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Für eine kompetenzorientierte Auswahl werdender Hebammen

01.09.2026

Mira Pflanz hat die erste Promotion in Gesundheitswissenschaften an der Universitätsmedizin Würzburg absolviert. Die Forscherin untersucht, wie ein Auswahlverfahren für das duale Studium Hebammenwissenschaft aussehen könnte.

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Erste Promotionsabsolventin in den Gesundheitswissenschaften: Mira Pflanz arbeitet an der Uni Würzburg für den Studiengang Hebammenwissenschaft. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)

Der Unterschied zwischen einem Doktortitel medicinae (med.) und einem Dr. rerum medicarum (rer. medic.) mag auf den ersten Blick nicht ersichtlich sein. Er ist aber entscheidend: Ersteren Titel erhalten nach erfolgreicher Promotion Absolventinnen und Absolventen der Humanmedizin. Letzterer wird in medizinnahen Fächern wie beispielsweise in den Pflegewissenschaften oder in der Medizinpädagogik verliehen.

Die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat im Juli 2026 ihren ersten Dr. rer. medic. vergeben. Erhalten hat diesen die Hebamme und Berufspädagogin Mira Pflanz. Ihre Promotion schloss sie ab bei Professorin Sarah König am JMU-Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung. Pflanz selbst arbeitet am Institut für Hebammenwissenschaft im dazugehörigen Bachelorstudiengang, der seit dem Wintersemester 2022/2023 läuft und den sie mit aufgebaut hat.

Hebammen brauchen kommunikative und soziale Kompetenzen

Forschung und Lehre sind bei Mira Pflanz eng verzahnt: In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der Frage, wie man Studierende im Bewerbungsprozess für den dualen Studiengang Hebammenwissenschaft möglichst gut aussucht. „Der klassische Weg, nur aufgrund der Abiturnoten zu entscheiden, wer einen Studienplatz erhält, greift eher kurz. Denn die Studierenden sind sowohl an der Uni als auch bei einem Arbeitgeber tätig“, so die Forscherin. Wichtig seien neben kognitiven Fähigkeiten auch vor allem das Kommunikations- und Sozialverhalten, da Hebammen Schwangere und deren Familien vor, während und nach einer Geburt begleiten.

Wer ist also für diese Tätigkeit geeignet? Um das beantworten zu können, evaluierte Pflanz ein Konzept, das aus Kanada stammt: das Multiple Mini-Interview (MMI). Die Idee dahinter ist, dass Bewerbende an mehreren Interviews teilnehmen, die jeweils fünf Minuten dauern. An jeder Station gibt es eine neue Aufgabe; gegenüber sitzt jedes Mal eine andere Person – eine Hebamme, eine Ärztin, ein Arzt oder eine Person aus der Forschung.

„Für dieses ‚Speeddating‘ haben wir standardisierte und an Kompetenzprofilen ausgerichtete Kriterien festgelegt, um einen ausgewogenen Vergleich zu ermöglichen. An den Stationen wird getestet: Ist die Person empathisch, motiviert? Ist sie reflexions- und konfliktfähig?“, nennt Pflanz einige Beispiele. Bei zwei Interviewstationen müssen die Bewerbenden mehr als nur Fragen beantworten. Dort können sie beispielsweise in simulierten Situationen zeigen, wie sie auf eine Person oder eine Anforderung reagieren.

Kompetente Hebammen ausbilden

Als Testpersonen für ihre Studie dienten Mira Pflanz die ersten Bewerberinnen für den Studiengang. Das Ergebnis: „Das Verfahren war gut machbar und psychometrisch verlässlich. Teilnehmerinnen empfanden es als fair, und es fand viel Akzeptanz“, so Pflanz. Sie betont aber, dass die Gruppe damals sehr homogen gewesen sei. Künftige Untersuchungen bräuchten also diversere Gruppen, um mehr Aussagekraft zu ermöglichen.

Die MMI weiterentwickeln: Daran arbeitet Mira Pflanz aktuell in Forschung und Lehre. „Am Ende der Interviews erhält jede Bewerberin einen MMI-Score, der Grundlage für die Zulassung ist. Womit wir uns nun beschäftigen, ist die Frage, ob und inwiefern diese Punktzahl Vorhersagen ermöglicht, wie erfolgreich das Studium, die praktische Ausbildung und möglicherweise sogar der weitere Berufsweg verlaufen.“

Dass MMI kein Allheilmittel für den Bewerbungsprozess darstellen, ist der Wissenschaftlerin bewusst. „Aber sie sind definitiv eine gute Ergänzung zum Notendurchschnitt. Schließlich profitieren am meisten die Familien davon, wenn die Hebamme sowohl persönlich als auch akademisch geeignet ist.“

Mira Pflanz‘ Lebenslauf

Geboren und aufgewachsen in Göttingen, absolvierte Mira Pflanz 1999 das Examen zur Hebamme. Dann arbeitete sie in einer hessischen Klinik und anschließend freiberuflich in einem Geburtshaus. Schon damals engagierte sich Pflanz nebenbei in der Lehre und bildete unter anderem Pflege- und Rettungskräfte aus.

Von 2006 bis 2011 studierte sie Berufspädagogik für Gesundheitsberufe in Fulda und Kassel. An der Hochschule Fulda baute Mira Pflanz einen Modellstudiengang in Hebammenkunde mit auf – damals einer von dreien in Deutschland.

2015 folgte ein dreijähriger Aufenthalt in Großbritannien. Dort arbeitete Mira Pflanz für das staatliche Gesundheitssystem, den National Health Service. 2018 kehrte sie nach Deutschland zurück, war aber für die englische Universität Southampton tätig. Seit 2022 arbeitet die Wissenschaftlerin in Würzburg für den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft an der JMU.

Kontakt

Dr. Mira Pflanz, Institut für Hebammenwissenschaft, T +49 931 201-55234, Pflanz_M@ukw.de

Von Martin Brandstätter

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