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  • Ein Schüler sitzt vor der Alten Universität der JMU und macht ein Selfie.
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Von Würzburg in die Welt

28.03.2024

Sie hat ihren Beruf als Pharma- und Biotech-Beraterin aufgegeben und führt nun einen Käseladen: JMU-Alumna Anne Kuhbier erzählt von ihrem krassen Berufswechsel.

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Anne Kuhbier in ihrem Käseladen in der Augsburger Altstadt. (Bild: privat)

Was arbeiten Absolventinnen und Absolventen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, befragt Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, regelmäßig ausgewählte Ehemalige.

Diesmal hat Anne Kuhbier die Fragen beantwortet. Die Alumna hat an der JMU Biologie studiert, rund 25 Jahre als Pharma- und Biotech-Consultant gearbeitet und dann einen kompletten Berufswechsel vollzogen.

Frau Kuhbier, im Jahr 2022 ist etwas passiert, das ihr Leben umgekrempelt hat.

Da hat unser Lieblingskäseladen in der Augsburger Altstadt geschlossen, weil die Besitzerin ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter betreiben konnte. Zu der Zeit hing ein Zettel im Schaufenster, mit dem sie jemanden suchte, der den Laden weiterführt. Da ich sowieso schon seit einiger Zeit eine berufliche Neuorientierung suchte und es total schade fand, dass der Laden zu war, habe ich beschlossen, ihn zu übernehmen. Das kam allerdings nicht völlig aus heiterem Himmel. Vor ein paar Jahren hatte ich schon einmal überlegt, ein paar Stunden in der Woche in dem Laden mitzuarbeiten.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

Der Arbeitsalltag ist vor allem sehr abwechslungsreich! Natürlich stehen die Beratung und der Verkauf im Vordergrund. Da ich aber den Laden mehr oder weniger alleine führe, bin ich in Personalunion noch sehr viel mehr: Einkäuferin, Logistikerin, Buchhalterin, Chefin von drei Mini-/Midi-Jobbern, Problemlöserin, Putzfrau, etc.pp. Auch in einem kleinen Laden fällt so viel Unterschiedliches an, dass es nie langweilig wird.

Nach mittlerweile etwa zwei Jahren: Wie ist Ihr Resumé?

Ich würde den Schritt in die Selbständigkeit und in den Lebensmittelfachhandel wieder tun. Natürlich ist da ein finanzielles Risiko und es hätte auch schiefgehen können. Aber generell habe ich vor allem am Anfang sehr von meinen Erfahrungen als Beraterin profitiert und konnte notwendige Routinen für die betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und personaltechnischen Aufgaben etablieren. So blieb mir mehr Zeit, um mich in die eigentliche Thematik „Käse“ und „Kundenbetreuung“ einzuarbeiten. Vor allem bei der Käsekunde habe ich sehr von meinem Biologie-Background profitiert, sodass ich die Kunden schnell und fachlich glaubwürdig beraten konnte.

Was empfehlen Sie Menschen, die einen vergleichbar krassen Berufswechsel vollziehen wollen?

Meine Empfehlung ist, den Wechsel in einem Rahmen zu vollziehen, in dem die Grundstärken der eigenen Persönlichkeit gut zum Tragen kommen. In meinem Fall waren das vor allem mein naturwissenschaftlicher Hintergrund, mein Organisationstalent und meine Menschen- und Kundenorientierung. Darauf konnte ich mich von Anfang an verlassen und mehr Energie und Kapazitäten in neue Themen investieren. Mit anderen Worten: Wenn der Wechsel zu viele neue Baustellen mit sich bringt und zu wenig vorhandene Kernkompetenzen verlangt, ist der Weg deutlich steiniger und die Gefahr des Scheiterns größer. Außerdem funktioniert ein solcher Schritt aus meiner Sicht nur, wenn man ein wohlwollend unterstützendes Umfeld und finanzielle Reserven hat.

Hochwertige Lebensmittel und Tierwohl sind Ihnen wichtig.

Das Lebensmittelbusiness in Deutschland ist nicht einfach und generell wird hier immer noch zu wenig Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit gelegt. Lebensmittel sind real gesehen zu günstig bzw. für die doch immer schneller steigenden Preise von zu schlechter Qualität. Hier müssen wir alle umdenken und weg von der Masse hin zur Klasse. Banal gesagt: Lasst uns alle im Schnitt etwas weniger Fleisch, Käse oder andere Milchprodukte essen, dafür aber solche mit höherer Güte. Und das bedeutet dann zum Beispiel Bioqualität, höheres Tierwohl, bessere Margen für die Landwirte und Produzenten auf der einen Seite und gesündere Lebensmittel, besserer Geschmack und ein besseres Gewissen für die Konsumenten auf der anderen Seite. Finanziell gesehen bleibt es für den einzelnen Kunden dann auch erträglich bzw. stemmbar.

Was ist zurzeit Ihr Lieblingskäse?

In den kälteren Monaten mag ich gerne gehaltvolle und kräftige Käse, die am besten noch eine lange Tradition haben. Daher esse ich aktuell sehr gerne den Blue Stilton. Das ist ein Blauschimmelkäse aus England, Grafschaft Leicestershire. Und den kombiniere ich mit einem Gläschen Tawny-Portwein aus Portugal. Diese Paarung ist wunderbar, weil der fruchtige, süßliche Port sehr gut mit der leicht pflaumigen Süße des Blauschimmelkäses harmoniert. Für mich ist dieses Paar ein gelungener Abschluss einer Käseplatte oder auch ein Dessert in einem winterlichen Menü.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?

Die gesamte Studienzeit in Würzburg war schön und ich erinnere mich sehr gerne daran. Nachhaltig beeinflusst haben mich das tolle Angebot an Gaststätten und Weinkellern, in denen ich einen professionelleren Zugang zum Thema Wein und gutem Essen bekommen habe. Und ich bin während meiner Diplomarbeit im Biozentrum jeden Mittag mit einem Trupp Physiker in die Mensa gegangen, die ich zum Teil noch aus Praktika kannte. Das war immer eine willkommene Abwechslung vom Laboralltag, weil wir da ganz andere Gesprächsthemen hatten. Darüber hinaus habe ich in dieser Gruppe auch meinen Mann kennengelernt, mit dem ich schon 30 Jahre zusammen bin.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sie sind selbst noch nicht Mitglied im Alumni-Netzwerk der Universität? Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich über www.uni-wuerzburg.de/alumni/ zu registrieren! Auf den Webseiten des Netzwerks finden Sie auch die bislang veröffentlichten Interviews mit Alumni und Alumnae der JMU.

Von Michaela Thiel / Robert Emmerich

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