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    Mehr als Röntgen: die Uni 1895 (Teil II)

    17.11.2020

    Geht es um die Uni Würzburg im Jahr 1895, geht es in der Regel um die Entdeckung der Röntgenstrahlen. Doch in diesem Jahr passierte an der Universität noch mehr – unter anderem blickt das Uniarchiv auf die Studierenden zurück.

    Wilhelm Conrad Röntgens Entdeckung prägte das Jahr 1895 an der Uni Würzburg.
    Wilhelm Conrad Röntgens Entdeckung prägte das Jahr 1895 an der Uni Würzburg. (Bild: Universitätsarchiv Würzburg / Deutsches Röntgenmuseum Remscheid)

    Im Jahr 2020 dreht sich an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) Vieles um Wilhelm Conrad Röntgen: Vor 125 Jahren entdeckte der Physikprofessor die Röntgenstrahlung und verdiente sich damit den ersten Nobelpreis.

    Das Universitätsarchiv nimmt das Röntgen-Jubiläum zum Anlass, um das Jahr 1895 einmal genauer zu betrachten. Es möchte einige Zeitgenossen Röntgens aus dessen Schatten holen und berichten, was an der JMU damals sonst so los war. Für einBLICK geht das Uniarchiv in einer Serie auf eine kleine Entdeckungsreise. Im zweiten Teil geht es um die Fakultäten der JMU und die Anzahl der Studierenden.

    Auf geht’s! Doch wohin in der großen weiten Welt?

    Wohin zum Studium? Diese Frage stellt sich nicht erst heute. Die JMU hat bekanntermaßen eine sehr lange Geschichte – immerhin finden sich seit 1402 junge Menschen in Würzburg ein, um sich hier zu qualifizieren und weiterzubilden. Doch von welchen Dimensionen reden wir hier zum Zeitpunkt von Röntgens Entdeckung vor 125 Jahren – 1.000 Studierende? Oder doch eher 5.000? Der Gedanke liegt nahe, immerhin ist die Röntgen-Zeit noch nicht so lange her, die Universität genoss schon damals einen exzellenten Ruf und die zwischen Weinbergen und Main eingebettete Stadt erfreute sich durch ihre geografische Lage großer Beliebtheit.

    Das Universitätsarchiv hat sich auf Zahlensuche begeben und festgestellt: die Verhältnisse Ende des 19. Jahrhunderts sahen doch etwas anders aus als heute. Heute glänzt die Universität mit fast 29.000 Studierenden aus allen Nationen der Welt, hunderte Fachkombinationen an zehn Fakultäten sind möglich, und über die Hälfte der Studierenden ist weiblich. Zu Röntgens Zeit hingegen, als es noch undenkbar schien Frauen den Eintritt in die „heiligen Hallen“ der Alma Mater zu gewähren, konnte man ruhigen Gewissens noch von Studenten reden und damit – beispielsweise im Sommersemester 1895 – die 1.342 jungen Männer meinen, die sich zu Studienzwecken in Würzburg aufhielten.

    Sie genossen im heutigen Vergleich schon fast exklusive (natürlich zu bezahlende) Vorlesungen und Seminare in kleinem Kreis bei insgesamt 39 Professoren, das übrige Lehrpersonal nicht mit eingerechnet. Das würde bedeuten, im Schnitt hatte ein Professor etwa 34 Studenten zu betreuen – eine Rechnung die natürlich nicht aufgeht, da die Studenten sich sehr unterschiedlich auf die einzelnen Fächer verteilten, die aber trotzdem vor Augen führt, wie eng Lehrende und Studierende zusammenarbeiten konnten.

    Philosophie oder Medizin?                    

    Nicht nur die absoluten Zahlen verdeutlichen, dass ein Ausbau der Universität und ihrer Möglichkeiten kontinuierlich notwendig war. Auch die heutige Gewichtung der Fachrichtungen zeigt einen Wandel in den Bedürfnissen von Gesellschaft und Forschung und spiegelt gut die Entwicklung des Studiums von einer höheren, oftmals geisteswissenschaftlich-philosophisch orientierten Bildung hin zu naturwissenschaftlicher Spitzenforschung, losgelöst von philosophischen Fragen.

    Zu Röntgens Zeit gab es an der JMU nur vier Fakultäten: Theologie, Philosophie, Jura und Medizin. Der Anteil der Medizinstudenten machte dabei den weitaus größten Teil aus –  auch an Röntgens Vorlesungen nahmen hauptsächlich werdende Ärzte teil, wenngleich er selbst Mitglied der Philosophischen Fakultät war. Diese war damals nämlich in zwei Sektionen unterteilt, die philologisch-historische und die naturwissenschaftlich-mathematische Sektion.

    Das Fach Physik, aber auch Mathematik und Chemie waren also dort zu finden. Denn die Welt sollte nicht nur naturwissenschaftlich beschrieben werden, eine philosophische Reflektion der Forschungstätigkeit und deren Erkenntnisse erschien ebenso wichtig. Der experimentelle Denkansatz der Naturwissenschaften begann sich damals erst langsam durchzusetzen.

    Erst 1937 verselbstständigte sich die mathematisch-naturwissenschaftliche Sektion zu einer eigenen fünften Fakultät. Für die Mathematiker war das ein schwerer Schritt. Sie empfanden das Ausscheiden aus der Philosophischen Fakultät als Herabstufung. Doch der Zeitgeist änderte sich und im Laufe der Zeit entstanden dann immer mehr naturwissenschaftliche Fakultäten. Trotzdem ist heute fast die Hälfte aller Studierenden in der Humanwissenschaftlichen und der Philosophischen Fakultät an der JMU eingeschrieben.

    Aus aller Welt

    Doch nicht nur die fachliche Zusammensetzung der Universität bringt spannende Erkenntnisse, auch die Herkunftsländer ihrer Studierenden sorgt für Überraschung. Im vergangenen Wintersemester hatten sich 2600 ausländische Studierende aus der ganzen Welt an der JMU eingeschrieben. Dies entspricht einem Anteil von etwa neun Prozent in Bezug auf die Gesamtzahl der Studierenden.

    Obwohl 1895, gerade einmal zehn Jahre nach Erfindung des Automobils, die Reisemöglichkeiten ganz andere als heute waren, kamen auch damals schon knapp fünf Prozent der Studenten nicht aus Deutschland. Nicht nur aus dem damaligen Nachbarland Russland (mit einem Anteil von etwa 22 Prozent der größte Anteil der ausländischen Studenten), sondern auch aus der Schweiz kam eine beträchtliche Anzahl junger Menschen nach Würzburg. Auch Studenten heutiger europäischer Länder wie Österreich, Luxemburg, Frankreich, Italien und Dänemark wählten die JMU als Studienort. Selbst aus Nordamerika, Afrika und Japan kamen einige Studenten.

    Würde man im Vergleich dazu die heutige Zahl der ausländischen Studierenden in einer farbigen Grafik darstellen wollen, so müsste man das Farbspektrum wohl deutlich erweitern - dank der internationalen Austauschprogramme sind in der Wahl des Studienortes heute kaum noch Grenzen gesetzt.

    Von Universitätsarchiv

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