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Mit dem Spitzenexamen in die Wissenschaft

28.05.2024

Stefan Thönißen hat seit dem Sommersemester 2024 die Professur für Privatrecht an der Universität Würzburg inne. Er erforscht, wie sich Vorgaben im Bereich Environment, Social und Governance auf Unternehmen auswirken.

Stefan Thönißen hat sein Staatsexamen mit der besten Note, die in Baden-Württemberg je vergeben wurde, abgelegt. Jetzt ist er Professor an der JMU.
Stefan Thönißen hat sein Staatsexamen mit der besten Note, die in Baden-Württemberg je vergeben wurde, abgelegt. Jetzt ist er Professor an der JMU. (Bild: Gunnar Bartsch / JMU)

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: So sperrig das Wort ist, so schwierig sind die Auswirkungen abzuschätzen, die dieses Gesetz aus dem Jahr 2021 auf die Wirtschaft, auf einzelne Unternehmen hat. „Es stellt sich die Frage, ob man damit die an und für sich sinnvollen Ziele – beispielsweise den Schutz von Arbeitnehmern oder der Umwelt – erreicht. Oder ob man damit am Ende nicht vielleicht die falschen Unternehmen abwickelt“, sagt Stefan Thönißen.

Der Jurist ist seit dem Sommersemester 2024 Inhaber der Professur für Privatrecht an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). In seiner Forschung beschäftigt er sich mit dem Zivilverfahrens- und Insolvenzrecht, insbesondere dem kollektiven Rechtsschutz und dem internationalen Verfahrensrecht sowie den Grundlagen des Bürgerlichen Rechts. Zudem forscht Thönißen zum Unternehmenshaftungs- und Versicherungsrecht.

Nachhaltigkeit im Privatrecht

„Die Welt von Environmental, Social und Governance (ESG) im spannenden Kontext von Sanierung und Insolvenzverwaltung“ – so die Beschreibung des Verlags – sind auch Thema eines Buchs, dessen Herausgeber Stefan Thönißen ist. Erscheinen wird das Werk im Oktober 2024. Auch darin dreht sich vieles um das Gebiet „Nachhaltigkeit im Privatrecht“.

Was Nachhaltigkeit mit Insolvenz zu tun hat? „Wenn Unternehmen bestimmte ESG-Kriterien nicht erfüllen, ist es gut möglich, dass Banken ihnen keine Kredite mehr geben. Im Extremfall muss solch ein Unternehmen Insolvenz anmelden“, erklärt Thönißen. Andere Firmen könnten sich gezwungen sehen, ihr Geschäftsmodell zu ändern, damit sie die Vorgaben des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes erfüllen – auch dies könne die Bilanz verhageln.

„Wir tragen zusammen, wo das Thema relevant wird, und untersuchen die rechtlichen Auswirkungen – gerne mit Rückkoppelung an die Politik“, beschreibt Thönißen den Inhalt dieses Werks. Schließlich müsse auch der Gesetzgeber ein Interesse daran haben, zu erfahren, ob er mit seinen Maßnahmen tatsächlich das gewünschte Ziel erreicht.

Bester Jurastudent Baden-Württembergs

Wer nach Stefan Thönißen googelt, wird schnell auf Schlagzeilen wie diese stoßen: „Der Landesprimus: Bester Jurastudent Baden-Württembergs“. Tatsächlich hat Thönißen nach seinem Jurastudium in Freiburg, das er in der Regelstudienzeit absolviert hatte, sein Staatsexamen mit 15,66 Punkten und damit der besten Note, die in Baden-Württemberg je vergeben wurde, abgelegt. Zu dem Zeitpunkt war er gerade einmal 21 Jahre alt, nachdem er am Gymnasium zwei Klassen übersprungen hatte.

Statt mit diesem Traumergebnis in eine renommierte Anwaltskanzlei zu wechseln und vermutlich viel Geld zu verdienen, entschied sich Stefan Thönißen anders: „Ich bin in die USA gegangen für ein LL.M.-Studium an der Yale Law School“, sagt er. Der Kontakt zu einer ganz anderen Rechtsordnung mit ganz anderen Fragen und Antworten habe sein bereits vorhandenes Interesse an der Wissenschaft so verstärkt, dass er im Anschluss an die Promotion zum Dr. jur. an der Universität Freiburg – 2017 war er damit fertig; das Thema lautet „Die Versicherung von Bonitätsrisiken“ – mit der Habilitation begonnen habe.

Im Februar 2021 folgte, ebenfalls in Freiburg, die Habilitation, in der sich Thönißen mit dem Thema „Subjektive Privatrechte und Normvollzug“ auseinandersetzte. Nach Lehrstuhlvertretungen in Konstanz und Frankfurt am Main folgte zum Sommersemester 2024 der Ruf an die JMU.

Begeisterung für die Lehre

Hier hat Thönißen eine sogenannte „Lehrprofessur“ inne, was bedeutet, dass er zwölf statt neun Stunden Vorlesungen und Seminare wöchentlich anbietet. „Ich mache das sehr gerne. Dann liegt in der Vorlesungszeit mein Fokus auf der Lehre und in der vorlesungsfreien Zeit kann ich mich auf meine Forschung konzentrieren“, sagt er. Nicht nur Jurastudierende stellen dabei seine Zuhörerschaft. In diesem Semester unterrichtet Thönißen auch Studierende der Wirtschaftswissenschaften im Privatrecht. Ein „spannender Perspektivwechsel“ sei diese Aufgabe, den Stoff für ein Publikum mit einem anderen Hintergrund aufzubereiten.

Über die Würzburger Studierenden äußert sich Thönißen überaus positiv. Bisher habe er sie als sehr interessiert und aktiv kennen gelernt. Hat er ein Rezept für sie, um ihr Examen, wenn auch nicht unbedingt mit 15 Punkten, so doch zumindest gut zu absolvieren? „Man muss konstant arbeiten. Nicht zu viel, nicht zu wenig und nicht nur auf die nächste Klausur“, lautet sein Ratschlag. Wenn dann noch Begeisterung für das Fach dazu kommt, sei man auf dem richtigen Weg.

Freiburg, Konstanz, Frankfurt und jetzt Würzburg: Wie hat Stefan Thönißen die JMU in seinen ersten Wochen hier kennen gelernt? „Hier herrscht ein sehr freundliches Klima, ich wurde überall herzlich willkommen geheißen“, sagt er. Als traditionsreiche Universität sei die JMU gut in der Gegenwart aufgestellt – wie auch die Juristische Fakultät. Der Austausch innerhalb der Fakultät sei sehr gut; schon jetzt sehe er viele Anknüpfungspunkte für seine Forschung.

Kontakt

Prof. Dr. Stefan Thönißen, Institut für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht, T: +49 931 31-89205, stefan.thoenissen@uni-wuerzburg.de

Von Gunnar Bartsch

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