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    Repressive Heimerziehung in der DDR

    05.11.2019

    Im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau wurden Jugendliche der DDR „umerzogen“ und gebrochen. Eine Gruppe Studierender will mit einer Wanderausstellung und einem Konzert- und Dialogstück am 11. November darüber informieren.

    Die Studentinnen Sabrina Fischer, Franziska Haselböck, Charleen Höltermann, Ina Kerstein, Pia Rother, Laura Rupprecht, Anne Stolper und Pia Stroppel haben die Ausstellung organisiert.
    Die Studentinnen Sabrina Fischer, Franziska Haselböck, Charleen Höltermann, Ina Kerstein, Pia Rother, Laura Rupprecht, Anne Stolper und Pia Stroppel haben die Ausstellung organisiert. (Bild: Eva Wegmann / Universität Würzburg)

    Hohe Mauern, Wachtürme, vergitterte Fenster. So sah der geschlossene Jugendwerkhof Torgau in der Nähe von Leipzig aus. Das Erziehungskonzept erinnerte eher an ein Gefängnis als an eine pädagogische Institution. Aufgabe des Jugendwerkhofes war die „Umerziehung“ verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher zu „sozialistischen Persönlichkeiten“. Durch eiserne Disziplin und strenge Bestrafung sollte die Individualität der Jugendlichen gebrochen werden, um sie nach ihrem Aufenthalt nahtlos in das sozialistische System der DDR eingliedern zu können.

    Wie erschütternd die Umstände in Torgau und in anderen Spezialheimen der DDR waren, demonstriert eine neue Wanderausstellung, die ab sofort bis 22. November 2019 im Foyer des Uni-Gebäudes am Wittelsbacherplatz zu sehen ist. Die Ausstellung stammt von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, organisiert wurde sie von acht Studierenden der Sonderpädagogik an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg.

    Fünf Lebenswege von Betroffenen

    Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Geschichte der repressiven DDR-Heimerziehung. Neben Informationen zu den einzelnen Umerziehungseinrichtungen anhand von Fotos, Dokumenten und Begleittexten ermöglichen fünf Lebenswege ehemaliger Heimkinder einen persönlichen Zugang zum Thema.

    Am Montag, 11. November 2019, findet zusätzlich das Konzert- und Dialogstück „Abgestempelt – Impressionen einer Spurensuche“ um 20 Uhr im Foyer im Wittelsbacherplatz statt. Zeitzeugen und Jugendliche haben das Stück gemeinsam konzipiert, um Aufklärung und Erinnerung an die repressive DDR-Heimerziehung und die Schicksale der Betroffenen neu zu definieren. Entstanden ist ein Stück, das erstmals klassische Musik mit zeitgeschichtlicher Aufarbeitung verbindet. Der Eintritt zur Ausstellung und zum Konzert ist kostenlos.

    Sensibilisierung und Gedenken

    Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der friedlichen Revolution und der Auflösung des geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau im November 1989 ist es das Ziel der studentischen Gruppe, für die Thematik repressiver Heimerziehung zu sensibilisieren und der Opfer zu gedenken.

    Eine der beteiligten Studierenden ist Pia Rother. Im Rahmen eines Seminars im Bereich Erziehung bei Verhaltensstörungen fuhr sie nach Torgau. „Was wir dort zu sehen und zu hören bekamen, ließ uns nicht mehr los. Wir waren überrascht und schockiert darüber, dass wir noch nie etwas von Torgau oder repressiver Heimerziehung im Allgemeinen gehört hatten“, erklärt Rother.

    „Uns war klar, dass es nicht nur uns so ging, sondern dass die schlimmen Dinge, die dort passiert waren, in Vergessenheit gerieten und darüber nicht groß Aufklärung stattfand. Deshalb schlossen wir uns zu einer kleinen Gruppe zusammen und organisierten den Besuch der Wanderausstellung. Denn wir wollen anderen Studierenden und auch allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

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