KI-Nachwuchspreis für studentisches Start-up
14.07.2026Eine KI, die zeitfressende Aufgaben bei Gutachten in der Familienpsychologie vereinfachen soll: Daran arbeitet ein studentisches Start-up aus Würzburg. Gründer Johannes Störlein hat dafür einen KI-Nachwuchspreis erhalten.
Wie aufwendig es sein kann, sich mit dem Papierkram herumzuschlagen, den ein familienpsychologisches Gutachten erfordert, weiß Johannes Störlein nur zu gut. Als studentische Hilfskraft und im Rahmen von Praktika bei medizinischen und familienrechtlichen Gutachtern transkribierte er stundenlange Explorationsgespräche, half dabei, Untersuchungspläne zu erstellen und wertete Gerichtsakten aus – alles zeitintensive Aufgaben.
Heute beschreibt Störlein, der im Masterstudiengang Human-Computer Interaction an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) studiert, diese Erfahrung als Auslöser der Idee, eine KI-Anwendung zu entwickeln, die solche Tätigkeiten künftig einfacher macht. Dafür hat er nun den „Studierende und junge Talente“-Nachwuchspreis beim AI Communication Award 2026 in Schwäbisch Hall erhalten. Die Auszeichnung ist mit 2.000 Euro dotiert und wurde 2026 zum dritten Mal auf den Social Media Days verliehen, die von der High-Tech-Firma Ziehl-Abegg veranstaltet werden.
Datenschutzkonforme und zeitsparende KI-Lösung
Seit März 2026 entwickelt Störlein seine Idee in seinem eigenen Start-up weiter. Die mindocu GmbH hat ihre Arbeitsräume im Center für Artificial Intelligence and Data Science (CAIDAS) der JMU. Gemeinsam mit Anna Manger, JMU-Alumna des Masterstudiengangs Management, und Oliver Gawron, Informatik-Absolvent an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS), hat der Würzburger das Unternehmen gegründet.
„Wir haben bereits zwei Kunden und ein Testsystem, auf die interessierte Gutachtende zugreifen können“, so Störlein. Zur Zielgruppe des Start-ups zählen Sachverständige, Gutachtende sowie psychologische und medizinische Fachkräfte.
Wie die Anwendung funktioniert: Gutachtende laden Audioaufnahmen von Patientengesprächen im System hoch. Dann erhalten sie eine Transkription sowie einen ersten Entwurf für ein Gutachten, der im Stil indirekter Rede verfasst ist.
„Natürlich überprüft immer noch der Mensch in letzter Instanz. Um die Überarbeitung zu erleichtern, zeigt die Software den Usern zu jedem generierten Satz die dazugehörige Quelle in der Transkription und in der Audioaufnahme an“, erklärt Störlein. Das mache die Ergebnisse nachvollziehbar und kontrollierbar. Wer lieber direkt mit der KI kommunizieren möchte, könne auch den Chatbot im System benutzen, um Gutachten zu bearbeiten.
Und der Datenschutz? Der sei von Anfang an mitgedacht, so der JMU-Student, denn das System arbeite vollständig mit lokalen KI-Modellen – ein Datenabfluss an Dritte finde somit gar nicht erst statt. Dafür bringt mindocu den Kunden einen eigenen Hochleistungsrechner in der Größe eines Schuhkartons direkt vor Ort, der sämtliche Daten in der Praxis selbst verarbeitet. Und: „Auch aus dem Homeoffice werden die Daten nur über eine verschlüsselte Verbindung an den Rechner gesendet. Ähnlich wie beim Online-Banking.“
Was als nächstes für das junge Team ansteht
Das junge Gründerteam baut kontinuierlich weiter am System. Als Nächstes soll die KI-Anwendung zwischen vier, statt wie bislang nur zwischen zwei Sprecherinnen und Sprechern unterscheiden können. Solche Fälle treten beispielsweise bei Gesprächen mit beiden Elternteilen und dem Kind auf oder wenn Dolmetscherinnen und Dolmetscher involviert sind.
Ein neues, großes Modul wird der „Aktenscan“ sein: Damit sollen Gutachtende künftig hunderte Seiten an Akten aufbereiten, gezielt die relevanten Informationen finden und die Zusammenhänge hinter den Datenmengen besser verstehen können. Geplant ist zudem ein „Smart Lector“, der auf Inkonsistenzen und die Einhaltung fachlicher Standards hinweist. „Unsere Anwendung soll in allen Arbeitsschritten des Gutachtenverfahrens unterstützen vom Auftrag bis zur Rechnungsstellung.“
Von der Idee zum Start-Up
Störleins Tätigkeit als Hilfskraft bekräftigte ihn, im Studium an seiner Idee dranzubleiben. Im August 2023 stellte er sie am Zentrum für digitale Innovationen Mainfranken (ZDI) erstmals vor. Kurz darauf stiegen Anna Manger und Oliver Gawron ins Projekt ein.
Es folgten mehrere Preise in Pitch-Wettbewerben, bei denen Gründerinnen und Gründer ihre Ideen überzeugend darbieten müssen. Darunter auch die Auszeichnung mit einem der KickStart-Pitches 2025 der THWS, dotiert mit 7.500 Euro. „Die Gründungszentren in und um Würzburg waren und sind extrem hilfreich“, so Störlein.
Auch an der JMU überzeugte das Team, und das mehrmals: 2024 bei der von Professor Harald Wehnes organisierten Projektiade erhielt es den Publikums- und den Projektpreis „Bestes KI-Produkt“. Bei der Verleihung 2025 überzeugte die KI-Anwendung in der Kategorie „Größter gesellschaftlicher Nutzen“.
Im Rahmen seiner Masterarbeit validierte Störlein die Anwendung: 15 Gutachtende testeten das System und mit positiver Resonanz. Die Ergebnisse stellte er im Rahmen einer Postersession bei der Tagung „KI menschzentriert gestalten“ der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Berlin vor.
Unterstützung von Uni-Seite
Die Gründungsberatung des JMU-Servicezentrums Forschung und Technologietransfer (SFT) hat das Team des Start-ups bei der Gründung unterstützt. Das SFT beriet bei der Ausgründung und half bei Förderanträgen. Eine weitere Förderung des Start-ups folgte mit dem eXist-Gründer-Stipendium.
Unterstützung erhält Johannes Störlein und sein Team zudem von Professorin Carolin Wienrich und Dr. David Obremski von der Arbeitsgruppe Psychologie Interaktiver Systeme am Institut für Mensch-Computer-Medien.
Weiterführende Links
Pressemitteilung der ZIEHL-ABEGG zum AI Communication Award 2026

