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  • Drei Studierende tragen T-Shirts mit einem Aufdruck der Universität Würzburg.
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Thea Emmerling: Interkulturelle Arbeit als Privileg

04.08.2026

Bei ihrer Arbeit als EU-Beamtin hatte JMU-Alumna Thea Emmerling mit vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Erdteilen zu tun. Meist stand dabei die Konsensfindung im Mittelpunkt.

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Alumna Thea Emmerling war Beamtin bei der Europäischen Kommission. (Bild: Thea Emmerling)

Was arbeiten Absolventinnen und Absolventen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, befragen Michaela Thiel und ihr Team vom zentralen Alumni-Netzwerk „Uni Würzburg Community“ regelmäßig ausgewählte Ehemalige.

Heute geht es um Thea Emmerling, die an der Universität Würzburg Wirtschaftswissenschaften im Grundstudium studiert hat. Nach dem Studium arbeitete sie als Journalistin bei der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart, Bonn und Düsseldorf. Es folgte eine langjährige EU-Laufbahn als Pressesprecherin, Kabinettsmitglied, Diplomatin und Führungskraft in den EU-Organen in Brüssel, Genf und Washington.

Frau Emmerling, wie sah Ihre Arbeit als EU-Beamtin aus?

In meiner Zeit in der Europäischen Kommission habe ich im Büro Briefings, Sitzungsprotokolle oder Reden geschrieben. Ich saß in oft langwierigen Meetings, machte Änderungsvorschläge für Mitteilungen oder Gesetzesvorschläge, vertrat die Kommissionsposition zu meinem Fachgebiet im Rat gegenüber den Mitgliedstaaten oder im EU-Parlament, sprach mit Vertreterinnen und Vertretern von NGOs oder mit Lobbyistinnen und Lobbyisten. Eigentlich wie in einem nationalen Ministerium.

Gab es dabei spezielle Schwerpunkte?

Ich habe mich sehr lange mit Verbraucherschutz, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit beschäftigt. Neun Jahre lang habe ich die EU in diesen Bereichen auch in internationalen Verhandlungen bei den Vereinten Nationen sowie bilateral in der EU-Delegation in den USA vertreten. Danach war ich Referatsleiterin. Außerdem habe ich mich fünf Jahre lang im Kabinett der EU-Haushaltskommissarin mit EU-Finanzplanung und den monetären Aspekten der EU-Politik beschäftigt. Eine Zeitlang war ich auch Pressesprecherin und Redenschreiberin.

Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Am liebsten habe ich die EU nach außen repräsentiert: Hinter dem EU-Schild zu sitzen und für die EU zu sprechen. Es ist sehr spannend auf diesem Feuerstuhl. Was der EU-Vertreter oder die EU-Vertreterin sagt, wird vorher minutiös in mühevollen Koordinationsrunden mit den EU-Mitgliedstaaten abgestimmt. Das ist Kompromisse schmieden im Kleinen. Die Zusammenarbeit und Konsensfindung mit den Mitgliedstaaten haben mir genauso viel Spaß gemacht wie die Vertretung des Konsenses bei den Verhandlungen mit anderen internationalen Partnern. Das interkulturelle Element, mit so vielen Menschen aus so unterschiedlichen Ländern und Erdteilen arbeiten zu dürfen, und zwar sowohl innerhalb der EU als auch im größeren UN-Rahmen, habe ich immer als besonderes Privileg empfunden.

Ein eher kurioses Highlight für mich war die Folge des Brexits: Der geografische Mittelpunkt der EU verschob sich dadurch nach Veitshöchheim-Gadheim – direkt vor die Tore Würzburgs. Dass ich als geborene Würzburgerin damit quasi über Nacht zur „zentralsten EU-Beamtin“ wurde, sorgt in meinen Vorträgen bis heute für Lacher.

Warum ist die Europäische Union wichtig?

