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    Erika Simon verstorben

    26.02.2019 | PERSONALIE
    Erika Simon, hier im Jahr 1990 bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den damaligen bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair.
    Erika Simon, hier im Jahr 1990 bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den damaligen bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair. (Bild: Hans Süss / Universität Würzburg)

    Professor Erika Simon hatte von 1964 bis 1994 den Lehrstuhl für Klassische Archäologin an der Universität Würzburg inne. Am 15. Februar 2019 ist sie im Alter von 91 Jahren verstorben.

    Erika Simon hat als erste Frau auf einem Lehrstuhl für Klassische Archäologie in Deutschland dem Würzburger Standort des Faches über dreißig Jahre hinweg (1964–1994) ihr Gesicht verliehen und durch ihr reiches Schrifttum – nicht nur zu genuin archäologischen, sondern auch zu kunsthistorischen Themen – sowie ihre weite Ausstrahlung als akademische Lehrerin zu internationalem Ansehen verholfen.

    Das gilt nicht unvermindert auch für die Antikensammlung des Martin von Wagner Museums, deren Artefakte sie durch bedeutende Monographien und zahllose Einzelschriften weltweit bekannt gemacht hat, auch und gerade über Fachkreise hinaus. Bis heute ist der 1975 von ihr herausgegebene "Führer durch die Antikenabteilung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg" ein unerlässliches Arbeitsinstrument.

    Durch ihr großes Verhandlungsgeschick hat sie es verstanden, die Bestände der Antikensammlung deutlich zu mehren. Zahlreiche einzigartige Erwerbungen verdanken sich ihrer Ägide, darunter am prominentesten der Marmoraltar mit Personifikationen der vier Jahreszeiten aus den Gärten des Sallust in Rom. Aber auch viele Schenkungen und Dauerleihgaben sind das Resultat ihrer enormen Kennerschaft, insbesondere auf dem Gebiet der griechischen Vasen, die den Schwerpunkt der Sammlung bilden.

    Nicht zuletzt sind es aber ihre Begeisterung für die antike Kunst und ihre Vertrauen bildende Offenheit im persönlichen Umgang gewesen, die das Museum zu einem festen Bindeglied in einem Netzwerk von Sammlern und Experten werden ließen, das von den USA bis nach Japan und Australien reicht.

    Erika Simons Lebenslauf

    Erika Simon wurde am 27.06.1927 in Rheingönheim/Ludwigshafen geboren, 1947 legte sie das Abitur am humanistischen Gymnasium in Aschaffenburg ab. Von 1947 bis 1952 studierte sie Klassische Archäologie, Klassische Philologie und Germanistik an den Universitäten Heidelberg und München, 1951/1952 legte sie das 1. und 2. Staatsexamen für das Lehramt ab.

    1952 wurde Simon in Klassischer Archäologie an der Universität Heidelberg bei Reinhard Herbig promoviert, von 1953 bis 1958 war sie Wissenschaftliche Assistentin am Archäologischen Institut der Universität Mainz. Ebenfalls in Mainz habilitierte sie sich im Wintersemester 1956/1957 im Fach „Klassische Archäologie“ mit einer Arbeit über „Die Portlandvase“. Von 1959 bis 1963 war sie außerplanmäßige Professorin an der Universität Heidelberg, 1963 nahm sie den Ruf auf den Lehrstuhl für Klassische Archäologie an der Universität Würzburg an. Hier war sie gleichzeitig Direktorin der Antikenabteilung des Martin von Wagner Museums und Forschungsstellenleiterin des Bildlexikons der klassischen Mythologie (LIMC).

    Nach ihrer Emeritierung im Jahr 1994 hatte Simon mehrere Gastprofessuren inne, unter anderem im Aberdeen, Durban, Wien, Australien, Tallahassee, Austin/Texas und Baltimore.

    Preise und Auszeichnungen

    Zu den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen, die Erika Simon im Laufe ihres Lebens erhielt, gehören unter anderem die Ehrendoktorwürde der Universitäten Thessaloniki und Athen, das Goldene Athos-Kreuz des Markus-Ordens des Patriarchats von Alexandrien, das Bundesverdienstkreuz, die Medaille Pro Meritis des Bayerischen Kultusministeriums und der Bayerische Verdienstorden.

    Begründerin großer internationaler Projekte

    Erika Simon habe schon früh die hohe Bedeutung von Religion und Mythos für die antiken Kulturen erkannt, die heute im Mittelpunkt kulturgeschichtlicher Fragestellungen stehen, schreibt der emeritierte Professor der klassischen Archäologie an der Universität Heidelberg, Tonio Hölscher, in einem Nachruf. Ihr Ziel sei es gewesen, die bisher einseitig auf Schriftquellen begründete Forschung um die konkreten und anschaulichen Zeugnisse der Bildwerke und der ergrabenen Heiligtümer zu erweitern.

    Zudem sei Simon eine der wichtigsten Begründerinnen der großen internationalen Projekte „Ikonographisches Lexikon der klassischen Mythologie“ und „Thesaurus der antiken Kulte und Riten“ gewesen. Ihre Bücher über „Die Götter der Griechen“ und „Die Götter der Römer“ hätten antike Religion für ein weites Publikum in großer Lebendigkeit erschlossen; ihr zusammen mit Roland Hampe verfasstes Buch „Tausend Jahre griechische Kunst 1600 bis 600 vor Christus“ schlage eine kühne Brücke  von der bronzezeitlichen Palastkultur Mykenes über die „Dunklen Jahrhunderte“ zu der Welt der archaischen Stadtkulturen.

    Erika Simon habe „mit ungewöhnlicher Offenheit die antiken Kulturen in einem weiten geschichtlichen Horizont“ gesehen, so Tonio Hölscher.