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    Reiz der Ruine

    05.11.2019

    Vom 10. November an ist eine neue Ausstellung im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg zu sehen. Sie kombiniert Werke von Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) mit den Werken zweier zeitgenössischer Grafiker.

    Werke der zeitgenössischen Grafiker Kevin Fletcher (links, Ausschnitt) und Robert Reiter (rechts, Ausschnitt) kombiniert mit Schöpfungen des aus Venedig stammenden Giovanni Battista Piranesi zeigt die neue Ausstellung im Martin von Wagner Museum.
    Werke der zeitgenössischen Grafiker Kevin Fletcher (links, Ausschnitt) und Robert Reiter (rechts, Ausschnitt) kombiniert mit Schöpfungen des aus Venedig stammenden Giovanni Battista Piranesi zeigt die neue Ausstellung im Martin von Wagner Museum. (Bild: (Martin von Wagner Museum))

    Giovanni Battista Piranesi hat mit der virtuosen Technik und der drangvollen Bildregie seiner Radierungen viele Künstler inspiriert. Teil dieser Erfolgsgeschichte sind auch die beiden zeitgenössischen Grafiker Robert Reiter und Kevin Fletcher. Mit rund 60 Arbeiten aus dem Besitz des Würzburger Universitätsmuseums spannt die Ausstellung einen Bogen von den antiken Überresten Roms über die Ruinenästhetik der frühen Neuzeit bis zur Faszination anonymer Industriebrachen. Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie aus viereinhalb Jahrhunderten bezeugen die Magie der römischen Ruinen und die Wirkmacht Piranesis – in einer Hommage zu dessen 300. Geburtstag.

    Schenkungen aus den USA

    Es begann im Jahr 2001 mit einer Ausstellung des bei Coburg lebenden Künstlers und Kunstpädagogen Robert Reiter (geb. 1932) im Martin von Wagner Museum. Ein Besucher nahm Kontakt zur Museumsleitung auf und stellte sich als Grafiker mit ähnlicher technischer Herangehensweise vor. Dieser Mann war Kevin Fletcher (geb. 1956), Kunstprofessor aus dem kalifornischen Santa Rosa. Spontan – und dann über Jahre hinweg – schenkte er dem Universitätsmuseum eine ganze Reihe seiner Arbeiten. Als ihm auch Robert Reiter ein stattliches Paket seiner Grafiken überließ, war die Idee zu der Ausstellung geboren, die am 9. November eröffnet wird.

    Das Besondere daran: Die Werke beider Künstler erinnern an die Schöpfungen des aus Venedig stammenden Giovanni Battista Piranesi. „Dieser Grafiker und Architekt, Altertumsforscher und Verleger war bereits in der kultivierten Welt des 18. Jahrhunderts eine Berühmtheit“, erläutert Dr. Markus Maier, der die Ausstellung kuratiert hat: „Zahllose Bauten der römischen Antike setzte Piranesi auf unnachahmliche Weise in Szene.“ Seine bizarren Raumphantasien aus der Serie der „Carceri“ hätten nicht zuletzt viele Künstler verschiedener Sparten beeindruckt und inspiriert – Maler und Grafiker, aber auch Bühnenbildner, Literaten und Filmemacher.

    Ruinen des antiken Roms und moderner Industriebauten

    Auch Robert Reiter und Kevin Fletcher gehören in diese Rezeptionsgeschichte. Wie bei Piranesi zeichnen Vitalität, Wucht und packende Atmosphäre auch ihre Werke aus, die in dieser Schau erstmals öffentlich gezeigt werden. Während Reiter hauptsächlich die antiken Ruinen Roms in den Blick nimmt, erliegt Fletcher der Anziehungskraft anonymer Industrieruinen in all ihrer Monstrosität und Melancholie. In den anspruchsvollen Techniken der Kaltnadelradierung und der Monotypie verschmelzen die gestalterischen Potenziale von Zeichnung und Malerei, ergänzt um die Eigenheiten des Druckvorgangs – „für Kenner immer ein besonderer Leckerbissen“, wie Dr. Maier verspricht.

    Einleitend versammelt eine kabinettartige „Ausstellung in der Ausstellung“ zahlreiche Ansichten römischer Ruinen, die vor Piranesi, zu seinen Lebzeiten oder kurz danach entstanden sind. Historische Fotografien geben die antiken Trümmer im Rom des 19. Jahrhunderts wieder. Der Hauptteil der Ausstellung widmet sich Piranesi, Reiter und Fletcher. Teils werden die Schöpfungen der drei Künstler vergleichend gegenübergestellt, teils in Gruppen separat präsentiert – mit unvermuteten Wechselwirkungen. Überraschend mag für viele auch der Bezug sein, den zwei Texte im Ausstellungskatalog herstellen: zu den Ruinen Würzburgs nach der Zerstörung 1945 der eine, zur Architektur der Würzburger Residenz der andere.

    Eröffnung am Samstag, 9. November

    Zur Eröffnung am Samstag, 9. November um 18 Uhr im Toscanasaal der Residenz lädt das Martin von Wagner Museum alle Interessierten herzlich ein. Es sprechen der Direktor und der Kurator der Neueren Abteilung, Professor Damian Dombrowski und Dr. Markus Maier.

    Die Ausstellung wird gefördert durch die Julius-Maximilians-Universität. Der Eintritt ist frei.

    Zeit und Ort

    Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg, Kleine Galerie, Residenz Würzburg, Südflügel, 2. Stock. Öffnungszeiten: Di–Sa 10–13.30 Uhr, So 10–13.30 Uhr im Wechsel mit der Antikensammlung (siehe martinvonwagner-museum.com), Mo geschlossen.

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