Bayerns digitale Schatzkammer nimmt historische Schulwandbilder aus Würzburg auf
20.07.2026Europas größte Sammlung historischer Schulwandbilder wird an der Uni Würzburg bewahrt. Mehr als 2.000 Stücke daraus werden ab sofort für bavarikon vorbereitet, Bayerns Webportal für digitalisierte Kulturgüter.
Die Forschungsstelle Historische Bildmedien der Universität Würzburg hat über die Jahre eine beachtliche Sammlung von Schulwandbildern aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zusammengetragen. In ihren Räumen auf dem Campus Nord bewahrt sie mehr als 20.000 Stücke aus 150 Jahren Schulgeschichte auf. „Damit besitzen wir die größte Sammlung von Schulwandbildern in Europa“, sagt Dr. Ina Katharina Uphoff, Leiterin der Forschungsstelle.
Die Wandbilder stammen aus einer Zeit ohne Video, Beamer oder Tablets. Ihre Blütezeit hatten sie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie wurden für alle Unterrichtsfächer produziert und hingen in praktisch jedem Klassenzimmer. Als Medien für analoges Storytelling eröffneten sie den Kindern unterschiedlichste Bild- und Lernwelten.
bavarikon macht Schulwandbilder zugänglich
Ausgewählte Stücke aus der Sammlung werden nun in bavarikon aufgenommen – Bayerns digitale Schatzkammer für Kunst, Kultur und Wissen. Die bavarikon-Exponate, die via Web für alle zugänglich sind, stammen vor allem aus bayerischen Museen, Archiven und Bibliotheken.
Damit werden die Würzburger Schulwandbilder als bedeutende Kultur- und Wissensschätze gewürdigt und langfristig für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Genau 2.222 historische Schulwandbilder aus Würzburg sind für bavarikon vorgesehen.
Darunter ist ein Schulwandbild von 1912, auf dem der Königssee zu sehen ist. Es gehört zur Serie „Geographische Typenbilder“: Solche Bilder sollten im Geographieunterricht Vorstellungen von Landschaftsformationen vermitteln – nicht nur von Landschaften der Region, sondern auch von Deutschland und anderen Ländern der Welt.
Ebenfalls in die bayerische Schatzkammer aufgenommen wird ein Schulwandbild von einem Braunkohlebergwerk. Es zeigt, wie die Kohle im Tagebau gewonnen wurde, welche Maschinen dabei zum Einsatz kamen und wie das Abbauprodukt in die Kraftwerke geschafft wurde.
Auch Darstellungen aus der Anatomie werden in bavarikon zu sehen sein. Eine davon ist das Schulwandbild „Schutzvorrichtungen am Auge. Das Sehen als Gehirntätigkeit“ aus dem Jahr 1916.
Freistaat fördert das Projekt
Bevor die Würzburger Schulwandbilder in bavarikon auftauchen, ist für die Forschungsstelle Historische Bildmedien noch Arbeit zu erledigen.
Zahlreiche Bilder aus der Sammlung müssen für bavarikon aus dem Archiv geholt und wissenschaftlich erschlossen werden: Das Team recherchiert Informationen über die Bildwerke und bereitet sie so auf, dass Entstehung, Nutzung und Bedeutung der Bilder nachvollziehbar werden. Das Digitalisierungszentrum der Universitätsbibliothek Würzburg scannt die historischen Stücke dann für die Darstellung im Netz ein.
Das Wissenschaftsministerium und das Digitalministerium des Freistaats fördern diese Arbeiten. Für das am 1. Juli 2026 gestartete zweijährige Projekt werden Leopold Kunert als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Julia Thieme als studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle beschäftigt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt darauf, die Schulwandbilder verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen. Geplant sind zwei digitale Ausstellungen. Sie sollen unterschiedliche Facetten der Sammlung präsentieren und neue Zugänge zum visuellen Storytelling vergangener Zeiten eröffnen.
Kontakt
Dr. Ina Katharina Uphoff, Forschungsstelle Historische Bildmedien, Universität Würzburg, ina.uphoff@uni-wuerzburg.de
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