Le juif, c’est moi. Eine Denkfigur nach 1945
Vortrag im Rahmen der Tagung „Philosophie und Antisemitismus“
| Datum: | 10.03.2026, 17:45 - 20:00 Uhr |
| Kategorie: | Tagung, Veranstaltung, Vortrag |
| Veranstalter: | Lehrstuhl für Jüdische Studien (Prof. Dr. Frederek Musall), Lehrstuhl für Praktische Philosophie (Prof. Dr. Matthias Flatscher) |
| Vortragende: | Prof. Dr. Vivian Liska |
Am 10. März 2026 findet von 17:45 bis 20:00 Uhr der Vortrag „Le juif, c’est moi. Eine Denkfigur nach 1945“ von Prof. Dr. Vivian Liska im Rahmen der Tagung „Philosophie und Antisemitismus“ statt.
Über den Vortrag
In der philosophischen Rede vom Juden und von Jüdischem entfaltet sich nach 1945 eine komplexe und paradoxe Dynamik: Sie erscheinen dort immer weniger als historische, kulturelle oder religiöse Realität denn als Projektionsfläche diverser ideologischer Interessen. Am Beispiel signifikanter Schriften von Jean-Paul Sartre, Maurice Blanchot, Jean-François Lyotard, Giorgio Agamben und Alain Badiou lässt sich zeigen, wie der Jude zu einer Instanz wird, an der Fragen von Universalismus und Partikularismus, von Gesetz und Schrift, von Eigenem und Anderem verhandelt werden, – und an der die Philosophie ihren eigenen Grenzen begegnet. Der Vortrag untersucht, welche Spannungen sich zwischen symbolischer Aneignung und historischer Erfahrung ergeben. Im Mittelpunkt steht die Frage, in welchem Verhältnis solche Denkbewegungen zur jüdischen Tradition stehen. Dabei werden die problematischen Züge einer zunehmenden Aneignung sichtbar: Das Jüdische wird zur Metapher erhoben und wird gerade dadurch jener Eigenheit beraubt, auf die sich dieses Denken beruft – eine Enteignung, die den Ort des Anderen in den des Eigenen verwandelt. Der Vortrag lädt dazu ein, diese Dynamik kritisch zu befragen und zu diskutieren, inwiefern die europäische Philosophie nach Auschwitz im „Juden“ ihr eigenes Selbstbild entwirft, indem sie es zugleich idealisiert, vereinnahmt und entwirklicht.
Anmeldung und Teilnahme
Wir bitten um eine Anmeldung unter philosophie-und-antisemitismus@uni-wuerzburg.de
Der Veranstaltungsort wird Ihnen nach namentlicher Anmeldung zugeschickt.
