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    Auszeichnung für Krebsforscherin

    19.05.2020

    Dr. Barbara Altieri hat den von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie verliehenen Anke-Mey-Preis für maligne Nebennieren-Erkrankungen erhalten. Ausgezeichnet wurde damit eine von ihr im Februar veröffentlichte Studie.

    Gruppenbild zur Preisübergabe mit (v.l.): Professor Stefan Wudy (Tagungspräsident), Professor Josef Koehrle (Präsident der DGE), Dr. Barbara Altieri, Dr. Anke Mey (Preisstifterin) und Professor Andreas Schäffler (Vize-Tagungspräsident).
    Gruppenbild zur Preisübergabe mit (v.l.): Professor Stefan Wudy (Tagungspräsident), Professor Josef Koehrle (Präsident der DGE), Dr. Barbara Altieri, Dr. Anke Mey (Preisstifterin) und Professor Andreas Schäffler (Vize-Tagungspräsident). (Bild: Irina Chifu)

    Die Diagnose „Nebennierenkrebs“ wird vergleichsweise selten gestellt: Ein bis zwei unter einer Million Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Krebsart. Ihre Überlebensrate schwankt stark. Gut ein Fünftel aller Patienten stirbt innerhalb der ersten zwei Jahre. Auf der anderen Seite leben gut zehn Prozent der Patienten, bei denen bereits bei der Erstdiagnose Metastasen festgestellt wurden, auch noch fünf Jahre später.

    Was die Behandlung erschwert: Es gibt derzeit für das Nebennierenkarzinom keine zuverlässigen molekularen Prognosefaktoren, keine Prädiktoren für das Ansprechen auf eine Behandlung, keine wirksame zielgerichtete Krebstherapie und keinen personalisierten Behandlungsansatz.

    Und auch die Behandlung mit dem einzigen zugelassenen Medikament, dem Wirkstoff Mitotane, verspricht keinen zuverlässigen Erfolg: Nur etwa 30 Prozent der Patienten profitieren davon. Dabei leiden sie häufig unter schweren Nebenwirkungen – angefangen bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfall über Stoffwechselstörungen bis hin zu Störungen des zentralen Nervensystems. Nicht wenige Patienten brechen deshalb die Behandlung vorzeitig ab.

    Publikation in der Fachzeitschrift „Cancers“

    Biomarker zu identifizieren, die eine Vorhersage ermöglichen, bei welchen Patienten Mitotane anspricht und bei welchen nicht: Das war das Ziel einer internationalen Multicenter-Studie, die der Schwerpunkt Endokrinologie & Diabetologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I unter der Leitung von Dr. Cristina Ronchi und Professor Martin Fassnacht koordinierte. Dr. Barbara Altieri hat die Ergebnisse ausgewertet und in der Fachzeitschrift Cancers Anfang des Jahres veröffentlicht.

    Dafür wurde sie jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie mit dem Anke-Mey-Preis ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis geht an herausragende wissenschaftliche Originalarbeiten auf dem Gebiet maligner Nebennierenerkrankungen. Gestiftet hat ihn Anke Mey nach ihrer Genesung von einer solchen Erkrankung. Anliegen der Stifterin ist es, sowohl die Ursachen als auch mögliche Therapien dieser Krankheiten zu erforschen, damit mehr Patienten behandelt und geheilt werden können.

    Studie mit 182 Patienten

    Im Mittelpunkt der Studie mit 182 Patientinnen und Patienten standen Mitglieder der sogenannten „CYP-Superfamilie“. Dabei handelt es sich um das wichtigste Enzymsystem im menschlichen Körper, das an der Verstoffwechslung körpereigener wie auch von außen zugeführter Substanzen – und damit auch von Arzneimitteln – beteiligt ist. „Mitglieder der CYP-Superfamilie sind weit verbreitet und beeinflussen in der Regel die katalytische Aktivität des Enzyms, wodurch der Arzneimittelstoffwechsel modifiziert wird, was zu therapeutischem Versagen oder verstärkten Nebenwirkungen führen kann“, erklärt Barbara Altieri.

    Vier potenzielle Marker haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter die Lupe genommen und deren feine genetische Variabilität zwischen Patienten in Korrelation gesetzt mit dem jeweiligen Stadium der Krebserkrankung sowie dem Erfolg der Mitotane-Therapie. Dabei zeigte sich, dass die Marker in unterschiedlicher Kombination und je nach Stadium der Krankheit sich mal besser, mal schlechter zur Vorhersage des Therapieerfolgs eignen.

    Mit diesem Wissen können sie nun so eingesetzt werden, dass die jeweiligen Werte Prognosen darüber erlauben, ob ein Patient eine gute Chance hat, dass bei ihm Mitotane wirkt. Dies sei ein erster Schritt hin zu einer personalisierten Mitotan-Therapie bei Patienten mit Nebennierenkrebs.

    Originalpublikation

    Effects of Germline CYP2W1*6 and CYP2B6*6 Single Nucleotide Polymorphisms on Mitotane Treatment in Adrenocortical Carcinoma: A Multicenter ENSAT Study. Barbara Altieri, Silviu Sbiera, Sabine Herterich, Silvia De Francia, Silvia Della Casa, Anna Calabrese, Alfredo Pontecorvi, Marcus Quinkler, Tina Kienitz, Massimo Mannelli, Letizia Canu, Anna Angelousi, Vasileios Chortis, Matthias Kroiss, Massimo Terzolo, Martin Fassnacht and Cristina L. Ronchi. Cancers 2020, 12, 359; doi:10.3390/cancers12020359

    Kontakt

    Dr. Barbara Altieri, Medizinische Klinik und Poliklinik I, E-Mail: altieri_b@ukw.de

    Von Gunnar Bartsch

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