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  • Drei Studierende tragen T-Shirts mit einem Aufdruck der Universität Würzburg.

Familienstudie untersucht Gesundheit von Eltern und pflegenden Angehörigen

15.09.2026

Wie wirken sich Pflegeverantwortung und Kindererziehung langfristig auf die Gesundheit aus? Eine Würzburg-Bischofswiesener Studie begleitet Betroffene über zwei Jahre.

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Beim Start der Familienstudie in Bischofswiesen (von links): Tim Wanders, Bereichsleiter Kinder, Jugend und Vorsorgeklinik im Augustinum, Professor Thomas Keil, Universität Würzburg / Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Dr. Farina Römer, Ärztliche Leiterin der Augustinum Vorsorgeklinik, und Kurleiterin Petra Ostertag. (Bild: Doris Angerer / Augustinum Bischofswiesen)

Eltern, die minderjährige Kinder erziehen, und Angehörige, die pflegebedürftige Menschen betreuen, sind im Alltag vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Wie Stress, Angststörungen und depressiven Symptomen entgegengewirkt werden kann, untersucht jetzt in der Vorsorgeklinik des Augustinum Berchtesgadener Land in Bischofswiesen eine zweijährige Langzeitstudie. Durchgeführt wird sie von Professor Thomas Keil, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg und Institut für Evidenzbasierte Kurortmedizin und Gesundheitsförderung (Bad Kissingen) des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Für die Versorgung hochaltriger Menschen mit körperlichen, kognitiven oder anderen Einschränkungen sind Angehörige und andere Personen aus dem sozialen Umfeld eine zentrale Ressource. Ohne Bezahlung leisten sie Hilfe im täglichen Leben. Europaweit sind Schätzungen zufolge etwa 20 Prozent der Menschen ab 50 Jahren als sogenannte informelle Pflegende tätig. In Deutschland wird mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen ausschließlich von Angehörigen gepflegt, die oft selbst erwerbstätig sind – mehrheitlich von Frauen.

Mehrfachbelastung gefährdet die Gesundheit

Die Mehrfachbelastung führt häufig dazu, dass eigene Bedürfnisse weniger berücksichtigt werden. Dies kann zu einer Verschlechterung des physischen und psychischen Gesundheitszustandes führen. Unter Eltern minderjähriger Kinder fühlen sich in Deutschland 70 Prozent erschöpft oder ausgebrannt, berichtet das Müttergenesungswerk – ein Anstieg von 15 Prozentpunkten seit 2019. Depressive Symptome bei Eltern haben sich in fünf Jahren von 22 auf 40 Prozent fast verdoppelt.

Dennoch fehlen in Deutschland Langzeitstudien zur gesundheitlichen Entwicklung der Betroffenen. Studien aus den USA und aus dem europäischen Ausland weisen auf eine schlechtere mentale und körperliche Gesundheit hin. Insbesondere leiden pflegende Angehörige häufiger als Gleichaltrige ohne pflegerische Verantwortung unter verminderter Lebensqualität, schweren Stress- und Angststörungen, Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes, Wirbelsäulen- und anderen chronischen Schmerzen.

Zum Nutzen ambulanter Interventionen gibt es in Deutschland einige vergleichende Studien. Hier zeigten verhaltenstherapeutische Maßnahmen zwar einzelne positive Effekte, konnten aber insgesamt keine ausreichend starke und nachhaltige Wirkung entfalten.

Familienstudie soll Forschungslücke schließen

Die mangelhafte Studienlage für Deutschland hat zu der Idee einer Evaluationsstudie mit langfristiger Nachbeobachtung geführt. Im Juli 2026 ist die Studie in einem Kooperationsprojekt mit der Vorsorgeklinik des Augustinum Berchtesgadener Land in Bischofswiesen gestartet. Das Augustinum Berchtesgadener Land ist Teil der Münchner Augustinum Gruppe, die als diakonisches Sozialunternehmen bundesweit 25 Seniorenresidenzen, zahlreiche stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen, Schulen und Internate sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderung betreibt.

Ein idealer Rahmen für die „Familienstudie Bischofswiesen“: Das Augustinum Berchtesgadener Land ist seit vielen Jahren auf die Behandlung und Unterstützung von Zielgruppen über die gesamte Lebensspanne vom Kleinkind- bis zum Seniorenalter spezialisiert. Und die Vorsorgeklinik verfügt mit einer ganzjährig angebotenen dreiwöchigen stationären Kur nach § 23 bzw. § 24 SGB V über jahrelange Expertise in der Gesundheitsförderung für Eltern kleiner Kinder und pflegender Angehöriger.

Die Kur beinhaltet Sport- und Bewegungstherapie sowie psychosoziale Angebote, etwa Entspannungsmethoden und Achtsamkeitsschulungen. Die Patientinnen und Patienten werden therapeutisch, ärztlich und pädagogisch unterstützt, um eigene Ressourcen zu stärken, Kraft zu tanken und gegebenenfalls Umstrukturierungen im eigenen Alltag vornehmen zu können.

Langzeitvergleich von Stress und psychischen Beeinträchtigungen

Die Studie befragt nun Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn und am Ende der Kur sowie jeweils 12 und 24 Monate nach der Kur. Im Langzeitverlauf werden dabei Veränderungen des Wohlbefindens und der Belastungen im Alltag sowie die mögliche Entwicklung von Angststörungen und depressiven Symptomen untersucht.

Ziel der Familienstudie ist es, die gesundheitliche Situation der Betroffenen zu erfassen und den Zusammenhang mit möglichen Einflussfaktoren zu bestimmen, wie Alter des Kindes, Familiengröße oder Grundkrankheiten wie Demenz und Schlaganfall der Pflegebedürftigen. Mit ihrer Teilnahme tragen Eltern minderjähriger Kinder und pflegende Angehörige zur Weiterentwicklung von stationären Vorsorgeangeboten wie im Augustinum, aber auch von ambulanten Maßnahmen im Anschluss an einen Kuraufenthalt bei.

Zwei weitere Studien in Bayern geplant

Geleitet wird die Studie durch die Forschungsgruppe Pflegende Angehörige, eine Kooperation der Universität Würzburg und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Ärztliche Leitung der Augustinum Vorsorgeklinik koordiniert das Projekt vor Ort.

Die Forschungsgruppe Pflegende Angehörige ist bundesweit an Kooperationsprojekten beteiligt und startet in den nächsten Monaten zwei weitere Evaluationsstudien in Bayern, um über eine langfristige Datenerhebung die gesundheitliche Entwicklung Pflegebedürftiger und pflegender Angehöriger zu untersuchen.

Von epd sozial

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