Intern
  • none

Mit dem EAGLE-Master in Würzburg die Welt erkunden

20.05.2026

Feldarbeit an der Zugspitze: Im Masterstudiengang EAGLE der Uni Würzburg nicht ungewöhnlich. Im Studium analysierst du mit Drohnen und Satellitenbilder Umweltprozesse. Viktoria berichtet über ihre Erfahrungen.

Ein Seminar ermöglichte es Viktoria (rechts), Feldforschung an der Zugspitze zu betreiben.
Ein Seminar ermöglichte es Viktoria (rechts), Feldforschung an der Zugspitze zu betreiben. (Bild: privat)

Während meines Bachelors in Geographie kam ich in den Grundvorlesungen erstmals mit der Fernerkundung in Berührung und war sofort von den Möglichkeiten dieser Wissenschaft fasziniert. Doch was bedeutet Fernerkundung eigentlich – und womit genau beschäftigen wir uns im Masterstudiengang „EAGLE“? Die Abkürzung steht für Applied Earth Observation and Geoanalysis of the Living Environment.

Wie der Name bereits andeutet, analysieren wir physische und anthropogene Umweltprozesse, beispielsweise Veränderungen von Landoberflächen im zeitlichen Verlauf. Die Fernerkundung lässt sich dabei als eine satelliten-, luft- oder drohnenbasierte Methode der Erdbeobachtung verstehen, die es ermöglicht, großräumige und dynamische Prozesse systematisch zu erfassen.

Besonders bedeutend ist sie im Katastrophenmonitoring und -management, etwa bei der frühzeitigen Erkennung und Analyse von Waldbränden, in der Risikobewertung sowie bei der Unterstützung von Einsatz- und Wiederaufbaumaßnahmen. Darüber hinaus findet sie Anwendung in Bereichen wie der Landnutzungsanalyse, dem Biodiversitätsmonitoring und der Bewertung von Klimaveränderungen. Ganz schön vielseitig – und zugleich zukunftsträchtig, da der Klimawandel eine verstärkte und kontinuierliche Überwachung unserer Umwelt erfordert.

Welche Herausforderungen der EAGLE-Master mit sich bringt

Im Master kommen Studierende aus vielen verschiedenen Bachelorstudiengängen und Fachrichtungen zusammen. Alles, was in Richtung Geographie, Ökologie, Datenanalyse, Informatik oder Ressourcenmanagement geht und Grundvorlesungen zur Fernerkundung beinhaltet, liefert bereits gute Voraussetzungen. Abgesehen von einer kleinen Zahl an Pflichtveranstaltungen haben wir im Master eine große Bandbreite an wählbaren Modulen zur Auswahl.

Da sehr viel mit den Programmiersprachen R und Python gearbeitet wird, ist es wichtig, Spaß und Interesse am Programmieren zu haben und bereit zu sein, viel Zeit am Computer mit der Analyse und Aufbereitung von Geodaten zu verbringen. Das Schöne daran ist, dass du nicht allein lernst und dich nicht allein mit den auftretenden Problemen herumschlagen musst. Die einzelnen Jahrgänge oder auch „Generations“ gleichen dabei eher Klassen im Schulsystem: Alle Seminare und Vorlesungen finden gemeinsam im selben Raum statt und sind eng mit dem Lehrstuhl für Fernerkundung verknüpft.

Die Dozierenden sind allesamt Spezialistinnen und Spezialisten auf ihrem Gebiet und vermitteln die neuesten wissenschaftlichen Methoden sowie praktische Anwendungen. Viele von ihnen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dieses rief den EAGLE‑Studiengang vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Fernerkundung in Würzburg als Kooperationsinitiative ins Leben. Die Kurse im EAGLEMaster sind vollständig auf Englisch, da im Studiengang Studierende aus vielen Ländern zusammenkommen.

Das bietet zahlreiche Möglichkeiten, neue Freundschaften zu schließen, den eigenen Horizont zu erweitern und sich selbst zu fordern, insbesondere zu Beginn des Studiums. Mit der Zeit gewöhnt du dich schnell an den Sprachwechsel und profitierst davon, in einem internationalen Studiengang zu studieren – besonders im Umgang mit englischsprachiger Fachliteratur, Software und der späteren Zusammenarbeit mit internationalen Forschungs‑ und Praxispartnern.

