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Röntgenbild von Weltruhm

24.02.2022

Die Urenkelin des berühmten Würzburger Mediziners Albert von Kölliker hat der Medizinischen Fakultät drei historische Objekte geschenkt.

Professor Michael Stolberg (links), Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin, und Professor Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, mit der Urenkelin Albert von Köllikers. Sie möchte namentlich nicht in Erscheinung treten.
Professor Michael Stolberg (links), Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin, und Professor Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, mit der Urenkelin Albert von Köllikers. Sie möchte namentlich nicht in Erscheinung treten. (Bild: privat)

Die Medizinhistorischen Sammlungen der Universität Würzburg verfügen über viele Stücke, die an den Anatomen und Physiologen Albert von Kölliker (1817-1905) erinnern. Nun ist die Sammlung weiter gewachsen: Die Urenkelin des berühmten Mediziners hat der Medizinischen Fakultät drei Objekte aus Familienbesitz geschenkt.

Röntgenbild von Köllikers Hand

Einer der Neuzugänge ist ein Bild, das Wissenschaftsgeschichte geschrieben hat: Es ist eine Röntgenaufnahme von Köllikers Hand, versehen mit einer Widmung: „Herrn Geheimrath v. Kölliker mit vorzüglicher Hochachtung D. med Röntgen“.

Unter dem Rahmen des Bildes versteckt, steht eine Markierung: 1896/10 pap. „Sie beweist, dass es sich um einen Papierabzug von der Originalplatte handelt, mit der Wilhelm Conrad Röntgen 1896 vor der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft zu Würzburg erstmals die unbekannten Strahlen vorstellte, die er im Jahr zuvor entdeckt hatte“, sagt Privatdozentin Dr. Sabine Schlegelmilch, Leiterin der Medizinhistorischen Sammlungen. Albert von Kölliker plädierte in ebendieser Sitzung der Gesellschaft dafür, die unbekannten Strahlen nach Röntgen zu benennen und sie für medizinische Zwecke zu nutzen.

Prunkmappen zum Doktorjubiläum

Der zweite Neuzugang zur Würzburger Kölliker-Sammlung ist eine Prunkmappe mit Pergamenturkunde. Damit gratulierte die Anatomische Gesellschaft im Jahr 1891 Albert von Kölliker zu seinem 50. Promotionsjubiläum.

Auch das dritte Objekt aus dem Besitz von Köllikers Urenkelin ist eine Prunkmappe mit Pergamenturkunde zum 50. Doktorjubiläum. Sie stammt vom medizinischen Professorenkollegium der Universität Wien und datiert auf das Jahr 1892. In die Mappe eingelegt ist ein Bild Köllikers, womöglich die Fotografie eines Gemäldes.

Kölliker-Ausstellung in Planung

Die drei Objekte wurden inzwischen fachgerecht im Depot der Medizinhistorischen Sammlungen eingelagert. Hierzu musste vor allem die berühmte Aufnahme von Köllikers Hand behutsam aus dem alten, mit Metallnägeln und Verleimung fixierten Bilderrahmen gelöst werden.

Die Einzigartigkeit dieser Objekte sowie die auch sonst umfangreich vorhandenen Bestände zu Albert von Kölliker haben erste Überlegungen zu einer Ausstellung gedeihen lassen: Sie soll Köllikers Rolle in der Wissenschaft seiner Zeit illustrieren und in interdisziplinärer Kooperation der Medizinhistorischen Sammlungen mit den Fächern Museologie/Museumswissenschaft (JMU) und Ausstellungsgestaltung/Kommunikation (FHWS) entstehen.

Zur Person: Albert von Kölliker

Albert von Kölliker, 1817 in Zürich geboren, lehrte und forschte ab 1849 für mehr als 50 Jahre an der Universität Würzburg. Der Professor für Anatomie und Physiologie führte Mikroskopierkurse und andere Lehrformen ein, die damals neuartig waren. Dadurch wirkte er als „Studentenmagnet“ – und trug viel dazu bei, dass die Würzburger Universitätsmedizin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen enormen Aufschwung erlebte.

Kölliker gilt als Begründer der mikroskopischen Anatomie. Auf diesem Gebiet lieferte er viele wichtige Erkenntnisse über menschliche Zellen und Zellstrukturen. Auch seine Forschungen in der Gewebelehre können als Pionierleistungen eingestuft werden. Besonders seine Arbeiten zur Struktur von Muskelzellen und zur Beschaffenheit von Fettgewebe setzten Maßstäbe. Seine Ergebnisse fasste er 1852 im ersten Handbuch der Gewebelehre zusammen.

Bekannt in Würzburg und der Welt

Während seiner gesamten Würzburger Zeit genoss Kölliker ein sehr hohes Ansehen bei anderen Wissenschaftlern und Studenten. Mit dem Pathologen Rudolf Virchow, der von 1849 bis 1856 in Würzburg lehrte und forschte, verband ihn eine Freundschaft. Sie gründeten gemeinsam die Physikalisch-Medizinische Gesellschaft und prägten dadurch wesentlich das wissenschaftliche Umfeld in Würzburg.

Auch eine liberale Geisteshaltung verband die beiden großstädtisch geprägten Forscher – Kölliker kam aus Zürich, Virchow aus Berlin. Im katholischen Würzburg galten die beiden als politische Radikale, was ihr gutes persönliches Verhältnis noch zusätzlich förderte.

Albert von Kölliker erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen. Sein Wirken verschaffte der Würzburger Medizinischen Fakultät außerordentliche Bedeutung im Deutschen Reich. Mit der Adelung durch den Prinzregenten des Königreichs Bayern 1897 wurde sein Lebenswerk gekrönt.

Quellen

Medizinhistorische Sammlungen der Universität Würzburg 

Universitätsarchiv Würzburg

Pathologisches Institut der Universität Würzburg

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