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    Schlaganfall: Längeres EKG-Monitoring sinnvoll

    08.06.2021

    Ein verlängertes EKG-Monitoring bei stationär behandelten Schlaganfallpatienten entdeckt ein Vorhofflimmern häufiger als der etablierte diagnostische Standard. Das ist ein Ergebnis einer neuen Studie unter Würzburger Beteiligung.

    Vorhofflimmern zählt zu den relevantesten Schlaganfall-Risikofaktoren. Ein EKG gehört deshalb zur Standarddiagnostik nach einem Schlaganfall.
    Vorhofflimmern zählt zu den relevantesten Schlaganfall-Risikofaktoren. Ein EKG gehört deshalb zur Standarddiagnostik nach einem Schlaganfall. (Bild: joruba / Thinkstock)

    Flimmern die Vorhöfe des Herzens, können sich dort Blutgerinnsel bilden, die mit dem Blutstrom in die Hirnarterien gelangen und dort zu einem Gefäßverschluss führen können. Die Folge ist ein so genannter „ischämischer Schlaganfall“. Deshalb zählt Vorhofflimmern zu den relevantesten Schlaganfall-Risikofaktoren.

    Vor diesem Hintergrund gehört das Elektrokardiogramm (EKG) des Herzens zur Standarddiagnostik nach einem Schlaganfall. Wird dann ein Vorhofflimmern als mögliche Ursache des Schlaganfalls erkannt, ist eine „blutverdünnende“ Therapie angezeigt, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls bestmöglich zu senken. Kann kein Vorhofflimmern nachgewiesen werden, erhalten die Betroffenen zwar standardmäßig Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung. Auf diese Weise wird das Schlaganfallrisiko eines unerkannt gebliebenen Vorhofflimmerns jedoch weit weniger effektiv gesenkt.

    Wie lange eine EKG-Aufzeichnung bei Schlaganfallpatienten durchgeführt werden sollte, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Frage ist allerdings auch von dem Hintergrund begrenzter Ressourcen im Gesundheitssystem relevant. Eine Antwort unter anderem auf diese Frage sollte die Studie „Impact of MONitoring for Detection of Atrial Fibrillation in Ischemic Stroke“ (MonDAFIS) geben.

    EKG-Monitoring erfolgte bis zu sieben Tage nach Studieneinschluss

    Die MonDAFIS Studie wurde am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin der Charité – Universitätsmedizin Berlin intendiert und unter Leitung von Professor Matthias Endres durchgeführt. Als Studienkoordinator fungierte Professor Karl Georg Häusler, der inzwischen als Leitender Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg tätig ist. Das Würzburger Klinikum beteiligte sich gemeinsam mit 38 weiteren deutschen Studienzentren an der Rekrutierung der 3.465 Studienpatienten. Die Fallzahlplanung und die statistischen Analysen übernahm das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg.

    Der Schlaganfallexperte Professor Häusler erläutert: „Viele Patientinnen und Patienten bemerken zunächst keine für ein Vorhofflimmern spezifischen Symptome, was dessen Nachweis auch bei Schlaganfallpatienten erschwert. Im Rahmen der MonDAFIS-Studie erhielten die Studienpatienten, die in die Kontrollgruppe randomisiert wurden, die am jeweiligen Studienzentrum etablierte Standard-EKG-Diagnostik. In der Interventionsgruppe wurde während des stationären Aufenthalts zusätzlich ein EKG-Monitoring über bis zu sieben Tage durchgeführt, das innerhalb weniger Tage im kardiologischen Studienzentrum ausgewertet wurde. Die Befundweitergabe erfolgte an die Behandlerinnen und Behandler durch die Studienzentrale, die auch für die Nachbeobachtung der Studienpatienten über 24 Monate verantwortlich zeichnete.“

    Studienergebnisse in der Fachzeitschrift Lancet Neurology

    Anhand der MonDAFIS-Studie zeigte sich, dass die Rate der Patientinnen und Patienten, bei denen stationär ein Vorhofflimmern diagnostiziert wurde, in der Interventionsgruppe signifikant höher war als in der Kontrollgruppe, obwohl diese einen hohen diagnostischen Standard aufwies. Das Flimmern wurde dabei vornehmlich bei Schlaganfallpatienten nachgewiesen, die zumindest 65 Jahre alt waren. Der primäre Studienendpunkt unterschied sich hingegen in beiden Studienarmen nicht signifikant: die Rate der Schlaganfallpatienten, die ein Jahr nach Studieneinschluss Blutverdünnern in Form von Tabletten einnahmen. Ebenso wenig unterschied sich die Gesamtzahl eines erneuten Schlaganfalls, einer schweren Blutung, eines Herzinfarkts oder von Todesfällen jedweder Ursache. Interessanterweise traten in der Interventionsgruppe weniger Todesfälle auf als in der Kontrollgruppe, was Gegenstand noch laufender Analysen ist.

    Professor Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft Neurologie, zog deshalb ein pragmatisches Fazit: „Es empfiehlt sich, das EKG-Monitoring zumindest bei älteren Schlaganfallpatientinnen und -patienten über 65 Jahre bis zur stationären Entlassung fortzuführen. Die Intervention erhöht bei Risikopatientinnen und -patienten die Diagnoserate von Vorhofflimmern und ist darüber hinaus relativ kostengünstig.“

    Originalpublikation

    Prof Karl Georg Haeusler, MD, Prof Paulus Kirchhof, MD, Claudia Kunze, BA, Serdar Tütüncü, MD, Cornelia Fiessler, PhD Carolin Malsch, MSc et al. Systematic monitoring for detection of atrial fibrillation in patients with acute ischaemic stroke (MonDAFIS): a randomised, open-label, multicentre study. The Lancet Neurology 2021; 20(6):426-436.

    Von Universitätsklinikum Würzburg

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