Die EU steht für die längste Friedensperiode in Europa – über 80 Jahre ohne Krieg zwischen den Mitgliedstaaten. Nicht ohne Grund wurde den EU-Institutionen 2012 der Friedensnobelpreis verliehen. Durch die Osterweiterung nach dem Kalten Krieg konnte die Teilung Europas überwunden werden. Die EU steht für Frieden, Recht, Freiheit und Demokratie. Wir haben heute einen Raum mit über 500 Millionen Menschen zum freien Handeln, zum Arbeiten und zum Reisen und einen bisher nicht erlebten Wohlstand.

Trotzdem sehen viele Menschen die EU negativ.

Die EU ist nicht die abgehobene europäische Regierungs- bzw. Gesetzgebungsmaschine, als die sie oft in den Medien oder von der Politik hingestellt wird. Ich sehe sie als eine – zugegeben manchmal rumpelige – Konsensschmiede. Es gibt so viel formalisierte Zusammenarbeit, so viel Einbindung und Erarbeitung von gemeinsamen Positionen, Politiken und Gesetzen, dass mir kein Mitgliedstaat erzählen kann, er sei nicht informiert, was da in Brüssel läuft – und woran er selbst mitdreht. Denn alles, was die EU macht, hat ein nationales Pendant, jede ihrer Politiken wird aus nationalen Ministerien begleitet. Es gibt nichts, was die nationalen Verwaltungen nicht wissen. Außerdem hat das Europäische Parlament mittlerweile in vielen Politikbereichen volles Mitentscheidungsrecht. Wir wählen unsere europäischen Abgeordneten, wir können sie kontaktieren wie unsere Vertreter im Bundes- oder Landtag. Die EU sind wir! Es gibt keine Alternative zur EU, wenn wir in der Welt der Großmächte von heute und morgen bestehen wollen.

Was raten Sie Studierenden, die einen ähnlichen Berufsweg einschlagen möchten?

Grundsätzlich öffnet jedes abgeschlossene Fachstudium den Weg in die EU. Wer dort langfristig arbeiten will, muss durch das Nadelöhr des Aufnahmewettbewerbs. Die EU ist ein Rechtsgebilde. Man muss Rechtstexte lesen können, insofern ist ein Jurastudium hilfreich. Aber auch Absolventinnen und Absolventen aus den Wirtschaftswissenschaften, der Informatik oder der Medizin werden gebraucht. Sogar einen Musikwissenschaftler kenne ich. Neben einem Fachstudium sind zwei Fremdsprachen unabdingbar. In fließendes Englisch zu investieren ist ein Muss, gute Kenntnisse in Französisch sind auch wichtig. Ein Plan B sollte da sein, falls es gerade keinen Aufnahmewettbewerb gibt oder man durchfällt.

Unabhängig von all dem würde ich aber allen jungen Menschen raten, das zu machen und zu studieren, was ihnen Freude bereitet. Wir verbringen so viel Lebenszeit am Arbeitsplatz, das halten wir ein Leben lang nur durch, wenn wir das, was wir dort tun, gern tun.

Was ist Ihre liebste Erinnerung an die Studienzeit?

Das sind die Jobs, mit denen ich mir Teile meines Studiums finanziert habe. Ich war unter anderem Pflegehilfskraft in der Würzburger Uniklinik, freie Mitarbeiterin beim Fränkischen Volksblatt, Fließbandarbeiterin bei einem Kugellagerhersteller und Werkstudentin bei Siemens. An der Uni war es für mich ein Highlight, dass ich Professor Otmar Issing hören konnte. Der gebürtige Würzburger wurde später zu einem der einflussreichsten Geldpolitiker der Europäischen Zentralbank. Er war als deren erster Chefvolkswirt maßgeblich an der Gestaltung der Geldpolitik des Euro beteiligt. Letztlich zeigen solche Wege: Wer in der Europastadt Würzburg startet, kann in der ganzen Welt – und doch immer ganz im Herzen Europas – zu Hause sein.

Vielen Dank für das Gespräch!


Sie sind selbst noch nicht Mitglied im Alumni-Netzwerk „Uni Würzburg Community“ oder im Alumni & Friends e.V.? Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich zu registrieren! Das können Sie auf den Webseiten der Community tun. Dort finden Sie auch die bislang veröffentlichten Interviews mit Alumni und Alumnae der JMU.

Von Michaela Thiel / Robert Emmerich

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