Beteiligten zur ersten Vollversammlung in Mirano bei Venedig. Dort hat sich Giambattista Tiepolo nach seiner Rückkehr aus Würzburg eine Villa zugelegt, die sein Sohn Giandomenico mit Fresken ausstattete. „In Würzburg ist Tiepolo zu einem reichen Mann geworden“, so Dombrowski: „Nun arbeitet Würzburg daran mit, den Reichtum seiner Kunst einem noch breiteren Publikum zu erschließen.“

    Kontakt

    Prof. Dr. Damian Dombrowski, Martin von Wagner Museum, T: +49 931 31-85574 damian.dombrowski@uni-wuerzburg.de

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