Mittelalter und Frühe Neuzeit: Von Drachentötern bis zu Revolutionären!
25.02.2026Musik, Literatur, Ideengeschichte und unzählige weitere Felder vereint der Master Mittelalter und Frühe Neuzeit an der Uni Würzburg in einem Studium. Jule zeigt dir, was es darin alles zu entdecken gibt.
Über kaum eine Epoche halten sich meiner Meinung nach derart hartnäckig Vorurteile, die völlig danebengegriffen daherkommen. Erzähle ich, dass ich den Master-Studiengang Mittelalter und Frühe Neuzeit an der Uni Würzburg studiere, stoße ich meist auf Verwirrung. Von meinem Gegenüber höre ich oftmals Aussagen wie: „Da war doch nichts außer Krankheit, Knechtschaft und hin und wieder ein bisschen Mord und Totschlag, erst mit der Aufklärung kam doch erst wieder Licht ins Dunkel!“
Einleuchtend ist es nach kurzem Innehalten nicht gerade, dass in ungefähr eintausend Jahren einfach „Nichts“ außer Leid und Stillstand gewesen sein soll. Das Gegenteil ist der Fall: Es gibt so viel zu entdecken! Denn Veränderungen, Konflikte, Streitigkeiten und Umdenken gab und gibt es immer, und diese werden erkennbar in Bereichen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Literatur, Recht, Sprache, Architektur, Handel, bildende Kunst, Theologie, Wissenschaft, Wertewandel, Ideengeschichte und noch so viel mehr.
Ein breit aufgestelltes Masterstudium
Dieses breite Themenspektrum des Masters spiegelt sich auch darin wider, aus welchen Disziplinen der Studiengang zusammengestellt ist und welche Voraussetzungen die Studierenden mitbringen sollen bzw. können. Selbst mitbringen musst du ein abgeschlossenes Bachelorstudium (oder gleichwertiges) mit mindestens 40 ECTS in folgenden Bereichen: Anglistik, Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Philosophie oder Romanistik. Aus diesen Fachdisziplinen und zusätzlich auch Katholischer Theologie kannst du dir dann ein Schwerpunktfach aussuchen.
Empfohlen aber nicht zwingend für jedes Schwerpunktfach –meiner Erfahrung aber wirklich hilfreich – sind gesicherte Lateinkenntnisse (Kleines Latinum). Da ich in der Schule kein Latein belegt hatte, hole ich das nun parallel in einem Kurs vom Institut für Klassische Philologie der Uni nach. Der Kurs wird mich hoffentlich in zwei Semestern zum Ziel bringen!
Als wäre das noch nicht genug, gibt es noch mehr Fächer, die am Master beteiligt sind: Ethnologie, Museologie, Sinologie, Slavistik, Latinistik und Rechtsgeschichte. Mehr Informationen zu Beteiligten Fächern, Schwerpunktfächern und ihren spezifischen Voraussetzungen findet ihr hier.
Ein interdisziplinäres Studium mit viel Gestaltungsfreiheit
Interdisziplinarität wird, wie nun klar geworden sein sollte, im Master Mittelalter und Frühe Neuzeit großgeschrieben. Die Vielfalt der verschiedenen beteiligten Fächer bedeutet, dass ich mein im Bachelorstudium erworbenes Wissen mit fremden Disziplinen verknüpfen kann. Dabei habe ich große Gestaltungsfreiheit.
Der Vorteil daran ist, dass ich interessenorientiert studieren und ein individuelles Profil erarbeiten kann. In meinem Fall sieht das konkret so aus: Ich interessiere mich besonders für spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Literatur, weil sich hier Blüte und Bruch entfalten, eine Gleichzeitigkeit (vermeintlich) alter und neuer Denkweisen stattfindet. Aus meinem Germanistik-/Anglistik-Studium bringe ich dahingehend gewisse Vorkenntnisse mit, die ich nun erweitern kann.
