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    Preis für Ludmilla Figueiredo

    03.12.2019

    Wenn Ökosysteme gestört werden, kann das ein Aussterben von Arten in Gang setzen. Für ihre Forschung auf diesem Gebiet erhält die Biologin Ludmilla Figueiredo einen Preis des Fachjournals Ecography.

    Ingolf Steffan-Dewenter, Juliano Sarmento Cabral, Ludmilla Figueiredo und Jochen Krauß (v.l).
    Ingolf Steffan-Dewenter, Juliano Sarmento Cabral, Ludmilla Figueiredo und Jochen Krauß (v.l). (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg)

    Kalkmagerrasen sind trockene, nährstoffarme Lebensräume, die in Unterfranken häufig vorkommen. Sie bieten Orchideen, Schlingnattern und seltenen Insekten eine Heimat. Sie sind, wie auch alle anderen Ökosysteme auf der Erde, ständig von Habitatverlust und Störungen bedroht – zum Beispiel vom Klimawandel.

    Solche Veränderungen können ein Artensterben auslösen. Manche Tiere, Pflanzen oder Pilze verschwinden gleich. Andere überleben zunächst, sterben dann aber im Lauf der Zeit aus. Die Wissenschaft spricht hier von einem verzögerten Aussterben. Das kann fünf Jahre dauern, aber auch mehrere hundert Jahre.

    Unter anderem darum ist das verzögerte Aussterben nicht einfach zu erforschen – bei Bestandserfassungen sieht der Mensch normalerweise nur eine Momentaufnahme. Die Störung, die für das Verschwinden einer Art verantwortlich ist, kann Jahrzehnte zurückliegen. Außerdem können mehrere Störungen zusammenspielen, und das langsame Verschwinden einer Art kann das verzögerte Aussterben weiterer Arten nach sich ziehen.

    150 Studien zum verzögerten Aussterben ausgewertet

    An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) arbeitet die Biologin Ludmilla Figueiredo in ihrer Doktorarbeit daran, die Mechanismen des verzögerten Artensterbens besser zu verstehen. Mit ihren JMU-Kollegen Juliano Sarmento Cabral, Jochen Krauß und Ingolf Steffan-Dewenter hat sie 150 Studien ausgewertet, die zu diesem Thema in den vergangenen zehn Jahren veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse wurden im Juli 2019 im Fachjournal Ecography publiziert.

    Für diesen Review-Artikel hat das Journal Ludmilla Figueiredo jetzt ausgezeichnet – mit dem ersten Platz im Rahmen des E4-Award (Ecography Award for Excellence in Ecology and Evolution). Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert. Er geht jedes Jahr an einen herausragenden Review-Artikel, dessen Hauptautor dem wissenschaftlichen Nachwuchs zuzurechnen ist. In einer Sonderausgabe des Journals wird der Artikel nun nochmals präsentiert, die Co-Autoren erhalten ein Zertifikat. Ecography erklärt den Inhalt des Artikels außerdem in einem Youtube-Video (in englischer Sprache).

    Youtube-Video über den preisgekrönten Review

    Computermodell für das verzögerte Aussterben

    In dem preisgekrönten Artikel ist das aktuelle Wissen über die Mechanismen des verzögerten Artensterbens zusammengefasst. Die Autoren haben zwei Themengebiete identifiziert, die bislang nicht sehr gut untersucht sind. Um genau diese beiden Gebiete will Ludmilla Figueiredo sich in ihrer Dissertation besonders intensiv kümmern. Die Arbeit läuft unter dem Dach des Center for Computational and Theoretical Biology (CCTB) in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie 3).

    Die Doktorandin erforscht zum einen das Auftreten von Aussterbe-Kaskaden im Rahmen des verzögerten Artensterbens. Ein Beispiel für solche Kaskaden: Verschwindet eine Pflanze, die bestimmten Insekten als Futterpflanze dient, werden auch die betroffenen Insektenarten leiden, zum Beispiel Schmetterlingsraupen oder Bienen. Und geht es diesen Insekten schlechter, wirkt sich das womöglich negativ auf andere Pflanzen aus, die diese Insekten als Bestäuber für ihre Fortpflanzung brauchen.

    Zum anderen fragt Figueiredo danach, welche Auswirkungen mehrfache Habitatstörungen auf das verzögerte Artensterben und auf die Fähigkeit des Ökosystems haben, sich zu erholen. Zur Beantwortung dieser Fragen erarbeitet sie ein Computermodell, mit dem sich verschiedene Störsituationen simulieren lassen. Ein Ziel ihrer Arbeit ist es auch, Gegenmaßnahmen vorzuschlagen, mit denen sich die Folgen der Störungen abmildern lassen.

    Der preisgekrönte Review-Artikel

    Understanding extinction debts: spatio-temporal scales, mechanisms and a roadmap for future research, Ecography, Juli 2091, https://doi.org/10.1111/ecog.04740

    Kontakt

    Ludmilla Figueiredo, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie & Center for Computational and Theoretical Biology CCTB der Universität Würzburg, T +49 931 31-89898 oder 31-86380, ludmilla.figueiredo@uni-wuerzburg.de

    https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/zoo3/team/figueiredo/

    https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/cctb/research/ecosystem-modeling/people/ludmilla-figueiredo/

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