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    Medizin: Mehr Studienplätze sind keine Lösung

    24.01.2023

    Zur Bekämpfung des Ärztemangels wird aktuell eine Erhöhung der Studienplatzzahlen in der Medizin gefordert. Der Medizinische Fakultätentag mit seinem Präsidenten Matthias Frosch sieht das kritisch.

    Der Würzburger Professor Matthias Frosch ist seit Juli 2019 Präsident des Medizinischen Fakultätentages.
    Der Würzburger Professor Matthias Frosch ist seit Juli 2019 Präsident des Medizinischen Fakultätentages. (Bild: Medizinischer Fakultätentag / Regina Sablotny)

    „Die derzeitige Diskussion um eine deutliche Erhöhung der Studienplatzzahlen in der Medizin lenkt von den eigentlichen Herausforderungen ab, vor denen das Gesundheitssystem der Zukunft steht“, sagt Professor Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT) und hauptamtlicher Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg.

    Im internationalen Vergleich habe Deutschland weder zu wenige Ärztinnen und Ärzte noch zu wenige Studienplätze. „Wir müssen allerdings noch besser darin werden, unsere vielen und gut qualifizierten Medizinerinnen und Mediziner dort einzusetzen, wo wir sie als Gesellschaft wirklich brauchen und wofür sie eigentlich ausgebildet wurden – nämlich in der Versorgung von Patientinnen und Patienten“, so Professor Frosch.

    Reform des Medizinstudiums ist wichtiger

    Der MFT hält die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und verschiedenen Interessenverbänden geforderte Aufstockung der Medizinstudienplätze derzeit für nicht erforderlich.

    Um die Gesundheitsversorgung in Deutschland auf hohem Niveau aufrecht zu erhalten, sei eine Reformierung des Medizinstudiums wichtiger. So müssten künftige Ärztinnen und Ärzte auf eine alternde Gesellschaft, eine digitalisierte und vernetzte Medizin und die Arbeit in multiprofessionellen Teams vorbereitet werden.

    „Wir müssen auf Qualität statt auf Quantität setzen“, so Matthias Frosch. „Allein die anstehende Reform des Medizinstudiums bedeutet erheblichen zusätzlichen personellen und finanziellen Aufwand. Parallel dazu noch ein deutliches Mehr an Medizinstudierenden auszubilden, ist vollkommen unrealistisch. Ist eine ausreichende Finanzierung nicht gegeben, würde das Medizinstudium in Deutschland bei einer unkoordinierten Steigerung der Studierendenzahlen massive Qualitätseinbußen erleiden.“

    Wichtig ist laut MFT vielmehr, die Kapazitäten des Gesundheitssystems effizienter zu nutzen. Aktuell sind Ärztinnen und Ärzte in Deutschland fachlich und geografisch ungleich verteilt. Unter-, Über- und Fehlversorgungen sollte durch eine gezielte Steuerung der Ressourcen entgegengewirkt werden. Die von der Regierungskommission vorgeschlagene Reform der Krankenhausfinanzierung sei dazu ein wichtiger Schritt, der konsequent und handwerklich gut gemacht werden müsse.

    Zahlen rund ums Medizinstudium

    Derzeit beginnen in Deutschland jährlich knapp 12.000 Studierende ein Studium der Humanmedizin an einer staatlich anerkannten Medizinischen Fakultät. Laut Statistischem Bundesamt kostet ein Studienplatz im Durchschnitt 240.000 Euro (Stand 2019).

    Aktuell sind im Fachbereich Medizin an deutschen Hochschulen in allen Fachsemestern zusammen insgesamt über 105.000 Studierende eingeschrieben. So viele Medizinstudierende gab es in Deutschland bislang noch nie. Eine Aufstockung um 5.000 neue Studienplätze jährlich würde einem Plus von 40 Prozent entsprechen.

    Quelle: Pressemitteilung des Medizinischen Fakultätentages vom 18. Januar 2023

    Kontakt

    MFT Medizinischer Fakultätentag e.V., Dr. Christiane Weidenfeld, Leiterin der Kommunikation, weidenfeld@mft-online.de

    Von Christiane Weidenfeld

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