Essenziell für den Master: Eigenständiges Denken und kritisches Hinterfragen
Dabei steht es mir frei, mich eingehender mit romanistischer Literatur zu beschäftigen, theologische Grundkenntnisse zu erwerben, die Wechselwirkungen von bildender und darstellender Kunst zu erforschen, etc. Dies nur als Beispiel, wie du den Studiengang auf deine eigenen Bedürfnisse zuschneiden könntest. Die Freiheit, zwischen den Lehrstühlen und Fakultäten zu springen, solltest du auskosten, um verschiedenste geisteswissenschaftliche Ansätze kennenzulernen.
Eigenständiges Denken, kritisches Hinterfragen und Eigeninitiative sind nicht nur gewünscht, sondern gefordert. Schließlich ist eines der Ziele des Masters, über seinen eigenen Tellerrand schauen zu können. Sehr gewinnbringend sind dazu auch Praktika, Tagungen und Konferenzen, die sich im Master anbieten
Karrieremöglichkeiten nach dem Abschluss
Das bringt mich nun zum Elefanten im Raum: den Karrieremöglichkeiten. Als ich einer Freundin eröffnete, dass ich mich für den Master entschieden hatte, kam nur die konsternierte Frage: „Wie arbeitslos willst du eigentlich werden?“ Es ist kein Geheimnis, dass Geisteswissenschaftler einen eher schmalen Eingang ins Berufsleben haben. Der Master bereitet nicht auf einen bestimmten Beruf vor, wie es bei Studiengängen wie Jura, Lehramt oder Informatik vielleicht eher der Fall ist – dafür ist die Aufstellung auch zu breit.
Natürlich ist ein Berufsleben in der Forschung möglich, das Studium vermittelt aber neben vertieftem Wissen zur Epoche Mittelalter und Frühe Neuzeit gerade Fähigkeiten, die auch außerhalb der Uni geschätzt werden. Mögliche Berufsfelder ergeben sich…
- aus der hohen Eigenständigkeit,
- der Fähigkeit, sich schnell in fremde Fachbereiche einzuarbeiten,
- dem Austausch zwischen den Disziplinen
- und der dafür geforderten Flexibilität und Offenheit.
Nach dem Abschluss kannst du in Museen, Theater, Verlagen, Presse, Politik, Archiven, Bibliotheken, Stiftungen und Bildung arbeiten. Mir persönlich schwebt eine Tätigkeit im Verlagswesen vor. Ich denke aber auch, eine gewisse Anpassungs- und Kompromissfähigkeit ist bei der Berufswahl und vor allem sich bietenden Gelegenheiten von Nutzen. Die Scheinwerfer sind auf eine bestimmte Epoche gerichtet, aber die Fähigkeiten, die du neben den „harten Fakten“ erwirbst, lassen sich auch in anderen Bereichen anwenden.
Der Master als Einladung zur Selbstreflexion
Besonders möchte ich dabei das Potential herausstellen, das die Beschäftigung mit Ideengeschichte allgemein bereithält: Die Fragen, die die Menschen damals an die Welt gestellt haben, sind häufig ähnlich zu denen, die wir heute stellen, häufig aber auch ganz fremd, mit geradezu schockierend anderen Antworten. Das macht nachdenklich, lädt zu Selbstreflexion ein und relativiert, was man selbst für gegeben und selbstverständlich hält. Vielleicht ist es das, was mich an dem Studium am meisten fasziniert.
Zusammenfassend kann ich nur sagen: Wer sich intensiv mit Quellenarbeit beschäftigen will, gern vermeintlich universelle Werte und Konzepte hinterfragt, Wert auf großes Allgemeinwissen legt und darüber hinaus Neugier für eine erstaunlich bunte, spannende und prägende Zeit mitbringt, der ist im Master Mittelalter und Frühe Neuzeit in Würzburg genau richtig. Ob es am Ende in die Forschung, die Vermittlung oder doch in eine ganz andere Richtung geht, liegt in deinem Ermessen.
