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Würzburger Neuroscience-Studium: Ab ins menschliche Gehirn

25.03.2026

Dich interessiert und fasziniert, wie unser Gehirn funktioniert und was darin bei bestimmten Erkrankungen passiert? Der Master Translational Neuroscience beschäftigt sich mit diesen Fragen – und Helena auch.

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Zum Studium geht es praktisch zu. Es gehört viel Arbeit im Labor dazu. (Bild: Martin Brandstätter)

Hallo! Ich heiße Helena und beschäftige mich seit Jahren mit dem wohl komplexesten Objekt des Universums: dem menschlichen Gehirn, Hauptakteur unseres zentralen Nervensystems. Dabei sind oft mehr Fragen als Antworten entstanden: Was genau passiert in unserem Gehirn bei verschiedenen Erkrankungen, und in welchen Aspekten unterscheidet sich dein Gehirn von meinem, aber was verbindet uns auch?

Mit diesen und weiteren Themen rund um das Nervensystem darf ich mich im Master Translational Neuroscience an der Uni Würzburg auseinandersetzen. Von meinen bisherigen Erfahrungen im Studium, Herausforderungen und Überraschungen sowie meinen weiteren Plänen möchte ich hier gerne berichten.

Der Start ins Neuroscience-Studium

Nach meinem Bachelor in Psychologie war mir klar, dass ich unbedingt mehr über die Funktionsweisen des Gehirns lernen möchte – vor allem auf molekularer Ebene. Zum Beispiel wie verschiedene genetische Faktoren zu Erkrankungen beitragen oder welche Therapiemöglichkeiten es bei Gehirntumoren gibt. In Würzburg kann ich diesen Fragen nachgehen, denn Translational bedeutet, die Kenntnisse aus unserer Wissenschaft auch in andere Bereiche – beispielsweise in die Medizin - zu übertragen. Dieser Ansatz hat mich von Anfang an begeistert, denn ich möchte nicht nur zu neuem Wissen beitragen, sondern es auch zugänglich machen.

In den ersten zwei Semestern wirst du vor allem Vorlesungen in Biologie, Neurologie und Biopsychologie hören sowie eine computergestützte Datenanalyse durchführen. Besonders toll finde ich, dass du neben diesen Pflichtmodulen die Freiheit hast, deinen Stundenplan selbst zu gestalten.

Ich hatte im ersten Semester neben Klinischer Neurobiologie und Neurologie/Neurochirurgie noch ein Seminar zum Thema Schmerz sowie Praxiskurse in verschiedenen Forschungsgruppen. So kam ich auch mit meiner derzeitigen Praktikumsleiterin Dr. Christina Lillesaar und ihrer Genforschung bei neurologischen Entwicklungsstörungen wie ADHS und Autismus in Kontakt.

Du musst dir keine Sorgen machen, wenn du zu Beginn des Studiums noch nicht weißt, in welche Richtung du genau möchtest. Da du verschiedene Forschungsgruppen kennenlernst und zahlreiche Wahlfächer (unter anderem Data Science, Experimentelle Psychiatrie) belegen kannst, findest du heraus, was dir besonders liegt.

Herausforderungen und Überraschungen im Studium

Spätestens in der Mitte des Semesters kann einen die Menge an Informationen in den Vorlesungen schon etwas überwältigen. Während der Klausurvorbereitung sitzt du vielleicht planlos da und versuchst, den Überblick über all die Gene, Enzyme und Rezeptoren nicht zu verlieren. In solchen Phasen hat es mir definitiv geholfen, mich mit meinen Kommiliton*innen zum Lernen zu verabreden oder auch einfach mal einen Tag lang keine Genmutationen auswendig zu lernen.

Wenn du (wie ich) vorher nicht Biologie, Molekularmedizin oder ähnliches studiert hast, wirst du dich vielleicht erst an die Arbeitsweise im „wet lab“ (Labor für Experimente mit Flüssigkeiten oder biologischen Proben) gewöhnen müssen. Erst jetzt im Praktikum fange ich langsam an, mich im Umgang mit all den Pipetten, Laborröhrchen und Geräten sicher zu fühlen. Und keine Sorge: wenn dir die Arbeit im klassischen Labor nicht zusagt, bleiben auch noch andere Möglichkeiten für dich nach dem Abschluss offen (z.B. neuropsychologische Forschung oder Bildgebung).

Positiv überrascht war ich davon, dass die Vorlesungen jede Woche von einem anderen Experten gehalten werden. So lernst du verschiedene Gebiete wie die funktionelle Neurochirurgie, den medizinischen Einsatz von KI oder Methoden der Genforschung kennen – vielleicht potenzielle Bereiche für ein Praktikum oder deine Masterarbeit?

Wie es nach zwei Semestern weitergeht

Im dritten Semester kannst du noch weitere, auch internationale, Praktika absolvieren und/oder zusätzliche Wahlfächer belegen, die dich interessieren. Auch wenn für mich bald erst das zweite Semester beginnt, recherchiere ich schon fleißig, wo ich mein zweites Praktikum absolvieren möchte.

Zudem solltest du langsam beginnen – sofern du in Regelstudienzeit studieren möchtest –, das Projekt deiner experimentellen Masterarbeit vorzubereiten. Die Arbeit selbst wird dann im vierten Semester angefertigt und muss nach der Abgabe nur noch in einem Kolloquium verteidigt werden. 

Warum Neuroscience in Würzburg studieren?

Das Bewerbungsverfahren inklusive Zulassungstest und Vortrag wirkt vielleicht erst einmal umfangreich, lohnt sich aber allemal. Ich schätze besonders die familiäre Atmosphäre, die in unserem Studiengang herrscht, da die Jahrgänge meistens nur eine kleine Gruppengröße von 10-20 Studierenden aufweisen.

Da eine enge Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum besteht, können wir zudem von Würzburgs renommiertem Ruf in Forschungsgebieten wie der Schmerzmedizin und Parkinson profitieren. Weitere Vorteile erhalten Studierende dadurch, dass der Studiengang vom Elitenetzwerk Bayern gefördert wird, so dass wir von Anfang an mit anderen angehenden Wissenschaftler*innen und Alumni in Kontakt kommen.

Fazit

Das erste Semester hat mir gezeigt, wie vielfältig und interdisziplinär die Neurowissenschaft ist. Der unmittelbare Einfluss von Biologie, Medizin und Technologie sorgt dafür, dass sich mit neuen Erfindungen auch unser Feld und unsere Arbeitsweise stets verändert.

Ich mag es, diese Veränderungen mitzuerleben sowie langfristig mitzugestalten. Und auch wenn es Phasen gibt, in denen die Frustrationstoleranz auf die Probe gestellt wird, ist man Teil eines großen Ganzen und erforscht das – meiner Meinung nach – spannendste System der Welt.

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Von Helena Oehringen

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