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    Ergebnisse aus STAAB-COVID

    22.12.2020

    Mit dem STAAB-COVID-Programm starteten Uniklinikum und Uni Würzburg Untersuchungen, mit denen die tatsächliche Verbreitung und Verteilung des Coronavirus in der Region geprüft werden soll. Jetzt liegen die ersten Auswertungen vor.

    Die populationsbasierte STAAB-Kohortenstudie untersucht seit dem Jahr 2013 Einflussfaktoren auf Vorstadien der Herzinsuffizienz in der Würzburger Bevölkerung. Im Juni 2020 wurde ergänzend das STAAB-COVID-Programm ins Leben gerufen, das an diesen Probanden durch wiederholte Messungen die Entwicklung der Covid-19-Pandemie in Würzburg und Umgebung über etwa zwei Jahre hinweg beobachten will. Hinter dem Vorhaben stehen das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) sowie das Uniklinikum und die Universität Würzburg. Die Leitung des Programms liegt in den Händen von Professor Peter Heuschmann vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Uni Würzburg und von Professor Stefan Störk vom DZHI.

    Alle Teilnehmenden der STAAB-Kohortenstudie wurden eingeladen, eine Blutprobe abzugeben und einen Fragebogen auszufüllen. Über den Fragebogen wurden unter anderem die aktuelle psychische Belastung der Probanden und die Auswirkung der Krise auf kardiovaskuläre Risikofaktoren erfasst. „Allen Probanden, die den Termin zur Blutabnahme wahrgenommen hatten, boten wir Anfang November 2020 zusätzlich die Teilnahme an einem eigenständig durchzuführenden Nasenabstrich an“, berichtet Störk. Die Blutproben wurden auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 untersucht, die Nasenabstriche auf das Vorliegen von SARS-CoV-2-Erbsubstanz. „Jetzt sind wir in der Lage, Zwischenergebnisse der ersten Erhebung des STAAB-COVID-Programms zu präsentieren, wobei die Endauswertungen derzeit noch laufen“, schildert Heuschmann.

    Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2

    Zwischen Juni und Mitte Oktober 2020 wurden von 3.001 Probanden Blutproben abgenommen; von über 96 Prozent der Teilnehmenden lagen zudem Fragebogendaten vor. Personen zwischen 50 und 59 Lebensjahren nahmen am häufigsten an der Befragung teil (30 Prozent aller Probanden).

    Bei 33 (1,1 Prozent) der untersuchten Blutproben ergab der angewandte Suchtest ein positives Ergebnis für das Vorliegen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2.Berücksichtigt man die Altersstruktur der Würzburger Bevölkerung im Vergleich zu derjenigen im STAAB-COVID-Programm, wo nur Personen zwischen 32 und 87 Jahren untersucht wurden, hätte man eine Positivrate von circa 1,3 Prozent zum Zeitpunkt der Blutentnahme erwartet. „Unser Ergebnis liegt demnach im unteren Bereich, verglichen mit anderen in Deutschland durchgeführten Seroprävalenzstudien“, erläutert Störk. Weitergehende Analysen weisen außerdem darauf hin, dass die Dunkelziffer – also die Zahl der unbekannten Infizierten im Verhältnis zur Zahl der bekannten Infizierten – in Würzburg im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland ebenfalls im unteren Bereich liegt.

    16 Prozent der Befragten gaben an, dass sie vor dem Zeitpunkt der Befragung bereits auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. Von diesen getesteten Probanden hatten rund 4 Prozent (19 Probanden) ein positives Testergebnis mitgeteilt bekommen. Davon hatten circa 60 Prozent (11 Probanden) nach eigenen Angaben Corona-spezifische Symptome.

