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    Ehrendoktor für Rino Rappuoli

    11.02.2020

    Rino Rappuoli ist ein vielfach ausgezeichneter Pionier der Infektionsbiologie und der Impfstoffentwicklung. Die Fakultät für Biologie hat ihm bei einem Festakt die Ehrendoktorwürde verliehen.

    Ehrenpromotion an der Fakultät für Biologie der Universität Würzburg: Universitätspräsident Alfred Forchel, Ehrendoktor Rino Rappuoli und Dekanin Charlotte Förster.
    Ehrenpromotion an der Fakultät für Biologie der Universität Würzburg: Universitätspräsident Alfred Forchel, Ehrendoktor Rino Rappuoli und Dekanin Charlotte Förster. (Bild: Rudi Merkl)

    Professor Rino Rappuoli aus Siena (Italien) ist einer der renommiertesten Infektionsbiologen und Impfstoffforscher weltweit. Mit der Fakultät für Biologie der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg unterhalten er und sein Team langjährige Kontakte.

    Rappuolis Mitarbeiterin Mariagrazia Pizza zum Beispiel war viele Jahre Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Zentrums für Infektionsforschung der JMU. Isabel Delany, die ebenfalls im Team des italienischen Professors forscht, ist seit kurzem Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Würzburger Graduiertenkollegs 3D-Infekt. Dazu kommen vielfältige Kooperationen bei der Erforschung von Krankheitserregern und zahlreiche daraus resultierende gemeinsame Publikationen.

    Nun hat die Fakultät für Biologie Rino Rappuolis wissenschaftliche Verdienste und seine Verbundenheit mit der JMU auch offiziell gewürdigt: Sie verlieh dem Impfstoff-Pionier die Ehrendoktorwürde. Der Festakt fand am 31. Januar 2020 in der Neubaukirche statt. Nach Grußworten von Universitätspräsident Alfred Forchel und Dekanin Charlotte Förster hielt Mikrobiologie-Professor Roy Gross die Laudatio.

    Werdegang des neuen Ehrendoktors

    Nach seinem Studium der Biologie an der Universität in Siena wurde Rino Rappuoli wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sclavo S.p.A. in Siena, einem 1904 gegründeten Institut mit einem Schwerpunkt auf der Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen.

    Es folgten Positionen als Leiter der Impfstoffbereiche bei der Sclavo S.p.A., der amerikanischen Chiron Corporation und beim Schweizer Pharmakonzern Novartis. Heute ist Rappuoli beim britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline mit Standort in Siena für die globale Forschung und Entwicklung von Impfstoffen verantwortlich. Zudem ist er Professor für Impfstoffforschung am Imperial College in London.

    Viele Pionierarbeiten geleistet

    Rino Rappuoli hat Pionierarbeit auf verschiedenen Gebieten der Infektionsbiologie geleistet, etwa bei der Erforschung der krank machenden Eigenschaften der Erreger Bordetella pertussis (Keuchhusten), Helicobacter pylori (Magengeschwüre und Magenkrebs) und Neisseria meningitidis (Hirnhautentzündung).

    Er beschritt neuartige Wege, die für die Impfstoffentwicklung eine Revolution bedeuteten. Auf ihn gehen zum Beispiel die ersten Impfstoffe zurück, die aus genetisch inaktivierten Toxinen bestehen, etwa der Impfstoff gegen Keuchhusten. Bahnbrechend war auch die von ihm etablierte „Reverse Impfstoffentwicklung“. Mit ihr wurde erstmals ein effektiver Impfstoff gegen die besonders gefährlichen Serotyp-B-Meningokokken entwickelt.

    Neue wissenschaftliche Konzepte mitetabliert

    Rappuoli war außerdem an der Etablierung neuer wissenschaftlicher Konzepte beteiligt. So gehört er zu den Mitbegründern der „Zellulären Mikrobiologie“. Dieser Forschungszweig der Infektionsbiologie untersucht die molekularen Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und Wirtszellen.

    Als erster definierte Rappuoli den Begriff „Pangenom“, womit der gesamte Genpool einer Bakterienart gemeint ist. Das Pangenom kann den Genbestand eines einzelnen Bakteriums derselben Art bei weitem überschreiten, weil die Erreger häufig Genmaterial mit anderen Bakterien austauschen können.

    Bezahlbare Impfstoffe für ärmere Länder

    Rino Rappuoli, der unter den drei wichtigsten Impfstoffforschern der Welt gelistet wird (laut Terrapinn-Ranking), sei sich der unzureichenden medizinischen Versorgung in ärmeren Ländern der Welt sehr bewusst, wie Roy Gross in der Laudatio sagte. Häufig finden dort die für Industrienationen entwickelten Medikamente aufgrund der hohen Kosten keine Anwendung. Oder es herrschen Infektionskrankheiten vor, gegen welche die Industrie kaum Impfstoffe entwickelt.

    Deshalb gründete der Professor im Jahr 2008 in Siena das Vaccines Institute for Global Health. Diese Non-Profit-Einrichtung entwickelt bezahlbare Impfstoffe speziell für die ärmeren Länder der Welt, darunter Impfstoffe gegen Shigellose und Typhus.

    Magnet für junge Forschende aus aller Welt

    Am Herzen liegt Rappuoli auch die Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. „So hat sich sein Forschungszentrum in Siena zu einem Magneten gerade für junge Forschende aus aller Welt entwickelt“, sagte Gross.

    Bemerkenswert sei auch, dass vor einigen Jahren an der Universität in Siena der internationale Masterstudiengang „Vaccinology and Pharmaceutical Clinical Development“ eingerichtet wurde. Studierende aus aller Welt mit einem medizinischen Hochschulabschluss bekommen dort wichtige Grundlagen der Impfstoffentwicklung und Impfstrategien für ihre Heimatländer vermittelt.

    Impfstoffentwicklung ist wichtiger denn je

    In seinem Festvortrag betonte Rino Rappuoli die besondere Bedeutung von Impfstoffen im 21. Jahrhundert, gerade angesichts der dramatischen Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei gefährlichen bakteriellen Krankheitserregern und des Auftretens neuer viraler Infektionskrankheiten – die derzeitige Coronavirus-Epidemie ist ein aktuelles Beispiel dafür.

    Zudem zeigte er Perspektiven auf, wie Impfstoffe zur Behandlung von Erkrankungen beitragen können, deren weltweite Zunahme durch die gesteigerte durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen bedingt ist. Dazu gehören Krebs, aber auch Infektionskrankheiten bei älteren Menschen, deren Immunsystem durch andere Vorerkrankungen oder Therapiemaßnahmen geschwächt ist.

    Von Robert Emmerich

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