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Hinschauen statt wegsehen: Würzburg gegen Antisemitismus

13.10.2026

Wie sehen wir jüdisches Leben und was macht Antisemitismus mit unserer Gesellschaft? Ab 25. Oktober suchen Würzburgs Hochschulen eine Woche lang gemeinsam nach Antworten.

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Die Aktionswoche gegen Antisemitismus startet am 25. Oktober 2026. (Bild: Lennart Sterzenbach)

Antisemitismus ist kein Randphänomen und kein Kapitel aus dem Geschichtsbuch. Er zeigt sich in Kommentarspalten und Verschwörungserzählungen, in Hörsälen und auf der Straße, auch hier in der Region. Für viele Jüdinnen und Juden gehört die Frage, ob sie sich zu erkennen geben können, längst zum Alltag.

Mit der Aktionswoche „Würzburg gegen Antisemitismus“ wollen Hochschulen, Kultureinrichtungen und Initiativen der Stadt nicht nur ein Zeichen setzen, sondern etwas verändern: Sie wollen Wissen vermitteln, Gespräche anstoßen und einen Blick auf jüdisches Leben öffnen, der über Klischees und Opfererzählungen hinausgeht.

Welche Bilder tragen wir in uns?

Diese Frage zieht sich durch den Eröffnungsabend am Sonntag, 25. Oktober 2026, im Johanna-Stahl-Zentrum.

Um 17 Uhr öffnet die Ausstellung „Gojfragility – Annäherungen an jüdisches Leben zwischen Bildern und Blicken“. Die Fotografin Linea Weber zeigt darin jüdisches Leben im heutigen Deutschland, und zwar so, wie es ist, und nicht so, wie es sich viele vorstellen.

Um 18 Uhr sprechen Vertreterinnen und Vertreter der Würzburger Hochschulen und der jüdischen Gemeinschaft, unter ihnen Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, darüber, wie es um Antisemitismus auf dem Campus und in der Stadtgesellschaft steht.

Im anschließenden Podium „Jüdisches Leben im Blick – Unsere Bilder. Unsere Verantwortung.“ wird es grundsätzlich: Wie entstehen Bilder von Jüdinnen und Juden, welche Macht haben sie, und wie lassen sie sich verändern? Darüber diskutieren unter anderem Linea Weber, Rosa Jellinek und JMU-Professor Frederek Musall. Moderiert wird das Podium von Dr. Isabel Fraas, der Antisemitismusbeauftragten der Universität Würzburg.

Wo Bildung ansetzt und wo sie scheitern kann

Wer Antisemitismus begegnen will, muss ihn erkennen, gerade dort, wo er sich hinter vermeintlich harmlosen Denkmustern verbirgt. JMU-Theologie-Professorin Barbara Schmitz geht deshalb am Montag, 26. Oktober 2026, im Stadtarchiv den antijüdischen Denkfiguren nach, die sich über Jahrhunderte bis heute gehalten haben. Im Anschluss stellt Dr. Nadine Negri das Käte Hamburger Kolleg für Studien zum Messianismus (CEMES) der JMU vor, mit dem Titel „Messias zwischen Napoleon und Trump“.

Ein Schwerpunkt der Woche liegt dort, wo Haltung weitergegeben wird: in Schule und Hochschule.

Angehende Lehrkräfte können am Montag, 26. Oktober 2026, vormittags in einer Seminareinheit des Zertifikats „Antisemitismuskritische Bildung für Unterricht und Schule“ (ZABUS) erleben, wie antisemitismuskritischer Unterricht aussehen kann.

Am Mittwoch, 28. Oktober 2026, zeigen Judith Petzke vom Zentrum für antisemitismuskritische Bildung (CCEA) und Dr. Isabel Fraas Lehrenden online, wie sie Antisemitismus in Seminar und Vorlesung erkennen und wie sie darauf reagieren können.

Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, stellt ZABUS-Dozent Felix Krull eine unbequeme Frage: Was, wenn gut gemeinte Bildungsarbeit Antisemitismus sogar verstärkt? Sein Online-Vortrag „Unerwünschte Effekte“ geht Opferkonkurrenz und paradoxen Wirkungen nach und zeigt, was gute antisemitismuskritische Pädagogik ausmacht.

Eine Woche, viele Zugänge

Neben Vorträgen und Diskussionen gibt es Musik, Film, Führungen und Workshops. Bei den meisten Veranstaltungen kann man spontan vorbeikommen.

Eine Anmeldung sichert aber einen Platz und hilft dem Organisationsteam bei der Planung. Das vollständige Programm mit allen Anmeldelinks und weitere Infos gibt es unter www.wue-gegen-antisemitismus.de.

Die Veranstaltungen sind auch für das GSiK-Programm der Uni Würzburg geöffnet und können in der Evangelischen Theologie und Religionspädagogik im Freien Bereich angerechnet werden.

Von Leon Schleier / Isabel Fraas

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