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    Russlands Kultur im Fokus

    28.09.2021

    „Russische Sprache und Kultur“ an der Uni Würzburg ist mehr als nur Sprachunterricht. So will sich Gesine Drews-Sylla, neue Lehrstuhlinhaberin, mit dem Medium Film und Russlands Beziehungen zum Globalen Süden auseinandersetzen.

    Der Fall des Eisernen Vorhangs war die Initialzündung. Seitdem begeistert sich Gesine Drews-Sylla für die Slavistik.
    Der Fall des Eisernen Vorhangs war die Initialzündung. Seitdem begeistert sich Gesine Drews-Sylla für die Slavistik. (Bild: Kristian Lozina / Universität Würzburg)

    Die Slavistik als wissenschaftliche Disziplin bietet eine unglaubliche Vielfalt. Sie beschäftigt sich mit mehr als nur Sprachunterricht. Es geht um Literatur und Film, Kultur und Menschen – von Prag bis nach Vladivostok, von Murmansk bis Sofia. Diese Vielfalt reizt auch Gesine Drews-Sylla an dem Fach. Sie hat zum Sommersemester 2021 an die Würzburger Slavistik gewechselt und den Lehrstuhl für Literatur und Kultur Russlands an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg übernommen.

    Ihre Jugend verbrachte Drews-Sylla in der Oberpfalz, nahe der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei. „Damals war dort die Welt zu Ende“, erzählt sie. Dies änderte sich schlagartig mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, plötzlich öffnete sich für Drews-Sylla eine neue Welt. Dies faszinierte sie so sehr, dass sie sich nach dem Abitur für ein Studium der Slavistik einschrieb.

    Drews-Sylla ist klassische Russistin. Russisch hat sie an den Universitäten Regensburg und Konstanz gelernt, ihre ersten Forschungsaufenthalte führten sie nach Moskau und St. Petersburg. Das passt zum Profil des Forschungs- und Lehrbereichs der JMU, der sich stark auf Russland konzentriert. Doch Russland ist nicht ihre einzige Leidenschaft.

    Literatur, Film und Performancekunst

    „Die Slavistik besteht nicht nur aus der Literatur und Kultur Russlands, auch wenn mein Fokus in Würzburg natürlich auf der Russistik liegen wird. Ich beschäftige mich aber auch intensiv mit der Bohemistik“, so Drews-Sylla. Neben slavischen Sprachen konzentriert sie sich vor allem auf Realismen, Rassismen und Theorien des Literatur- und Kulturkontakts. Eines ihrer Projekte beschäftigte sich zum Beispiel mit der Repräsentation und kulturellen Partizipation der Roma in der Tschechoslowakei beziehungsweise der Tschechischen Republik.

    Auch die Nähe der früheren Sowjetunion zum Globalen Süden spielt in Drews-Syllas Forschung eine große Rolle. Entsprechend beschäftigt sie sich auch mit postkolonialen Studien im Zusammenhang mit Russland. Ihr Fokus liegt dabei stets auf die Epoche zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert, ihr medialer Schwerpunkt auf Literatur, Film und Performancekunst.

    Nach dem Studium in Regensburg und Konstanz und der Promotion in Tübingen („Der Körper im russischen (Post-)Konzeptualismus“) habilitierte Drews-Sylla in Tübingen mit der Schrift Zwischen Moskau und Dakar: Literarische, filmische und kulturelle Verflechtungen“. Forschungsaufenthalte führten sie nach Dakar (Senegal), Toronto (Kanada) und zuletzt als Feodor-Lynen-Stipendiatin nach Prag (Tschechien). 2007 erhielt sie den Promotionspreis der Neuphilologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 2012 wurde sie in das Akademie-Kolleg der Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen, 2019 in das Heisenberg-Programm der DFG.

    Ziele für die Slavistik in Würzburg

    In Würzburg will Drews-Sylla viele ihrer Projekte fortsetzen, zum Beispiel ihre Forschung über die Situation von Roma in postkommunistischen Staaten und insbesondere die kulturellen Verflechtungen Russlands mit dem Globalen Süden. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung an der JMU soll der sowjetische Film werden. Dabei soll der russozentrische Film beleuchtet werden, ebenso wie die Filmproduktion in den weiteren Sowjetrepubliken. Drews-Sylla: „Mir ist es wichtig, imperiale Strukturen nicht zu reproduzieren. Ich beziehe daher auch andere slavischsprachige Literaturen, die sowjetische und die imperiale Geschichte, die Diaspora ebenso mit ein wie die verschiedenen Ethnien und Kulturen im heutigen Russland.“

    Eine solide Sprachausbildung für Studierende wird mit Drews-Sylla und dem Slavistik-Team an der JMU auch weiterhin garantiert. Außerdem möchte sie als langfristiges Ziel neben Russisch auch weitere slavische Sprachkurse anbieten – zum Beispiel Polnisch, Tschechisch, Ukrainisch oder Belorussisch. Die Sprache wird aber nicht alles sein: „Mein Themenspektrum in der Lehre wird sehr kulturwissenschaftlich ausgerichtet sein“, so die Professorin. Und: „Ich begreife die Lehre als Kommunikation. Wenn unsere Studierenden also bestimmte Bedürfnisse haben oder neue Themen in den Seminaren ansprechen möchten, bin ich dafür immer offen.“

    Kontakt

    Prof. Dr. Gesine Drews-Sylla, Lehrstuhl für Literatur und Kultur Russlands, Universität Würzburg, T: +49 931 – 31 84585, gesine.drews-sylla@uni-wuerzburg.de

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