Post-COVID-Syndrom: Ergebnisse einer Therapiestudie
30.10.2026Drei Institute für Allgemeinmedizin haben unter Würzburger Federführung getestet, was Prednisolon und B-Vitamine gegen das Post-COVID-Syndrom ausrichten können.
Anhaltende Erschöpfung, Atemnot, Konzentrationsprobleme, Ängste oder gedrückte Stimmung: Viele Menschen leiden noch Monate nach einer Corona-Infektion unter Beschwerden, die ihren Alltag deutlich einschränken. Doch belastbare Daten, welche Behandlung wirklich hilft, sind nach wie vor rar.
„Menschen mit Post-COVID kommen zuerst zu uns in die Hausarztpraxis. Deshalb war es uns wichtig, eine Therapie genau dort zu prüfen, wo die Betroffenen versorgt werden – mit Medikamenten, die seit Jahrzehnten bekannt, günstig und gut verfügbar sind“, sagt Professorin Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Würzburg (UKW).
Die Professorin leitet PreVitaCOV, eine der ersten medikamentösen Therapiestudien zum Post-COVID-Syndrom in Deutschland – mit einer für dieses Krankheitsbild großen Fallzahl von 323 Patientinnen und Patienten. Die Studie lief in Würzburg, Tübingen und Kiel. Ihre Ergebnisse sind jetzt im Fachjournal eClinicalMedicine veröffentlicht.
Prednisolon und Vitamine gegen Placebo
In die Studie wurden Erwachsene aufgenommen, bei denen eine nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion mindestens zwölf Wochen zurücklag und die weiterhin unter typischen Post-COVID-Beschwerden litten. Die Mehrheit waren Frauen.
Per Zufall wurden die Teilnehmenden einer von vier Gruppen zugeordnet und erhielten 28 Tage lang entweder niedrig dosiertes Prednisolon (das ist ein Cortison), eine Kombination der Vitamine B1, B6 und B12 oder beides zusammen oder ein Placebo.
Prednisolon könnte als entzündungshemmender Wirkstoff anhaltende Entzündungsprozesse dämpfen, die als mögliche Ursache des Post-COVID-Syndroms diskutiert werden. B-Vitamine gelten als nervenschützend.
Messbarer Effekt bei der Fatigue
Gemessen wurde, wie stark sich die Beschwerden in fünf typischen Bereichen – Fatigue, Atemnot, Denk- und Konzentrationsvermögen, Angst und Depression – innerhalb von 28 Tagen veränderten.
Ergebnis: Die Teilnehmenden, die Prednisolon erhielten, berichteten nach vier Wochen über eine signifikant stärkere Linderung ihrer Beschwerden als jene ohne Prednisolon. Am deutlichsten zeigte sich der Unterschied bei der Fatigue, also der krankhaften Erschöpfung, die viele Betroffene als besonders belastend erleben.
Für die B-Vitamine ließ sich kein nennenswerter Nutzen nachweisen. Die geprüften Medikamente wurden in allen Gruppen gleich gut vertragen.
Signifikanter Unterschied – aber reicht das?
Die Forschenden ordnen das Ergebnis zurückhaltend ein. Zwar ist der Unterschied statistisch abgesichert. Da er jedoch klein ausfällt, bleibt unklar, ob Betroffene ihn in ihrem Alltag als spürbare Verbesserung erleben. Die vorab festgelegte Schwelle für eine klinisch relevante Verbesserung wurde nicht erreicht.
„Eine Empfehlung für die breite Anwendung von Prednisolon lässt sich aus unserer Studie nicht ableiten – dafür ist der Effekt zu gering, und nach dem Absetzen verschwand er wieder“, erläutert Professorin Hanna Kaduszkiewicz aus Kiel. Nötig seien weitere Studien, etwa mit längerer Behandlungsdauer oder mit gezielt ausgewählten Patientengruppen, die besonders profitieren könnten.
„Wir müssen noch besser verstehen, bei welchen Patientinnen und Patienten Prednisolon am Ende hilfreich sein könnte. Dazu erhoffen wir uns Erkenntnisse, sobald die Untersuchungen der Blutproben vorliegen“, sagt Professorin Stefanie Joos vom Universitätsklinikum Tübingen.
Hausärztliche Forschung im Verbund
Dennoch sehen die Beteiligten in PreVitaCOV einen wichtigen Schritt: „Wir haben gezeigt, dass hochwertige Therapiestudien zu Post-COVID in der hausärztlichen Versorgung möglich sind. Nahezu alle Teilnehmenden sind bis zum Ende dabeigeblieben. Das ist ein großer Vertrauensbeweis der Patientinnen und Patienten“, sagt Andreas Klug aus dem Würzburger Team.
Koordiniert wurde die PreVitaCOV-Studie vom Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Würzburg, beteiligt waren zudem die Institute für Allgemeinmedizin der Universitätsklinika Tübingen und Schleswig-Holstein (Campus Kiel).
Weitere Partner waren die Zentrale für Klinische Studien des UKW, das Institut für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg sowie die Apotheken der Charité und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat die Studie gefördert.
Publikation
Low-dose prednisolone and B vitamins for post-COVID-19 syndrome in Germany: the PreVitaCOV randomised clinical trial. eClinicalMedicine, 24. Oktober 2026, DOI: 10.1016/j.eclinm.2026.104264


