Ein Fenster in die Vergangenheit des Omans
14.07.2026Stephanie Döpper ist Expertin für Vorderasiatische Archäologie an der Universität Würzburg. Bei einer Exkursion in den Oman stolperte sie über ein 4000 Jahre altes Objekt.
Manchmal gehört auch Glück dazu. Stephanie Döpper ist Juniorprofessorin für Digital Humanities für Vorderasiatische Archäologie und Altorientalistik an der Uni Würzburg. Was bedeutet, dass sie zum Beispiel Satellitenbilder vom Oman auswertet auf der Suche nach bislang unbekannten archäologischen Strukturen. Bei einer dieser Auswertungen hatten sie und ihr Team in einer Region Gräber vermutet und waren deshalb vor Ort gereist, um die Gegend genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Verdacht sollte sich bestätigen: „In der Region befinden sich rund 4000 Gräber“, so die Professorin.
Womit die Wissenschaftlerin nicht gerechnet hatte: Aus dem Boden mitten in der Steppe ragte eine Grabbeigabe – eine etwa 15 Zentimeter breite Schale aus Speckstein. Gut 4000 Jahre alt ist die Schale vermutlich. „Die Gräber stammen aus der Mittelbronzezeit, also aus der Zeit zwischen 2000 und 1600 v. Chr.“, erklärt Döpper.
Wer dort begraben liegt, ist unklar. Da es von ihr keine Schriftzeugnisse gibt, sind Name und Sprache dieser Kultur ein Rätsel. Umso mehr verraten die Grabbeigaben über das Leben der Menschen. „Die Gegenstände besitzen einen starken Bezug zum Alltag, was auf eine lebensnahe Vorstellung vom Jenseits hindeutet“, sagt Döpper. Da Gefäße aus Speckstein zur Aufbewahrung wertvoller Dinge dienten, heben sie sich von den sonst üblichen Funden aus Ton ab.
Ausgrabungen in dem Gräberfeld, um vielleicht doch mehr über das rätselhafte Volk zu erfahren, hatte Stephanie Döpper nicht geplant. Bei der Schale machte sie eine Ausnahme. Damit diese nicht in falsche Hände gerät, packte das Team sie ein und übergab sie den omanischen Behörden.
Stephanie Döppers Ziel ist es, archäologische Strukturen des Oman in Karten zu erfassen. So lassen sich gesellschaftliche Entwicklungen über Jahrtausende hinweg nachvollziehen. Diese Arbeit hat zudem einen praktischen Nutzen: Die erstellten Verzeichnisse zeigen den omanischen Behörden genau, wo historisch bedeutsame Stätten liegen. Stephanie Döpper hofft, dass sie dadurch davon verschont bleiben, eines Tages unter einem Neubaugebiet zu verschwinden. Vielleicht kommt ja doch eines Tages ein Forschungsteam vorbei, das Zeit und Geld hat, um die 4000 Gräber genauer zu untersuchen.
Weitere besondere Bilder und Geschichten finden Sie hier. Sie haben auch ein starkes Foto aus Labor, Feldforschung oder Archiv, das Sie der Öffentlichkeit präsentieren wollen? Melden Sie sich in der Pressestelle. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