    Nachweis von SARS-CoV-2 Antigen im Nasenabstrich

    Anfang November wurden an die Probanden insgesamt 2.953 Pakete für die Entnahme eines eigenständigen Nasenabstrichs verschickt. 83 Prozent der Adressaten führten den Abstrich erfolgreich durch, so dass diese Proben analysiert werden konnten. In den Analysen zum Stichtag, dem 18. November 2020 wurden sechs Proben (0,24 Prozent) als positiv auf eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 getestet. Die betroffenen Personen wurden durch das Gesundheitsamt umgehend informiert und angemessene Isolationsmaßnahmen wurden ausgesprochen. „Die akute Infektionsrate deckt sich somit mit dem Infektionsgeschehen in Würzburg zum entsprechenden Zeitpunkt, wenn man berücksichtigt, dass STAAB-COVID nur Personen in der Altersgruppe von 32 bis 87 Jahren untersuchte“, verdeutlicht Heuschmann. Jüngere Altersgruppen mit möglicherweise höheren Kontaktraten und Fallzahlen waren in dieser Stichprobe nicht enthalten.

    Auswertung der Befragung

    Bezogen auf kardiovaskuläre Risikofaktoren gaben 28 Prozent der Probanden an, ihr Ernährungsverhalten seit der Krise verändert zu haben; davon berichteten 44 Prozent, sich seit der Krise gesünder zu ernähren. Des Weiteren veränderte sich bei 39 Prozent der Probanden die sportliche Aktivität: Bei 35 Prozent dieser Personen hatte sich die sportliche Aktivität erhöht, bei 65 Prozent vermindert.

    „Bei der Interpretation dieser Zahlen ist zu beachten, dass die Daten im Zeitraum von Juni bis Oktober 2020 erhoben wurden, in dem keine flächendeckenden Beschränkungen im Sinne eines Lockdown vorlagen. Die Daten sind daher nur begrenzt auf die Infektionswelle im November 2020 übertragbar“, gibt Störk zu bedenken. Zudem handele es sich um freiwillige Studienteilnehmer, so dass eine Übertragbarkeit auf die Gesamtbevölkerung möglicherweise eingeschränkt sei. Regelmäßige Wiederholungen der Untersuchungen sind geplant.

    „Alle genannten Ergebnisse sind als vorläufig zu betrachten. Weitere vertiefte Analysen der Daten werden derzeit durchgeführt und im Anschluss in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021“, kündigt Heuschmann an.

    Für den Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, Professor Georg Ertl, war noch ein Ergebnis von besonderer – auch für die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektion – Bedeutung. Studienteilnehmer mit Scores für mehr Ängstlichkeit hatten, gemessen durch die Antikörperbildung, weniger SARS-CoV-2-Infektionen durchgemacht. „Also: Vorsicht lohnt sich in der Pandemie“, meint Ertl. Andererseits hatten diese Teilnehmer in der Pandemiezeit auch weniger Arztkontakte, was Ertl nochmal mit dem Aufruf verbindet: „Wer krank ist, soll zumindest Rat bei seinem Arzt suchen!“.

    Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler freut sich: „Unsere Universitätsklinika sind sowohl in der Versorgung als auch in der Forschung die Speerspitze im Kampf gegen Corona. Ihre medizinischen Studien sind unverzichtbar, um der Pandemie verantwortungsvoll begegnen zu können. Dass wir bereits wenige Monate nach Start des STAAB-COVID-Programms erste Ergebnisse und damit wichtige Daten haben, bestätigt mich in der Entscheidung, diese Studie von Seiten des Freistaats zu unterstützen. Denn je mehr wir über SARS-CoV-2 wissen, desto besser können wir gezielte Maßnahmen ergreifen. Allen Beteiligten vielen Dank für ihren Beitrag dazu.“ Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert nicht nur das DZHI zu wesentlichen Teilen, sondern fördert auch das STAAB-COVID-Programm, das unter der Schirmherrschaft von Wissenschaftsminister Sibler steht.

    Die beiden Leiter des STAAB-COVID-Programms bedanken sich bei den Würzburger Bürgerinnen und Bürgern für die Bereitstellung ihrer Daten für diese Untersuchung sowie bei den staatlichen Stellen für die Unterstützung ihrer Forschungsarbeit. Die schon lange laufende Basisstudie STAAB wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz gefördert.

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