Leukämie: Forschung für die nächste Generation der ALL-Therapien
22.09.2026Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist ein zentrales Forschungsthema am Institut für Klinische Genetik und Genommedizin. Aktuell laufen vier Projekte über diese Krebserkrankung.
Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist die häufigste Krebserkrankung bei Kindern. Trotz großer Fortschritte in der Behandlung stellt sie die Medizin weiterhin vor Fragen: Warum verläuft die Erkrankung so unterschiedlich? Welche genetischen Veränderungen beeinflussen das Ansprechen auf eine Therapie? Welche Rolle spielen Faktoren wie Alter und Geschlecht?
Das Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) widmet sich diesen Fragen. Vier aktuelle Projekte zeigen die Bandbreite der Forschung, die am Institut eingesetzt wird: Sie reichen von Künstlicher Intelligenz und Präzisionsmedizin bis hin zu modernen Verfahren der Genomanalyse und zur geschlechtssensiblen Forschung.
„Wir sind nun mit den ersten Publikationen und eingeworbenen Förderungen auch wissenschaftlich in Würzburg angekommen“, freut sich Professorin Anke Katharina Bergmann, die das im Oktober 2025 gegründete Institut leitet.
„Wir wollen die ALL aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforschen und klinische Fragestellungen mit modernen Technologien und großen Datensätzen verbinden. Was jetzt mit ersten erfolgreichen Projekten begonnen hat, möchten wir weiter ausbauen – und dafür auch neue Forschungsideen und Kooperationen nach Würzburg holen.“
Die vier Projekte zu ALL werden im Folgenden kurz vorgestellt. Ausführlich beschrieben sind sie in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Würzburg.
clinTALL: Subtypen einteilen und Behandlungsergebnis vorhersagen
Ein Meilenstein ist die im Fachjournal „Genome Medicine“ veröffentlichte Studie zur Anwendung clinTALL. Das auf maschinellem Lernen basierende Verfahren ermöglicht eine automatisierte und präzise Einteilung der T-zelligen ALL (T-ALL) in genetische Untergruppen. Es kann das Behandlungsergebnis auf Grundlage verschiedener Daten abschätzen.
Publikation: clinTALL: machine learning-driven multimodal subtype classification and treatment outcome prediction in pediatric T-ALL. Genome Medicine 18, 108 (2026). https://doi.org/10.1186/s13073-026-01733-8
Gender4ALL: Geschlecht und Alter als mögliche Einflussfaktoren
Die Frage, ob sich die Leukämie ALL bei Mädchen und Jungen unterschiedlich verhält, rückt zunehmend in den Fokus. Mit Gender4ALL startet am Institut für Klinische Genetik und Genommedizin ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt, das mögliche geschlechts- und altersabhängige Unterschiede bei der Erkrankung systematisch untersucht.
B-other-ALL: Neue Genomdaten für schwer einzuordnende Leukämie
Eine weitere Projektförderung kommt von der Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung, die Dr. Zeljko Antic beim Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe unterstützt. Im Mittelpunkt steht die sogenannte B-other-ALL, die etwa zehn Prozent der Kinder mit B-ALL betrifft. Bei ihnen lassen sich mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden keine genetischen Veränderungen feststellen, die eine eindeutige Einordnung in eine Risikogruppe erlauben. Deshalb werden diese Kinder nach einheitlichen Behandlungsschemata therapiert, obwohl sich ihre Erkrankungen genetisch deutlich unterscheiden können. Das Forschungsteam möchte mit besonders leistungsfähigen Verfahren zur Genomanalyse, dem Long-Read-Sequencing, nach bislang übersehenen genetischen und epigenetischen Veränderungen suchen, um die Therapien genauer an das individuelle Risiko anpassen zu können.
DUX4-r ALL: Onkogenomische Forschung mit neuesten Technologien
Ein vom Förderverein „Tour der Hoffnung“ unterstütztes Forschungsprojekt wird es der Arbeitsgruppe ermöglichen, neueste genomische Technologien zu evaluieren und zu prüfen, welchen zusätzlichen Nutzen sie für die Patientenversorgung bieten können. Das Team von Jiangyan Yu untersucht eine genetisch komplexe Subgruppe der Leukämie, die DUX4-r ALL. Ziel ist es, verbesserte diagnostische Verfahren zu entwickeln, eine bessere Risikoeinschätzung zu ermöglichen und damit individuellere Behandlungsstrategien zu entwickeln.