Praxis im Vordergrund: von Praktika bis Feldforschung an der Zugspitze

Wir Studierenden profitieren von dem breiten, internationalen Netzwerk des Studiengangs – zahlreiche Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen weltweit, etwa auf Svalbard (Spitzbergen), in Südafrika oder Namibia, bieten attraktive Möglichkeiten für Praktika. Im Rahmen meines derzeitigen Praktikums bin ich beim WWF Deutschland und unterstütze die Erstellung des Ukraine-Kapitels der Publikationsreihe Feuerkompass, in dem die kriegsbedingten Waldbrände und die ökologische Zerstörung in der Ukraine beleuchtet werden.

Ziel ist es, neben dem menschlichen Leid, das der dort andauernde Krieg verursacht, auch die ökologischen Schäden stärker in die politische Debatte zu rücken. Hierfür sind Satellitenbilder und moderne Algorithmen unerlässlich. Meine Aufgaben umfassen die Analyse von Brandflächen und Brandhäufigkeit, die Erstellung von Grafiken und Karten sowie die Mitwirkung an der Textgestaltung für den Bericht. Es macht großen Spaß, in alle Phasen der Erstellung eines Feuerkompass-Kapitels eingebunden zu sein und die Zusammenarbeit in einer Institution wie dem WWF zu erleben.

Aber auch die Lehrveranstaltungen selbst bieten besondere praktische Erfahrungen: Das Seminar „Earth Observation in Cold regions“ hat mich an das Schneefernerhaus, die Umweltforschungsstation an der Zugspitze, geführt. Dort fliegen wir Drohnen über ein sogenanntes Area of Interest (AOI), um hochaufgelöste Daten von der Schneedecke zu erfassen und in den darauffolgenden Tagen auszuwerten. Verschiedene Sensoren kommen zum Einsatz, um die Schneetiefe zu kartieren und die Methode des UAS‑basierten Schnee-Monitorings zu erproben.

Ein wichtiger Bestandteil der Feldarbeit ist dabei das Setzen sogenannter Ground Control Points (GCPs), also Referenzpunkte, die später in den Drohnenaufnahmen exakt verortet werden können. Auf diese Weise leisten wir einen Beitrag zur Charakterisierung der Schneeverteilung im alpinen Raum, was für Klima‑ und Hydrologiestudien sowie für das Verständnis von Schnee‑ und Wasserkreisläufen von Bedeutung ist.

Und danach? Berufsperspektiven zwischen Monitoring, Forschung und Naturschutz

Wie geht es nach der Masterarbeit weiter? Grundsätzlich eröffnen sich viele Möglichkeiten. Einige Studierende sind so von ihrer Forschung und den praktischen Anwendungsfeldern begeistert, dass sie sich für eine Promotion entscheiden und im wissenschaftlichen Bereich bleiben möchten. Abgesehen davon sind zahlreiche Firmen und Institutionen an Absolventinnen und Absolventen interessiert, die sicher mit Geodaten und fernerkundlichen Methoden umgehen können.

Praktika bieten dabei die Möglichkeit, in verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern und – im besten Fall – bereits einen Fuß in der Tür zu haben. Interessierte können hierzu den Newsblog des Studiengangs einsehen und sich die bisherigen Praktika ehemaliger EAGLE‑Studierender ansehen.

Nach meinem aktuellen Praktikum beim WWF plane ich im Anschluss ein Praktikum beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen, bei dem es schwerpunktmäßig um den Einsatz von Deep Learning zur Erkennung und Analyse von Bränden und Feuern geht. Im Herbst folgt eine weitere Praxisphase in Hamburg, um in den Bereich der Habitat‑ und Seegras‑Klassifizierung hineinzuschnuppern und erste Erfahrungen in einem ganz anderen Anwendungsfeld der Fernerkundung zu sammeln. Wer weiß – vielleicht kehre ich ja später zu einem dieser Einsatzfelder zurück, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Der EAGLE-Master hat übrigens auch einen Instagram-Kanal.

Schau gerne dort vorbei!

Weitere Bilder

Von Viktoria Veith

Zurück