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    Abschied von einem Urgestein

    10.09.2019

    Wer etwas mit Deutsch als Fremdsprache an der Uni Würzburg zu tun hatte, dürfte sie kennen: Ingeborg Florescu, das Urgestein des Zentrums für Sprachen. Nun geht sie, die das ZFS mit aufgebaut hat, nach 38 Jahren in den Ruhestand.

    Ingeborg Florescu baute mit Kollegen das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Uni Würzburg auf. Nun geht sie, nach fast 40 Jahren, in den Ruhestand.
    Ingeborg Florescu baute mit Kollegen das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Uni Würzburg auf. Nun geht sie, nach fast 40 Jahren, in den Ruhestand. (Bild: Kristian Lozina / Universität Würzburg)

    Dieses Büro gleicht schon fast einem kleinen Rundgang über die Souvenirstände dieser Welt: Rote chinesische Wanddeko neben dem Fenster, ein japanisches Element direkt neben dem PC, auf dem Schreibtisch eine Dose aus Südamerika. Und dazwischen jede Menge Karten und eingerahmte Bilder von lachenden Studi-Gruppen. Das Büro von Ingeborg Florescu ist ziemlich bunt. Es ist voller Dinge, die ihr Studierende aus Dankbarkeit und Freundschaft überlassen haben. Und das sind ziemlich viele.

    Wer schon einmal mit „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) am Zentrum für Sprachen der Uni Würzburg in Berührung gekommen ist, kennt Ingeborg Florescu. Das „Urgestein“, die „gute Seele“. Immer mit einem offenen Ohr, immer motivierend, immer optimistisch. Doch für sie heißt es nun Abschied nehmen – in den wohlverdienten Ruhestand.

    Mit der ein oder anderen Unterbrechung waren es 38 Jahre für Ingeborg Florescu am ZFS. Zunächst als Hilfskraft und wenig später als festangestellte Mitarbeiterin und Dozentin. Für die damals frischgebackene Lehramtsabsolventin (Germanistik und Romanistik) eine ziemliche Herausforderung. Als es Anfang der 80er-Jahre nämlich losging, hieß das ZFS unter Federführung von Dr. Albert Fuß noch „Sprachlabor“ und die DaF bestand nur aus Florescu, ihrer Kollegin Brigitte Gräber und zwei Lehrbeauftragten in einem Untergeschoss. DaF steckte in Deutschland noch in den Kinderschuhen, Materialien dafür gab es kaum. Also hieß es improvisieren. Denn die ersten Kurse standen bereits in den Startlöchern.

    Tonaufnahmen schneiden und Fasching feiern

    Zusammen mit Brigitte Gräber und mit Hilfe von Rainer Götz, damals Hilfskraft im Sprachlabor und heute Professor in den USA, nahm sie in dem kleinen Tonstudio des Sprachlabors Audiodateien auf Kassette auf, mit denen die Studis dann üben konnten. Die Stimme ihrer Dozentin war für die Studierenden dabei fast schon omnipräsent. Denn neben Unterricht und Kassette war Florescu im Grunde die Deutschland-Erklärerin für die ausländischen Studis: Mit dem Akademischen Auslandsamt organisierten sie und Gräber Events für ihre Schützlinge und waren so oft dabei wie nur möglich. Warum? „Die Sprache kann man nur beherrschen, wenn man auch die Kultur eines Landes kennt und versteht“, erklärt Florescu.

    Am Ende der Sommersemester ging es zum Beispiel mit dem eigens gemieteten Schiff über den Main; selbstverständlich mit Essen bepackt und vielen landeskundlichen Infos. Passend zur Literatur im DaF-Kurs ging es auch öfter ins Theater, oder es wurde ein regionaler Brauch namens Fasching erklärt und auch ausgiebig gefeiert. Bei Letzterem muss sie heute noch schmunzeln. „Für viele Studierende war das eine neue Welt. Die waren total begeistert“, erzählt Florescu strahlend.

    Verändert hat sich in den 38 Jahren viel. „Anfangs waren die meisten meiner Studenten älter als ich“, erzählt Florescu. „Damals gab es so etwas wie Erasmus nicht“. Vielmehr handelte es sich um Doktoranden oder Wissenschaftler. Einige waren angehende Studis aus dem Ausland, die ihr komplettes Studium auf Deutsch absolvieren wollten. Richtig viel wurde es ab Mitte der 80er, als die Uni vermehrt Partnerschaften einging und immer mehr Austauschstudierende kamen.

    Geschenke, die die Welt bedeuten

    Was mit drei Kursen (Grund-, Mittel- und Oberstufe) und einem Intensivkurs begann, ist mit der Zeit immens gewachsen – auf aktuell mehr als 40 Kurse, 18 Intensivkurse, 32 Lehrbeauftragte und mehrere feste Mitarbeiter. 1999 zog das inzwischen als ZFS bekannte Team in das Blaue Haus am Hubland – gemeinsam mit der Mediendidaktik – dank großzügiger Förderung durch Dr. Herbert Brause.

    Laut Florescu ein Segen, denn der Mäzen ermöglichte auch neue Mittel für die Lehre: „Wir sind immer neue Wege im DaF-Bereich gegangen“, erzählt Florescu. „Und da war ich auch immer hinterher. Es ist wichtig, immer auf dem neusten Stand zu bleiben.“ So setzte sie sich stets für moderne Computerlabore, neuste Lizenzen vom Goethe-Institut, neue Materialien im Unterricht – mit Hilfe der Mediendidaktik – oder e-Learning-Angebote an der Virtuellen Hochschule Bayern ein.

    Seit 2011 ist das ZFS am Campus Hubland-Nord. Die Zahl der Kursteilnehmer steigt weiterhin. So viele und enge Aktivitäten wie früher sind mit den Studis nicht mehr möglich. Trotzdem nimmt sich Florescu immer Zeit für ihre Studierenden. Sie hat ein offenes Ohr. Sie motiviert. Ist immer optimistisch. Meistens bekommt sie am Ende eines Kurses ein Bild der ganzen Klasse mit Unterschriften und Danksagungen. Oder landestypische Geschenke, die nun überall in ihrem Büro zu sehen sind. Mit jedem Stück verbinde sie etwas Besonderes, erklärt sie mit feuchten Augen.

    Keinen einzigen Tag bereut

    Noch heute bekommt sie viele Grüße und Besuche aus dem Ausland von Ehemaligen: Rainer Götz, die einstige Hilfskraft im Sprachlabor, besucht sie jedes Jahr in Würzburg. Und erst vor kurzem hat sich eine ehemalige Studentin aus Kanada bei ihr gemeldet: Sie hätte einen Bericht über Würzburg gelesen und habe sofort an Florescu gedacht und wolle einfach nur Danke sagen. Ihren Deutsch-Kurs hatte sie vor über 30 Jahren.

    Ingeborg Florescu denkt wehmütig an ihren Abschied. Denn ihren Job hat sie jeden Tag gerne gemacht. „Ich wollte nie etwas anderes machen. Ich habe auch kein einziges Mal darüber nachgedacht, den Job zu wechseln. Das Unterrichten, Koordinieren und vor allem der Umgang mit den Studierenden, das macht mir einfach Spaß“, sagt sie mit bestimmtem Ton. Und: „Sonst hätte ich auch all diese wunderbaren Menschen nie kennengelernt.“

    Von Kristian Lozina

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