Schmetterlinge auf dem Weg nach oben
17.08.2026Wie reagieren Schmetterlinge in den Alpen auf steigende Temperaturen? Eine Studie der Universität Würzburg zeigt: Vor allem Arten, die ihre Körpertemperatur schlecht regulieren können, weichen in höhere Lagen aus.
Der Klimawandel stellt Tiere und Pflanzen vor eine grundlegende Herausforderung: Was tun, wenn es am angestammten Lebensort zunehmend wärmer wird? Sie können sich an die veränderten Bedingungen anpassen – oder in Regionen ausweichen, die ihnen weiterhin ein geeignetes Klima bieten.
Bei Schmetterlingen in den deutschen Alpen scheint vor allem die zweite Reaktion eine wichtige Rolle zu spielen. Das zeigt eine neue Studie von Dr. Esme Ashe-Jepson vom Lehrstuhl für Global Change Ecology der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift Communications Biology erschienen.
Wie Schmetterlinge mit Wärme umgehen
Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere. Weil ihre Körpertemperatur stark von den Bedingungen ihrer Umgebung abhängt, reagieren sie besonders empfindlich auf klimatische Veränderungen.
Ashe-Jepson wollte wissen, wie anpassungsfähig verschiedene Arten tatsächlich sind und welche Temperaturen sie maximal vertragen. Dafür untersuchte sie Schmetterlinge entlang eines Höhengradienten in den deutschen Alpen. Die Biologin richtete ihren Blick auf körperliche Merkmale wie Größe und Färbung und verglich ihre Beobachtungen mit Veränderungen der Höhenverbreitung innerhalb des vergangenen Jahrzehnts.
„Zwar sind Arten grundsätzlich keine statischen Objekte, sie können durch Anpassung oder evolutionäre Veränderungen auf ihre Umwelt reagieren“, sagt Ashe-Jepson. „Bei den untersuchten Schmetterlingen habe ich allerdings nur wenige Hinweise darauf gefunden, dass sich ihre Fähigkeit zur Temperaturregulation oder ihre Hitzetoleranz an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst hat.“
Stattdessen zeigt sich eine andere Reaktion: Arten, die ihre Körpertemperatur schlechter regulieren können, haben ihre Verbreitungsgebiete besonders stark in höhere, und damit kühlere, Lagen verschoben. Die Ergebnisse sprechen also dafür, dass Schmetterlinge auf den Klimawandel eher mit einer räumlichen Verlagerung reagieren, als sich vor Ort an steigende Temperaturen anzupassen.
Große und helle Arten im Vorteil
Auch Größe und Färbung spielen eine Rolle dabei, wie Schmetterlinge mit Wärme umgehen. Große Arten können hohe Körpertemperaturen besser vermeiden als kleine. Dunkle Arten sind zwar teilweise besser darin, ihre Temperatur aktiv zu regulieren, erwärmen sich insgesamt jedoch stärker als helle.
Diese Unterschiede spiegeln sich in der Zusammensetzung der Schmetterlingsgemeinschaften entlang des Höhengradienten wider. In den wärmeren Tieflagen treten eher große und helle Arten auf, während kleine und dunkle Arten mit zunehmender Höhe häufiger werden.
Für Ashe-Jepson liegt darin eine zentrale Erkenntnis der Studie: „Nicht unbedingt die einzelnen Arten verändern sich als Reaktion auf das lokale Klima. Stattdessen verändert sich, welche Arten an einem bestimmten Ort vorkommen.“
Der Klimawandel könnte die Zusammensetzung der Schmetterlingsgemeinschaften in den Alpen somit zunehmend verschieben – und Arten unterschiedlich stark dazu zwingen, geeigneten Lebensräumen in höhere Lagen zu folgen.
Bewegungsfreiheit als Schlüssel zum Artenschutz
Die Ergebnisse haben auch Konsequenzen für den Naturschutz. Denn wenn Schmetterlinge auf steigende Temperaturen vor allem mit einem Ortswechsel reagieren, kommt es darauf an, dass sie geeignete neue Lebensräume überhaupt erreichen können.
„Wir sollten beim Artenschutz nicht nur darauf schauen, wie sich Populationen an ihren heutigen Standorten erhalten lassen“, sagt Ashe-Jepson. „Ebenso wichtig ist es, Lebensräume so miteinander zu verbinden, dass Arten auf Veränderungen reagieren und sich durch die Landschaft bewegen können.“
Die Fähigkeit zur Temperaturregulation könnte zudem dabei helfen abzuschätzen, welche Arten besonders stark auf den Klimawandel reagieren werden. Arten, die ihre Körpertemperatur nur schlecht beeinflussen können, dürften demnach eher gezwungen sein, ihr Verbreitungsgebiet zu verlagern.
Sind andere Insekten ähnlich betroffen?
Als Nächstes möchte Ashe-Jepson untersuchen, ob sich diese Zusammenhänge auch bei anderen Insektengruppen finden. Entsprechende Daten zu Heuschrecken und Grillen werden bereits erhoben. So soll sich zeigen, ob die beobachteten Muster eine Besonderheit der Schmetterlinge sind oder sich auch auf andere Insekten übertragen lassen.
Unterstützt wurde die Untersuchung von der Verwaltung des Nationalparks Berchtesgaden.
Publikation
Esme Ashe-Jepson: Butterflies with low thermoregulatory capacity show greatest upwards range shifts along an elevational gradient. Communications Biology 9, 1002 (2026), DOI: 10.1038/s42003-026-10534-z.
Kontakt
Dr. Esme Ashe-Jepson, Lehrstuhl für Global Change Ecology, Tel: +49 931 31-87061, E-Mail: esme.ashe-jepson@uni-wuerzburg.de
