Verdienstmedaille für Gerhard Sextl
12.05.2026Für seine herausragenden Leistungen erhielt Chemieprofessor und Materialforscher Gerhard Sextl beim Stiftungsfest 2026 die Julius-Maximilians-Verdienstmedaille der Universität.
Gerhard Sextl, geboren am 31. März 1958, ist eine herausragende Persönlichkeit der modernen Materialforschung, die über Jahrzehnte hinweg Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft in außergewöhnlicher Weise geprägt hat. Sein Wirken basiert auf einem tiefen Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Grundlagenforschung und praktischer Anwendung sowie auf dem Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt zur Bewältigung zentraler Zukunftsfragen einzusetzen.
Sein Studium der Chemie absolvierte Gerhard Sextl an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er nach seinem Diplom mit Auszeichnung auch promovierte. Bereits früh zeichnete sich sein wissenschaftlicher Weg durch eine konsequente Verbindung von exzellenter Grundlagenarbeit und anwendungsorientierter Forschung aus.
Davon geprägt war auch seine anschließende langjährige Tätigkeit in der Industrie, in der er in verantwortungsvollen Positionen – unter anderem bei den Firmen Degussa, OMG, Umicore und ZEOCHEM – insbesondere im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie der strategischen Unternehmenssteuerung tätig war. Er hielt dabei auch regelmäßig Vorlesungen an der Universität Hannover über industrielle anorganische Chemie. 2002 wurde er dafür in Hannover zum Honorarprofessor bestellt.
JMU und Fraunhofer: Doppelfunktion in Würzburg
Im Jahr 2006 folgte Gerhard Sextl dem Ruf an die Universität Würzburg auf den Lehrstuhl für Chemische Technologie der Materialsynthese. Zugleich übernahm er als Institutsleiter die Verantwortung für das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg.
In dieser Doppelfunktion gelang es ihm in herausragender Weise, die enge Verzahnung von universitärer Forschung und anwendungsnaher Entwicklung zu gestalten und nachhaltig zu stärken. In diesem Zusammenhang war es ihm ein besonderes Anliegen, neue Studienangebote mitzugestalten: So wirkte er maßgeblich an der Konzeption, Organisation und Umsetzung des 2006 eingeführten Studiengangs „Funktionswerkstoffe“ mit, der als neuer technologischer Studiengang in Würzburg mit dem Ziel startete, materialwissenschaftliche Grundlagenforschung und Anwendung auf innovative Weise zu verbinden.
Frühzeitig wichtige Themen adressiert
Unter seiner Leitung entwickelte sich das Fraunhofer ISC zu einem bedeutenden Zentrum für Materialforschung mit besonderem Fokus auf Energie- und Ressourceneffizienz. Ausgehend von innovativen Silicium-Sauerstoff-Verbindungen initiierte und prägte Gerhard Sextl zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsfelder, die heute zentrale Themen unserer Zeit bilden.
Dazu gehören insbesondere die Entwicklung innovativer Materialien für die Energiespeicherung und -wandlung, den Klima- und Umweltschutz, Fortschritte im Bereich der Elektromobilität sowie neue Ansätze für eine nachhaltige Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft.
Auch im Bereich der Gesundheitsforschung setzte er wichtige Impulse, etwa durch den Aufbau entsprechender Forschungsstrukturen in enger Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg.
Engagiert weit über Würzburg hinaus
Sein Wirken ging dabei weit über den wissenschaftlichen Bereich hinaus. Mit großem strategischem Weitblick setzte sich Gerhard Sextl für den Aufbau neuer Forschungszentren ein und stärkte damit nicht nur den Wissenschaftsstandort Würzburg, sondern auch andere Regionen, wobei der Schwerpunkt stets in Bayern lag.
Hervorzuheben ist etwa sein Engagement bei der Gründung und Verstetigung neuer Institute, beispielsweise in Bayreuth zur Förderung der keramischen Industrie in Nordbayern oder am Untermain zu nachhaltiger Ressourcennutzung und Recycling.
Gerhard Sextl ist ein Wissenschaftler mit Weitblick – einer, der die großen Herausforderungen unserer Zeit erkennt und ihnen mit wissenschaftlicher Exzellenz, Innovationskraft und gesellschaftlicher Verantwortung begegnet. Sein Wirken steht beispielhaft für die erfolgreiche Verbindung von Forschung, Anwendung und Transfer sowie für die nachhaltige Stärkung des Wissenschafts- und Innovationsstandorts.
Für seine herausragenden Leistungen wurde ihm 2021 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 2024 ehrte ihn die Stadt Würzburg mit dem „Tanzenden Schäfer“ für seine stadtbildprägenden Initiativen.

